Rostocker WLAN-Tüftler : Blackbox gegen Fehler im Netz

Christoph Müller, Till Wollenberg und Robert Ziemann (v.r.n.l.) mit ihrem Messgerät ITMZ Uni Rostock
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Christoph Müller, Till Wollenberg und Robert Ziemann (v.r.n.l.) mit ihrem Messgerät ITMZ Uni Rostock

Rostocker Firma VestiFi erreichte im Ideenwettbewerb „Inspired“ der Hochschulen des Landes dritten Platz

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11. März 2016, 08:00 Uhr

Vor zehn Jahren war Wlan noch eine schöne Spielerei. Heute dagegen werden die drahtlosen Computernetzwerke an unzähligen Stellen genutzt, an denen ein Ausfall kritische Folgen haben oder hohen finanziellen Schaden anrichten kann: Maschinen sind miteinander vernetzt, Vertriebsdaten werden ausgetauscht oder digitale Krankenakten geführt – die Reihe ließe sich fortsetzen. Drei junge Wissenschaftler tüfteln seit knapp anderthalb Jahren an einer Idee, solche Schäden in Grenzen zu halten.

Till Wollenberg hat in Rostock Informatik studiert und beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit Messungen und Datenanalyse im Wlan. Daraus entstand die Geschäftsidee der Firma VestiFi: Ein spezielles Messgerät mit extra programmierter Software zeichnet den Datenverlauf auf, dieser wird analysiert, sodass sich die Fehlerquellen identifizieren lassen – vergleichbar mit der Blackbox eines Flugzeugs.

„Manchmal ist es die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, aber durch die Analyse unserer Daten lässt sich herausfinden, wo der Fehler liegt“, sagt der Informatiker. „Wir stellen praktisch eine Diagnose und entwickeln einen Therapieplan.“ So kann der Kunde eine Lösung für das Wlan-Problem finden. Ein solches Angebot gibt es auf dem Markt bisher nicht. Deshalb will VestiFi die Dienstleistung auch deutschlandweit anbieten.

Doch vor dem Einstieg liegen zahlreiche Herausforderungen. Als erstes suchte Wollenberg Verbündete und fand sie in dem Wirtschaftspädagogen Christoph Müller und dem Elektrotechnik-Ingenieur Robert Ziemann. Müller kümmert sich um Marketing, Akquise und Vertrieb, Ziemann ist für die Hardware-Entwicklung zuständig. Wollenberg selbst hat die Software entwickelt und analysiert die Messergebnisse. Bis das Produkt markttauglich ist, muss es robust, fehlertolerant, leicht bedienbar und auch ansehnlich werden. „Manchmal muss das Gerät längere Zeit auf einem Schreibtisch stehen, manchmal aber auch unter freiem Himmel funktionieren“, sagt Ziemann. „Also müssen wir es anpassen.“

Das Geld für die Entwicklung und die ersten Schritte in den Markt kommen aus einem EU-Fördertopf: Ein Jahr lang erhalten die drei ein Stipendium aus dem Exist-Fonds – „eine risikoarme Variante, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen“, meint Wollenberg. Eine Unternehmensgründung wird vom Fördermittelgeber nicht zwingend erwartet, sondern es soll Unternehmergeist in Wissenschaftlern geweckt werden.

„Wie auch immer es ausgeht – die Erfahrungen, die wir jetzt sammeln, sind es schon wert gewesen und können uns in jedem Fall nützen“, sagt Müller. „Außerdem gibt es in dem Programm Berater für verschiedene Fachbereiche, unter anderem vom Forschungsverbund MV. Man wird also nicht allein gelassen.“ Nun gehe es darum, genügend Kunden von ihrer Dienstleistung zu überzeugen.

„Erste Aufträge haben wir schon, es geht also bereits los. So können wir bei der Weiterentwicklung schon auf Kundenbedürfnisse eingehen.“ Im November 2015 erreichten die drei den dritten Platz im Ideenwettbewerb „Inspired“ der Hochschulen des Landes. Ihr Preis, gestiftet vom Schweriner Unternehmen Genius Venture Capital, wird ihnen am 14. März überreicht.



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