Workshop in Schwerin : Blasmusik an der Werkbank

Sanae Kimata aus Hokkaido will durch den Trompetennachbau ihr Verständnis für historische Instrumente vertiefen.  Fotos: jens büttner
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Sanae Kimata aus Hokkaido will durch den Trompetennachbau ihr Verständnis für historische Instrumente vertiefen. Fotos: jens büttner

In einem Workshop lernen Profis und Laien aus aller Welt den Trompetenbau – anhand eines historischen Instruments

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17. Juni 2016, 11:45 Uhr

Richard Seraphinoff, Musikprofessor an der Indiana University Bloomington (USA), hat eine Mission. Viele Musiker würden die Funktionsweise ihres eigenen Instrumentes nicht richtig verstehen, beklagt er. Deshalb gebe er handwerklichen Unterricht. So wolle er vermitteln, wie Töne entstehen und dafür das Blech zu formen ist. „Wer das Handwerk versteht, wird der bessere Musiker“, ist der Experte überzeugt. In Schwerin leitete Seraphinoff in dieser Woche einen Workshop für Trompetenbau. Lehrmeister waren auch der Rostocker Michael Münkwitz und Robert Barclay aus Kanada.

Seit 22 Jahren touren die beiden amerikanischen Koryphäen zu Seminaren durch die Welt, seit zwölf Jahren ist der Mecklenburger Instrumentenbaumeister Münkwitz im Team. In bisher mehr als 50 Workshops in den USA und Europa bauten über 600 Enthusiasten eigenhändig eine Trompete aus knapp einem halben Millimeter starken Messingblech. Junge und Alte, Profis und Amateure, Künstler, Akademiker und Handwerker waren unter den Teilnehmern, sagt Münkwitz. Sogar ein Pilot und ein Landarzt hätten schon fünf Tage lang im Handwerkskurs Metall gesägt, gebogen und poliert.

Ziel sei es zu zeigen, wie aus einem Stück Blech etwas Klingendes wird, erklärt Münkwitz. „Dabei wollen wir traditionelle Handwerkstechniken bewahren und weitergeben.“ Barclay ergänzt, im Workshop würde eine einfache Naturtrompete ohne Löcher nachgebaut. Das Original, heute im Stadtmuseum München zu sehen, stamme aus dem Jahr 1632 von Hanns Hainlein (1598-1671), einem Nürnberger Trompetenmacher. „Mit den eigenen Händen etwas herstellen, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung“, meint Barclay. „Und am Ende sind die Instrumente wirklich spielbar!“ Mit dem Eigenbau ließen sich allerdings nicht so viele Töne erzeugen wie mit einer modernen Trompete, meint Magnus Ernst. Der 30-jährige Ingenieur aus Stuttgart ist Hobbymusiker und hat sich für den Workshop Urlaub genommen. „Die Naturtrompete ist aber leiser und daher besser in ein Kammerorchester einzupassen.“

Anna Pories (54) aus Irland spielt und unterrichtet Blockflöte, auch sie baut sich zum ersten Mal ein Instrument. „Ich empfinde eine große Befriedigung, selbst etwas Handwerkliches zu machen und dann damit zu spielen.“

Auf das musikalische Ergebnis seines handwerklichen Experiments ist Arne Grenzebach, promovierter Physiker aus Bremen, sehr gespannt. Die Tonerzeugung durch Schwingungen im Rohr folgten physikalischen Prinzipien, sagt er. Er wolle ausprobieren, ob sich die puristische Naturtrompete auch in einer Bigband spielen lasse.

Ein tieferes Verständnis für historische Instrumente wünscht sich Kursteilnehmerin Sanae Kimata aus Hokkaido in Japan. Die 32-jährige Trompetenspielerin studiert seit acht Jahren in Deutschland. Mit sichtlichem Kraftaufwand schneidet sie Gravuren ins Metall ihres Neubaus. „Wenn man die Instrumente und ihre Entwicklungen versteht, kann man die Spielweise anpassen und die alten Kompositionen ausdrucksstärker interpretieren.“  

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