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Der große Tag : Bis zu 400 Euro – so teuer ist der Schulstart

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ranzen, Zuckertüte und Familienfeier: Eltern in MV lassen sich die schulische Grundausstattung ihres Kindes einiges kosten

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2014 | 09:00 Uhr

Ein Schnellhefter kostet 25 Cent, der Zeichenblock 1 Euro und der Malkasten 2,99 Euro. Einzeln sind die Utensilien, die Erstklässler brauchen, gar nicht so teuer. In der Masse jedoch kommen schnell mehrere hundert Euro zusammen. Denn zum Schulstart benötigen die 13 200 Jungen und Mädchen, die heute in Mecklenburg-Vorpommern eingeschult werden, eine Menge. Anhand einer exemplarischen Liste einer Schweriner Schule hat unsere Zeitung ausgerechnet, was an erforderlichen Materialien gekauft werden muss. Das Ergebnis: Rund 264 Euro müssen Eltern in die schulische Grundausstattung ihrer Kinder investieren.

Den mit Abstand größten Posten macht der Schulranzen aus. Im Schreibwarengeschäft Marlies Schreibkiste sind Modelle von 79 bis 189 Euro zu haben – Federmappe, Brotdose, Trinkflasche und Turnbeutel inbegriffen. Doch welcher Ranzen ist der richtige? Wenn es nach den Eltern geht, muss der Tornister einige Grundkriterien erfüllen. „Er muss leicht sein und gut gepolstert, einen festen Boden haben, eine ergonomisch geformte Rückseite und ausreichend Reflektoren. Zudem muss er einfach zu handhaben sein“, weiß Verkäuferin Marlies Hennings zu berichten. Die Sprösslinge hingegen stellen andere Ansprüche. Für sie muss der Ranzen vor allem gut aussehen. „Wenn Eltern allein bei uns einkaufen kommen, wählen sie meist ein neutrales Modell. Schließlich soll die Tasche auch vier Jahre lang getragen werden“, erzählt die 57-jährige Verkäuferin. „Sind die Kinder dabei, wird gern nach bunten Modellen gegriffen.“ In diesem Jahr seien bei Mädchen Pferde- und Schmetterlingsmotive besonders beliebt. Jungs hingegen stehen vor allem auf Autos und Fußballbilder.

Die sechsjährige Hannah hat sich gemeinsam mit ihren Eltern Susann und Daniel Gieraths für ein Markenmodell mit schlichtem Marienkäfer-Design entschieden. „Wir haben bewusst darauf geachtet, dass es eine Marke ist. Die sind einfach besser“, sagt Hannahs Mutter. Bei der Wahl der Tasche habe die Schwerinerin aber auch die Ergebnisse eines Ranzentests von Stiftung Warentest berücksichtigt.

Die Schultasche muss natürlich auch gefüllt werden. Eine Liste mit dem Notwendigsten gibt jede Schule heraus. Dabei kann es von Einrichtung zu Einrichtung erhebliche Unterschiede geben. „Jede Schule arbeitet nach einem eigenem Lehrplan. Da können die Materialien differieren“, erklärt eine Sprecherin des Bildungsministeriums. Besondere Marken werden dabei nicht präferiert – weder vom Bildungsministerium noch von den Schulen. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Bildungseinrichtungen auf Grund langjähriger Erfahrungen bestimmte Produkte empfehlen. Die seien aber ausdrücklich nur Empfehlungen.

Für Hefte, Umschläge und Blöcke müssen Eltern rund 16 Euro zahlen. Dazu kommen etwa 8 Euro für Arbeitsmittel zum Malen und Basteln wie ein Farbkasten, Pinsel, eine Schere und ein Klebestift.

Immerhin: Für Schulbücher müssen Eltern nicht aufkommen. Denn in MV herrscht Lernmittelfreiheit. Das heißt: An Schulen in öffentlicher Trägerschaft erhalten alle Schüler unentgeltlich und in der Regel leihweise ihre Bücher. Darin sieht die Vorsitzende des Landeselternrats, Claudia Metz, ein beachtliches Sparpotenzial. „Wir Eltern sollten stärker von dem Nichtkaufrecht Gebrauch machen, auch wenn dies bedeutet, dass unsere Kinder sorgsam mit den Büchern umgehen müssen.“ Arbeitshefte gehören aber nicht dazu und müssen extra bezahlt werden. Hier könne gespart werden, indem die Schule die benötigten Materialien zentral bestellt und dann mit den Eltern abrechnet, so Metz.

Familie Gieraths hat sich für den Kauf der Bücher entschieden. „Ich möchte meinem Kind die Möglichkeit geben, etwas in die Bücher zu schreiben“, erklärt Susann Gieraths. Ihrer Ansicht nach seien Kinder in solch jungem Alter zudem noch nicht in der Lage, sorgfältig mit Dingen wie Büchern zu arbeiten – insbesondere nicht, wenn einzelne Exemplare bis in die vierte Klasse genutzt werden sollen. Eselsohren, Schmierereien und Schmutzflecken seien programmiert.

In der Kostenrechnung nicht zu vergessen sind Sportsachen samt Turnschuhen. Diese schlagen mit knapp 60 Euro zu Buche. Und dann wäre da noch die Schultüte. Je nach Größe und Verzierung sind 10 bis 20 Euro fällig – natürlich ohne Inhalt. „Einfache sind günstiger. Tüten mit viel Bling Bling etwas teurer“, so Verkäuferin Hennings. Wer keine Massenware mag, bastelt sich seine Schultüte. So wie auch Susann Gieraths. Die Altenpflegerin bestellte sich über das Internet ein Modell zum Selbermachen. „Das ist individueller und schöner“. Das Ergebnis: Eine leuchtend pinke Variante mit Schmetterling, von der auch Töchterchen Hannah begeistert ist. Bestückt ist die Tüte mit Süßigkeiten, einem Wissensbuch für Kinder, Reflektorbändern für Arme und Beine für einen sicheren Schulweg im Winter und sonstige nützliche Dinge für den Alltag als Erstklässler. „Wir wollten ihr etwas schenken, mit dem sie auch etwas anfangen kann“, sagt Hannahs Vater Daniel Gieraths. Kosten: rund 40 Euro.

Zu guter Letzt müssen auch noch Ausgaben für die familiäre Einschulungsfeier inklusive Bekleidung für die Schulanfänger, Friseur, Essen und Fotos einkalkuliert werden. Dem Landeselternrat zufolge können sich so die Kosten zum Schulbeginn auf bis zu 400 Euro belaufen.

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