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Missbrauch des Notrufs : „Bitte Pizza“ bis „Hallo Taxi“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Notruf ist nicht gleich ein Notruf: Polizei und Feuerwehr klagen über Witzbolde und Betrunkene

Herzinfarkt, Einbruch, Verkehrsunfall – in solchen Situationen ist man froh, binnen Sekunden per Notruf Polizei oder Rettungsdienst verständigen zu können. Nicht selten allerdings werden 110 und 112 von Witzbolden oder Betrunkenen angerufen, die dann von abgestürzten Planeten erzählen oder eine Pizza ordern wollen. Im Hintergrund werde dann auch schon mal gelacht, erzählt Michael Kath. Ärger schwingt in seiner Stimme mit. Den Polizeiführer vom Dienst im Polizeipräsidium Neubrandenburg ärgern solche Anrufe vor allem deshalb, weil sie das Notruf-Telefon blockieren.

Zwar seien in der Regel stets mehrere Sachbearbeiter da, sagt er. Doch wenn ein Platz besetzt sei, dauere es ein bisschen, bis der Anruf auf den nächsten Platz umspringt. Wer einen echten Notfall hat, dem werden solche Sekunden zur Ewigkeit. Kath und seine Kollegen in den Notrufzentralen des Landes sind beinahe täglich mit dem Missbrauch von 110 und 112 konfrontiert. Mehrere hundert Anzeigen werden jedes Jahr erstattet. 2014 registrierte das Landeskriminalamt (LKA) 313 Fälle, 2015 waren es 319 und im vorigen Jahr 325. „Nach derzeitigem Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass sich die seit Jahren in etwa gleichbleibenden Fallzahlen auch 2017 ähnlich entwickeln“, schätzt Anna Hermann vom LKA ein. Manchmal ist es kein böser Wille, der zum Notrufmissbrauch führt, berichtet Polizeiführer Kath. „In kleinen Orten gibt es mitunter sehr kurze Telefonnummern. Da kann es vorkommen, dass jemand 110 statt 210 wählt.“ Dann werde auch keine Anzeige erstattet.

Die Frauen und Männer am Notfalltelefon benötigen Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um rasch herauszufinden, ob ein Notruf echt, vorgetäuscht oder aus Versehen falsch ist, wie Hauptkommissarin Kristin Hartfil von der Polizeiinspektion Güstrow sagt. Sie müssten entscheiden, ob der Notruf einsatzrelevant ist oder nicht. Mancher Anrufer berichte von Straftaten, die sich nicht ereignet haben, andere wollten mit den Beamten gerne über die zur Verfügung stehenden Kommunikations- und Einsatzmittel sprechen. Notruf-Missbrauch ist strafbar und für die Beamten leicht zu ermitteln. In den Notrufzentralen können sie die Nummern der Anrufer sehen. „Selbst wenn die Rufnummer unterdrückt wird – bei uns erscheint sie trotzdem“, sagt Michael Kath. Im Jahr 2015 fällten die Gerichte im Land 35 Urteile wegen Notrufmissbrauchs, wie ein Sprecher des Justizministeriums sagte.

Rücken Polizei, Feuerwehr und Rettungswagen aufgrund eines bewusst falschen Alarms aus, werden dem Missetäter laut Innenministerium außerdem die Kosten in Rechnung gestellt. Michael Kath hat einen Wunsch an Menschen, die den Notruf aus triftigem Grund wählen: „Bitte überlegen Sie, ob es ein medizinischer Notfall ist oder ob polizeiliches Einschreiten erforderlich ist.“

Iris Leithold

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