70 Jahre Volkszeitung : Blick zurück nach vorn

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Warum diese Zeitung das Jubiläum feiert

Ist es gut, sich auf eine Tradition zu beziehen? Zumal auf eine Zeitungstradition, die nicht nur stolze Momente zu verzeichnen hatte? Der österreichische Komponist Gustav Mahler meinte: „Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche.“

Wer Zeitung macht, hat ein Feuer in sich, muss es haben. Ohne dieses Feuer ist dieser Beruf wohl schwer lange auszuhalten. Doch Journalismus in Zeiten der DDR war etwas anderes als heute. Schon zur Gründung der Volkszeitung vor nun 70 Jahren erschien sie als „Organ“, also als Sprachrohr, Mitteilungs- und Agitationsblatt der Kommunistischen Partei. Sie bedurfte einer Zulassung der Besatzungsmacht. Und hatte ganz offiziell einen Zensor! Undenkbar heute. Obwohl – so mancher Leser und vor allem mancher Nicht-Leser und Zeitungs-Verächter unterstellt doch immer wieder, „die“ Medien würden zensiert, seien alle gleichgeschaltet, würden nur das bringen, was ominöse politische Kreise ihnen auferlegten.

Ich kann jedem Leser versichern: Dem ist nicht so. Aber es war so. Und nicht nur unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, als es einleuchtend war nach der Gleichschaltung der Presse im Dritten Reich, dass die neuen Machthaber die Kontrolle darüber haben wollten, womit die neu gegründeten oder wieder errichteten Medien die Alt-Bevölkerung und noch viel mehr die zu Hunderttausenden durchs Land irrenden Flüchtlinge aus den Ostgebieten geistig „infiltriert“ wurden.

In den 40 Jahren der DDR hatten Zeitungen eine ganz klar beschriebene Funktion: Agitation und Propaganda fürs sozialistische System und Abwehr aller „bürgerlichen“ Einflüsse. Was heute beinahe albern klingt, war es auch für viele DDR-Journalisten. Viele versuchten in Nischen, neben dem Pflichtprogramm doch den einen oder anderen eigenen Anspruch auszuleben. Viele allerdings fühlten sich durchaus wohl in der belehrenden und indoktrinierenden Rolle, die ihnen „die Partei“ zuschrieb. Soll man sich auf eine solche Tradition berufen? Der polnische Schriftsteller Stanislaw Brzozowski sagte Anfang des 20. Jahrhunderts: „Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“

Nun, geistige Faulheit wäre, so zu tun, als gäbe es eine ungebrochene Linie seit der Gründung unserer Zeitung. Doch gerade die Brüche sind es doch, die einen Lebenslauf ausmachen, die einen Charakter wachsen und reifen lassen. Insofern kann der Blick zurück doch hilfreich sein: Wer weiß, aus welcher Tradition er kommt, wird die Verfehlungen der Altvorderen tunlichst nicht wiederholen. Das bringt Klarheit, was man nicht will und hilft zu klären, wohin der künftige Weg gehen sollte.
Insofern halte ich es eher mit dem märkischen Literaten und Journalisten Theodor Fontane: „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.“

Das medienhaus:nord fußt auf der Erfahrung und der fachlichen Versiertheit von langjährigen Zeitungsmachern und nicht zuletzt der Bekanntheit des traditionellen Titels „Volkszeitung“. Aber es ist längst aufgebrochen zu neuen Ufern: Dazu gehört die gedruckte Zeitung genauso wie unsere digitalen Medien. Gutem, also glaubwürdigem, unabhängigem und relevantem Journalismus ist es egal, auf welchem Weg er Verbreitung findet. Hauptsache, er ist für die Leser da. Insofern: Ja, wir schauen souverän und in gebotener Differenziertheit zurück auf 70 Jahre Volkszeitung-Tradition. Und voraus in eine spannende Zeitungs-Zukunft.
 

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