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Branchenkonferenz in Rostock : Bits und Bytes für die Gesundheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Prof. Heinz Lohmann, Experte für die Gesundheitswirtschaft, über Chancen und Risiken der Digitalisierung

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Computer verändern die meisten Lebensbereiche – auch das Gesundheitswesen. Etwa 600 Experten werden sich ab heute auf der 12. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock darüber austauschen, welche Chancen und Risiken diese Entwicklung mit sich bringt. „Der Gesundheitsmarkt wird in Zukunft stärker von den Verbrauchern bestimmt. Die Patienten werden sich aussuchen, welche Angebote sie nutzen, und sie beurteilen die Anbieter. Dadurch werden wahrscheinlich neue Versorgungsmodelle entstehen – gerade im ländlichen Raum wie in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Prof. Marek Zygmunt, der in diesem Jahr erstmals als Kongresspräsident fungiert.

Schon seit zehn Jahren beobachtet Prof. Heinz Lohmann die Digitalisierung. „Es begann mit Informationen im Internet – für Patienten genauso wie für Experten. Später kam die Telemedizin, bei der das Netz als Transportmittel für Befunde, Röntgenbilder oder Laborergebnisse dient.“

Derzeit geht es um den sogenannten digitalen Workflow. Dahinter verbergen sich innovative Möglichkeiten, die Arbeit von Ärzten und Pflegepersonal zu unterstützen. „Sie werden etwa von logistischen Aufgaben wie Materialbestellungen, medizinischer Dokumentation oder dem Schreiben von Dienstplänen entlastet“, erklärt der Experte. Dessen Hamburger Firma verknüpft die verschiedenen Akteure der Branche, etwa Krankenhäuser und Medizintechnik-Unternehmen, Pharmaunternehmen und Serviceanbieter. Ein weiterer Bereich ist Big Data, also die weltweite Auswertung von Behandlungsdaten in großer Menge. So können Diagnostik und Therapie verbessert werden. Dieser letzte Bereich sei – zumindest in Deutschland – gerade erst gestartet, so Lohmann. Die Digitalisierung müsste seiner Meinung nach zukünftig auch in der Ausbildung eine größere Rolle spielen. „Bisher steht die Medizin als individualisiertes Fach diesen technikgetriebenen Ideen eher entgegen. Skeptiker sagen, Menschen seien keine Autos, deshalb seien solche Ideen nicht anwendbar.“

Branchenkonferenz Gesundheit

Etwa 600 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik aus dem In- und Ausland werden heute und morgen zur Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock-Warnemünde erwartet. Bereits zum 12.Mal richtet Mecklenburg-Vorpommern diese hochkarätige Konferenz aus.  Sie steht unter dem Titel „#Gesundheit2016 – die Gesundheitswirtschaft in der Digitalen Welt“.
Die Gesundheitswirtschaft ist eine der wichtigsten Wachstumsbranchen in MV und ein Beschäftigungsmotor. Weit über 100 000 Frauen und Männer sind in diesem Bereich tätig. Das ist jeder siebte Beschäftigte.

Zur Eröffnung sprechen heute Prof. Dr. Marek Zygmunt, Präsident der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft, Ministerpräsident Erwin Sellering sowie S. E. Pietro Benassi, Botschafter der Republik Italien, in diesem Jahr Gastland der Konferenz.

Dass Prozesse standardisiert werden, sieht Lohmann als Grundvoraussetzung für die Umsetzung dieser neuen Ideen an. „Man darf nicht auf der technischen Seite anfangen, sondern man muss sich klarmachen, wer in welchen Schritten an welchem Ablauf beteiligt ist. Erst dann kann ein digitales System neues Material bestellen, ohne dass ein Mitarbeiter einen Zettel mit sieben Durchschlägen ausfüllen muss.“ Derartige Entwicklungen würden die Medizin in den kommenden Jahren entscheidend verändern – und nicht zuletzt die Arbeitsplätze. „Sie werden mehr Zeit für die Patienten haben, weil sie sich eben nicht mehr so lange um Logistik oder Dokumentation kümmern müssen.“ Dazu sei es allerdings nötig, mehr in die Informationstechnologie zu investieren. Die Entwicklung werde schneller vonstatten gehen, als manch einer sich heute vorstellen könne.

Lohmann sieht drei Aspekte als treibende Kräfte: dass die Schere zwischen steigendem Bedarf an Gesundheitsleistungen und begrenzten Finanzen sich weiter öffnet, dass Patienten mitentscheiden wollen und dass die Zahl der Mitarbeiter knapper wird. Ein Risiko sieht er in der Verunsicherung, die viele Menschen mit dem Thema Technisierung verbinden. „Sie denken dabei an seelenlose Pflegeroboter. Aber was wir meinen, ist Digitalisierung im OP-Prozess oder bei der Arznei-Zuteilung. Ich denke, man sollte das auf diese Weise erklären, um Ängste abzubauen.“

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