zur Navigation springen

Sternberg : Bismarcks Spuren führen bis Pastin

vom

Wenn sich die Pflegedienstleiterin des neuen DRK-Heimes vorstellt, stutzt fast jeder: Mandy Otto-Bismarck. Da war doch was. Otto von Bismarck hatte einst das Deutsche Reich mit begründet und war erster Reichskanzler.

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2012 | 08:51 Uhr

Pastin | Wenn sich die Pflegedienstleiterin des neuen Sternberger DRK-Heimes vorstellt, stutzt fast jeder: Mandy Otto-Bismarck. Da war doch was. Otto von Bismarck hatte einst das Deutsche Reich mit begründet und war von 1871 bis 1890 erster Reichskanzler. Morgen, am 1. April, wäre er 197 Jahre geworden. Vor anderthalb Jahrhunderten begann seine große politische Karriere, 1862 wurde Bismarck Ministerpräsident von Preußen.

Die komplette Namensgleichheit resultiert aus einem Zufall, wie er kaum größer sein könnte. Die junge Frau heiratete

einen Bismarck, behielt dazu aber ihren Mädchennamen, das war Otto. Eigentlich sollte Otto-Bismarck der gemeinsame

Familienname des jungen Paares werden, das seit knapp vier Jahren in Pastin lebt. Aber das lasse das deutsche Namensrecht leider nicht zu, bedauert Benedikt Bismarck noch heute. So blieb er bei seinem Familiennamen, und seine Angetraute, heute 32, setzte ihren Geburtsnamen

davor. Bismarck ohne "von" und mit "ck" komme recht selten vor, das sei beinahe wie ein Alleinstellungsmerkmal.

Er habe als Orthopädie- und Reha-Techniker in einer Klinik in Schwaan viel mit Menschen zu tun, meist mit älteren, und werde da häufig auf eine Verbindung zu dem berühmten Deutschen angesprochen, erzählt der 36-Jährige. Selbst in der Zeit, als der junge Mann für eineinhalb Jahre als Lkw-Fahrer arbeitete, um "den eigenen Horizont zu erweitern und sich neu zu orientieren", sei ihm das einmal

in Finnland passiert. Tatsächlich bestehe, breite Verästelungen in der Familien chronik eingerechnet, eine Verbindung zu Fürst Otto von Bismarck. "Wenn ich das richtig verfolgt habe, war er mein drei facher Urgroßonkel", sagt der Pastiner.

Klar, er sei mit dem Namen geboren und werde ständig damit konfrontiert, schon im Gymnasium, zuvor in der POS weniger. Allerdings gäbe es für ihn momentan wichtigere Dinge als Ahnenforschung. "Dazu bin ich noch zu jung, und was bringt es mir." Neben dem Beruf verlange das im April 2008 erworbene Einfamilienhaus noch allerhand Arbeit. Das Dach sei bereits gemacht, auch einiges auf dem Hof. Stück für Stück gehe es weiter, "das Geld wächst nicht auf Bäumen". Doch das Haus aus DDR-Zeiten habe "Charakter", findet Bismarck, und verdiene Aufmerksamkeit.

Ganz im Mittelpunkt der jungen Familie steht allerdings der kleine Henrik mit seinen jetzt 14 Monaten. Um ihn drehe sich alles, sagt das glückliche Paar. Als es um den Vornamen ging, hätten die angehenden Eltern auch in den Stammbaum

geschaut. Englisches sei ohnehin nicht in Frage gekommen, "das hätte wirklich nicht zu Bismarck gepasst", meint der stolze Papa, eher noch was in skandinavischer Richtung, doch am besten sei ein einfacher deutscher Vorname. Henrik komme übrigens nicht im Stammbuch vor, wohl aber Karl Alexander, wie der große Bruder von Benedikt Bismarck heißt, auch Marot, ein weiterer Bruder, sowie Klaus Ulrich, die Vornamen des Vaters. Dieser besitze in Kuhs bei Güstrow, wo der Pastiner aufgewachsen ist, um die 15 Biografien Otto von Bismarcks.

Das erste Interesse an den Ahnen habe der Großvater geweckt, erzählt der Pastiner. Dieser hatte auch einen Stammbaum seiner Linie, der jetzt im Besitz des Onkels im Brandenburgischen sei. "Meinen Opa ließ das Thema nicht los, er hat umfangreich Ahnenforschung betrieben", sagt Bismarck. Danach hatte der Vater des späteren Reichskanzlers mehrere Geschwister und einer von ihnen ein Verhältnis mit

Ludovika von Briest. Daraus ging ein uneheliches Kind hervor, zu damaliger Zeit als Bastard verrufen. Obwohl beide adelig, ging dem unehelichen Kind das "von" verloren, "da gab es harte Sitten", erklärt

Benedikt Bismarck. Die Geburtsurkunde habe ebenfalls der Onkel. Das sei seine

Linie, Bismarck ohne "von". Diese fehle im Stammbaum, der im Museum in Friedrichsruh bei Hamburg, wo Otto von Bismarck starb, besichtigt werden kann. "Ein Riesending aus Leder und handbestickt, in der Form und Größe habe ich so was noch nicht gesehen. Da war ich echt

beeindruckt", erzählt der Pastiner.

Ob er traurig sei, nicht aus der Linie des Fürsten zu stammen? "Kein bisschen", so die prompte Antwort. "Wenn man hört, wie sich von Bismarcks heute durchs

Leben schlagen. Ich fühle mich eher zu einfachen Leuten hingezogen", sagt Benedikt Bismarck. Er habe schon in seiner Schulzeit auf dem Bau gearbeitet, sich das Geld fürs erste Moped und Stereoanlage selbst verdient und mit den Leuten dort "sehr gut" verstanden. Alles zugesteckt zu bekommen, das habe es schon bei den Großeltern nicht gegeben und halte er für völlig richtig.

"Ganz viele neue Sichten" hätten ihm auch die anderthalb Jahre als Lkw-Fahrer gebracht. Das war, als die damalige Firma pleite gegangen und er ein halbes Jahr zu Hause war, aber dann "großes Glück hatte, vom Geld verdienen her und vom Umgang". Der Beruf sei völlig unterbewertet, findet Bismarck. Er habe Freundschaften geschlossen mit Leuten, die 30 Jahre hinter dem Lenkrad saßen und erlebt haben, wie sich ihre Arbeit veränderte. Es komme heute weniger auf starke Arme an, um den Laster zu lenken, sondern auf Köpfchen.

In Pastin haben sich die Bismarcks gut eingelebt, wie sie sagen. Was zum Leben gebraucht werde, gäbe es in der Nähe. "Wir wohnen im Ort, haben aber den Rücken frei und eine herrliche Aussicht auf zwei Seen und die beleuchtete Sternberger Kirche", schwärmt der Familienvater.

Der morgige Geburtstag Otto von Bismarcks sei ein Tag wie jeder andere. Doch wenn er einmal mehr zur Ruhe gekommen sei, werde er sich mit der Familiengeschichte befassen, sagt der Pastiner - damit er antworten könne, wenn sein Sohn ihn danach frage.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen