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Sturm über Vorpommern : „Bitte kein Aktionismus!“

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Sturm wütet auf einem Waldcampingplatz in Freest bei Lubmin. Ein Dreijähriger wird schwer verletzt

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Dieser Sommer ist mürrisch. Unbeständig. Unvorhersehbar. Am Donnerstag gegen 18 Uhr zogen über den Freester Waldcampingplatz in der Nähe von Lubmin die ersten Wolken auf. Von Minute zu Minute wurde es dunkler. Innerhalb einer Viertelstunde war am Himmel nichts anderes mehr zu erkennen als eine schwarze Front, erzählt eine Mitarbeiterin des Campingplatzes. „Dann dauerte es nur drei Minuten.“

Ein Sturm wütete, dort wo am Nachmittag noch die Sonne geschienen hatte. Hagelkörner, nach Angaben der Polizei von rund einem Zentimeter Durchmesser. Regen, Böen bis zur Windstärke elf brachten Baumkronen von drei Kiefern zu Fall. Eine Krone krachte auf das Zelt einer vierköpfigen Familie aus Bayern. Sie wurden eingeklemmt. Der Jüngste, ein drei Jahre alter Junge, wurde am Kopf getroffen und erlitt schwere Verletzungen. Er wurde ins Greifswalder Klinikum eingeliefert, schwebt laut Polizei aber nicht in Lebensgefahr. Ins Klinikum zur Untersuchung musste auch der Rest seiner Familie.

Ebenfalls verletzt wurde ein 14 Jahre altes Mädchen, nach einem Baumabbruch traf sie eine Zeltstange. Feuerwehren aus Freest, Wolgast und die Werksfeuerwehr der Energiewerke Nord aus Lubmin rückten an. Noch am Freitagmorgen, mehr als zwölf Stunden nach dem Unwetter, räumten Mitarbeiter des Campingplatzes auf. Deshalb könnten auch noch keine genauen Angaben über alle Schäden gemacht werden. „Die Natur hat Kraft. Zum Glück ist nicht mehr passiert“, sagt der Sprecher des Landescampingverbandes, Gerd Scharmberg. Allerdings fordert er: „Jetzt bitte kein Aktionismus!“ Am Mittwoch starb auf einem Campingplatz in Baden-Württemberg ein 15-Jähriger in seinem Zelt, als er von einem umgestürzten Baum erschlagen wurde. Bei dem Unglück auf einem Waldspielplatz in Rickenbach nahe der Schweizer Grenze wurden insgesamt drei Jugendliche verletzt.

Und: Gestern sind am Rande eines Rockfestivals in Brandenburg fünf Menschen von einem herabstürzenden Ast verletzt worden, einer von ihnen schwer.

Die Unfälle in dieser Woche seien schrecklich, sagt Scharmberg. „Aber Unwetter sind höhere Gewalt. Dafür kann niemand etwas.“

Im konkreten Fall von Freest sieht er keine Fehler beim Betreiber. Eine Mitarbeiterin vom Freester Waldcampingplatz erklärte, die Bäume seien regelmäßig überprüft worden.

Die Rechtslage ist wie folgt: Campingplätze sind öffentlicher Raum, damit muss der jeweilige Eigner des Grundstücks für die Verkehrssicherung sorgen. Dazu gehören auch Bäume. Demnach müssen sie kontrolliert und untersucht werden: auf Gesundheit oder augenscheinliche Beschädigungen, die im gegebenen Fall entfernt werden müssen. Solch ein Sturm wie der von Freest, erklärt Gerd Scharmberg, trifft aber auch gesunde Bäume.

 

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