„Dog Days“ am Theater Schwerin : Blick in die Abgründe

Der amerikanische Komponist David I. Little
Foto:
Der amerikanische Komponist David I. Little

„Dog Days“, eine Oper des amerikanischen Komponisten David T. Little, hat Premiere in Schwerin. Heute öffentliche Probe im E-Werk

svz.de von
02. März 2016, 12:00 Uhr

Kritiker in New York bezeichnen ihn als einen der spannenden Komponisten des 21. Jahrhunderts. David T. Little, geboren 1978, der am Schlagzeug von Metal-Bands gesessen hat und dessen Musik von New York bis London und Dresden gespielt und „kraftvoll und fesselnd“ genannt wird, bringt vehemente Töne mit sozialer Thematik in die Klassik-Szene.

Mit „Dog Days“ – laut Wall Street Journal „eine der aufregendsten neuen Opern“ –, blickt er in menschliche Abgründe. Als Tochter Lisa eine Beziehung zu einem als Hund lebenden Bettler beginnt, zerfällt ihre Familie, treibt in die Katastrophe. „Dog Days“, uraufgeführt 2012, kommt jetzt in Schwerin auf die Bühne im E-Werk. Der Komponist besuchte kürzlich eine Probe und gab Auskunft über seine Arbeit.

Ein Metal-Drummer, der ausgerechnet eine Oper komponiert, wie hängt das zusammen? Little, unaufgeregt freundlich beim Hotelfrühstück zur Künstler-Unzeit, nennt Filmmusik als Impuls, ebenso die Musik von Strawinsky. Das habe ihm verdeutlicht, wieviel mit Musiktheater ausgedrückt werden kann. Auf den Stoff seiner Oper ist er durch eine kurze Filmversion von „Dog Days“ gekommen. „Mich hat sofort fasziniert, dass die Geschichte sehr einfach und ungewöhnlich ist, so mysteriös wie tragisch.“

Öffentliche Probe am 2. März um 18 Uhr im Schweriner E-Werk

Premiere: Sonntag, 13. März um 18Uhr im E-Werk; Kartentelefon: 0385/5300-123

Welche musikalischen Mittel setzt er dafür ein? Little erklärt ohne Umschweife: „Es geht darum, menschliche Charaktere, das Spektrum ihrer Emotionen instrumental zu profilieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Dafür schöpfe ich aus dem Klang-Kosmos von Klassik, Rock und Pop, und auf der Suche nach der treffenden Stimmung mischt sich das nicht nach einem intellektuellen Plan, sondern mehr aus dem Instinkt heraus.“

Uneitel bekennt er, dass sein Werk nicht „drastisch neu“ ist, dass er mit Arien und Duetten durchaus dem traditionellen Opernschema folgt. „Ich sehe mich in der Tradition solcher Komponisten wie Alban Berg“, sagt der Mann aus New Jersey. Übrigens, Berg experimentierte schon in den 1920er-Jahren in der Oper mit Filmelementen.

Ähnlich der „Dog Days“-Familie ist gegenwärtig, wie schon Hamlet dachte, die Zeit aus den Fugen, wo sieht Little in einer unsicheren Welt die Position des Künstlers? „Der Künstler“, meint er, „soll den Menschen helfen, die Welt zu verstehen. Ich würde mit meiner Oper gern erreichen, dass die Leute nachdenklich werden, anders denken als zuvor. Ich behaupte aber nicht, dass ich Antworten gebe. Es geht mir eher darum, die Verhältnisse zu reflektieren.“

Hat in der dominanten Medienwelt die Oper eine Zukunft? Der Mann der Moderne zögert nicht: „Ja, zweifellos, absolut. Ich sehe die Oper in klarer Linie zum Drama der Antike. Wie dieses nimmt die Oper Grundthemen menschlicher Existenz auf, was moderne Medien in dieser Tiefe nicht leisten können. Das veraltet nicht. Aber natürlich muss Oper auch die zeitgenössischen multimedialen Mittel für sich nutzen, um zu überleben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen