Erste Zucht im Aufbau : Bisons in Mecklenburgs Prärie

Ein tonnenschwerer achtjähriger Bison-Bulle auf der Koppel  in Zühr bei Wittenburg
Ein tonnenschwerer achtjähriger Bison-Bulle auf der Koppel in Zühr bei Wittenburg

Die „Indianerbüffel“ fühlen sich auch hierzulande wohl /

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16. März 2015, 19:45 Uhr

Das Gras kann nicht trocken und mager genug sein, denn Bisons sind von Natur aus genügsam. Hartes Brot aber bringt die urigen Viecher in Bewegung und lockt selbst den tonnenschweren achtjährigen Zuchtbullen an den meterhohen Koppelzaun, wie Züchter Marcel Schulz demonstriert. Auf dem einstigen Hof seines Urgroßvaters in der sandigen Gegend Südwestmecklenburgs baut der 35-jährige Kaufmann eine Herde der in Europa seltenen Bisons auf. Zwölf Kühe, ein junges Männchen und der gewaltige Bulle gehören zur ersten landwirtschaftlichen Zucht der nordamerikanischen Wildrinder in der Mecklenburger Prärie.

Zunächst im Nebenerwerb nahm Schulz vor sieben Jahren den früher verpachteten Familienbesitz im Dörfchen Zühr bei Wittenburg wieder in eigene Hände. Doch nicht eine gewöhnliche Rinderzucht schwebte ihm vor, sondern etwas Exotisches, wie der Jungbauer erzählt. Angetan hatten es ihm die mit dem europäischen Wisent (lat.: Bison bonasus) verwandten Kolosse aus Nordamerika. Die gemütlich erscheinenden, an strenge Winter und heiße Sommer gewöhnten Bisons (Bison bison) hießen wegen ihres verwegenen Aussehens auch „Indianerbüffel“. Und sie passen gut in die karge norddeutsche Landschaft, findet der junge Mann. „Das Tier hat Stärke und Anmut, Ursprüngliches und Explosives.“ Schulz begann mit der Bisonzucht auf acht Hektar, wie er erzählt. 30 Hektar Pachtwiesen kamen inzwischen dazu. Dieses Jahr werde er die Sommerweide für die imposanten Grasfresser vergrößern, sagt er. So müsse ein etwa vier Kilometer langer, hoch eingezäunter Laufgang her.

In der warmen Jahreszeit, wenn die Bisons mehr grasen und ihren Stoffwechsel hochfahren, nehme der Bewegungsdrang der 600 bis 1000 Kilogramm schweren Tiere enorm zu. Da rasten die Schwergewichte schon mal mit bis zu 60 Sachen über die Koppel. „Wenn Bisons rennen, bebt die Erde.“ Schon jetzt sorgen die massigen Urviecher mit ihren gehörnten Köpfen für erhebliches Aufsehen in der landwirtschaftlich geprägten Region.

Die manchmal laut grunzenden, schwarzbraunen Steppenrinder seien zu beliebten Fotomotiven für Einheimische und Touristen geworden, berichtet Marcel Schulz. Daher werde er mit der Erweiterung seiner Bisonherde auf bis zu 100 Kühe und Kälber auch Spazierwege und Hochsitze nahe der Weiden anlegen. Dann könnten Besucher künftig in Zühr auf „Buffalo-Safari“ in der mecklenburgischen „Wildnis“ gehen.

Allein zum Angucken freilich zieht Schulz seine Bisons nicht auf. In einigen Jahren, wenn die Herde groß genug ist und jedes Jahr Dutzende Kälber geboren werden, wolle er das edle Fleisch vermarkten und von der Viehzucht leben, sagt Schulz. Nahrhaft seien Bisons allemal, schließlich sei das Fleisch der Wildtiere äußerst fett- und cholesterinarm, dafür schmackhaft und reich an wichtigen Mineralstoffen wie Selen sowie Eisen.

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