Flüchtlinge in MV : Bis zu 1500 Plätze in Mühlengeez

Ein müdes Flüchtlingskind wartet vor dem Fährcenter im Hafen von Rostock auf die Weiterreise nach Schweden.
Ein müdes Flüchtlingskind wartet vor dem Fährcenter im Hafen von Rostock auf die Weiterreise nach Schweden.

Größte Notunterkunft des Landes auf Mela-Gelände geplant. Bundeswehr unterstellt 300 Soldaten dem Innenministerium

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14. September 2015, 21:00 Uhr

Um die Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Horst bei Boizenburg und die Außenstelle in Stern Buchholz bei Schwerin zu entlasten, will die Landesregierung neue Notunterkünfte einrichten. Seit dem Wochenende wird Mühlengeez bei Güstrow dafür als Standort favorisiert, bestätigte gestern Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Von vorübergehend 1000 bis 1500 Plätzen ist die Rede. Damit würde in Mühlengeez die größte Flüchtlingsunterkunft des Landes entstehen. Erst am Wochenende ging dort die Mela – die größte Fachausstellung für Landwirtschaft und Ernährung des Landes – zu Ende.

„Die Lage ist sehr ernst“, sagte Caffier. Horst hat eine Kapazität von 650 Plätzen und ist mit aktuell 850 Flüchtlingen überbelegt. In Stern Buchholz teilen sich 573 Personen 450 Plätze. Außerdem gibt es im Land zwölf Notunterkünfte des Landes mit insgesamt 1157 Flüchtlingen. Erkundungsteams des Innenministeriums würden nach weiteren Liegenschaften für die Unterbringung suchen, so Caffier.

Vom 1. Januar dieses Jahres bis gestern wurden 9800 Schutzsuchende vor allem aus Syrien in Mecklenburg-Vorpommern registriert. Ein Teil von ihnen reist mit Fähren über die Ostsee weiter nach Schweden und Dänemark. Laut Schweriner Innenministerium nahmen allein vom 11. bis 13. September 1447 Flüchtlinge die Fähre nach Trelleborg in Schweden.

Die Pläne für die Notunterkunft in Mühlengeez sorgen bereits für Diskussionen. Karl-Heinz Kissmann, Bürgermeister der Gemeinde Gülzow-Prüzen, zu der Mühlengeez gehört, zeigte sich gestern überrascht von Caffiers Ankündigung. „Unsere Gemeinde wurde im Vorfeld nicht vom Land informiert“, so Kissmann gegenüber unserer Zeitung. Aber jetzt, wo die Mela 2015 zu Ende sei, böte das Gelände ausreichend Platz. Allerdings wundert er sich, wo die Flüchtlinge unterkommen sollen. „Es gibt kaum feste Gebäude.“

Mühlengeez soll künftig auch die Flüchtlinge aufnehmen, die derzeit noch in der Turnhalle in Stern Buchholz untergebracht sind. Damit werde Platz geschaffen, um auch in der Außenstelle bei Schwerin die Erstaufnahme mit Registrierung und gesundheitlicher Untersuchung durchführen zu können, hieß es. Bislang ist dieser Verwaltungsakt nur in Horst möglich und gilt als Flaschenhals bei der Aufnahme der Flüchtlinge.

Direkte Unterstützung kommt seit Ende vergangener Woche auch von der Bundeswehr. „Dem Innenministerium sind 300 Soldaten unterstellt worden“, teilte Caffier mit. Sie sollen vor allem das Betreuungspersonal unterstützen. „Eine ganz wichtige Hilfe“, lobte der Innenminister.

Nach seiner Ansicht ist auch der Druck für Bundes- und Landespolizei enorm. „Jahrelang war die Polizei das Sparschwein der Nation“, kritisierte der Minister. Der Stellenabbau der vergangenen Jahre werde jetzt zum Problem. Rechtsextreme und fremdenfeindliche Kundgebungen sollten verboten werden. Caffier: „Wir müssen darauf achten, dass unsere Kräfte nicht verschlissen werden.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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