Ramadan in MV : Bis die Sonne untergeht

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Ramadan ist für Muslime die wichtigste Zeit im Jahr. Abdelkader Aloui vom islamischen Bund in Schwerin erzählt von dem Fastenmonat in Deutschland

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23. Juni 2016, 05:00 Uhr

Für Abdelkader Aloui ist Ramadan eine Selbstverständlichkeit. Der gebürtige Algerier lebt seit fast 30 Jahren in Deutschland. In Schwerin ist er der stellvertretende Vorsitzende des Islamischen Bunds e.V.. Was genau Ramadan bedeutet und wie es ist in Deutschland zu fasten, erzählte er Lisa Kleinpeter im Gespräch.

Herr Aloui, es ist Ramadan. Fastenzeit für Muslime. Wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen?
Aloui: Heute Morgen gegen 2.20 Uhr. Das nächste Mal esse ich wieder etwas um 21:50 Uhr. Aber das ist okay. Ich bin das gewohnt und habe überhaupt keine Schwierigkeiten damit.

Um 2.20 Uhr? Haben Sie sich dafür extra einen Wecker gestellt?
Nein. Es ist so. Nachdem ich abends gegen 21:50 Uhr etwas gegessen habe, gehe ich in die Moschee zum Tarâwîh. Das ist das Nachtgebet. Wir beten ungefähr bis 0:30 Uhr. Danach gehe ich nach Hause. Mache mich fertig und vollziehe die rituelle Waschung. Dann habe ich noch Zeit, um ein wenig zu essen. Ich brauche ja Energie für den nächsten Tag. Wenn ich Zeit habe, schlafe ich ein bisschen. Das geht so einen Monat.

Was genau ist eigentlich Ramadan?
Ramadan ist für uns Muslime ein besonderer und sehr intensiver Monat. In dieser Zeit fasten wir. Das machen wir auch, um zu erfahren, was es heißt, wenn man Hunger hat. Es gibt viele arme Länder in der Welt und viele Menschen haben wenig zu essen. An sie soll gedacht werden. Abends trifft man sich zum Essen oft mit Freunden und Familie. Man isst zusammen und redet über seine Erfahrungen.

Wie genau wird Ramadan gefastet?
Wir fasten während Ramadan von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. In dieser Zeit nehmen wir kein Essen und Trinken und auch keine anderen Genussmittel zu uns. Alkohol und Zigaretten sind sowieso schlecht. Wir verzichten aber auch auf den Geschlechtsverkehr am Tag. Es geht aber auch darum, sich mit besonderer Höflichkeit zu begegnen. Es bringt nichts zu fasten, dann aber mit anderen zu streiten oder schlecht zu reden. Das sollte man vermeiden.

Gibt es Ausnahmen vom Fasten?
Ja. Kranke und Schwangere brauchen zum Beispiel nicht fasten. Und auch wenn wir auf Reisen sind, dürfen wir essen und trinken. So steht es im Koran. Allah ist barmherzig.

Ramadan: Jedes Jahr zu einer anderen Zeit
Ramadan ist der Name des neunten Monats des muslimischen Kalenders. Der ebenso wie unserer aus zwölf Monaten besteht. Wann der Ramadan aber beginnt, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Der muslimische Kalender richtet sich nämlich nach dem Mond und nicht wie unserer nach der Sonne. Ein Monat hat so etwa 29 bis 30 Tage, das Jahr 354 Tage. Das führt dazu, dass die einzelnen Monate unsrem Kalender entsprechend in jedem Jahr elf Tage nach vorne wandern. So hat der Ramadan in diesem Jahr im Juni begonnen und wird im kommenden Jahr schon ab Ende Mai gefeiert.

Müssen Kinder auch fasten?
Wann Kinder mit Fasten anfangen, ist sehr unterschiedlich. Meine Tochter hat begonnen, als sie 13 Jahre alt war. Dann aber nicht den ganzen Ramadan. Einen Tag fastet sie, einen Tag nicht. Wenn die Kinder es nicht aushalten, dürfen sie das Fasten natürlich brechen. So ist es auch bei alten Menschen. Wenn sie es schaffen, dann schaffen sie es. Wenn nicht, dann nicht.

In den letzten zehn Tagen des Ramadan findet Laila Al-Qadr statt. Was ist das?
Laila Al-Qadr ist die beste Nacht von Ramadan. In dieser Nacht betet und wünscht man sich viel aus Glauben und Hoffnung. Die Wünsche werden dann von Allah akzeptiert. Zum Beispiel wünscht man allen Menschen eine gute Besserung oder dass alle gesund bleiben. Aber man kann sich wünschen, was man will. Alle Muslime warten auf diese Nacht, die in den letzten zehn Tagen des Ramadan stattfindet. Keiner weiß aber genau, welche Nacht es ist. Unser Prophet hat gesagt, wir sollen in den letzten Nächten besonders viel beten. Viel mehr, als in den anderen Nächten.

Bei all den Regeln: Wie funktioniert der Alltag in einem muslimischen Land während Ramadan?
Ich stamme aus Algerien. In der Region, aus der ich komme, beginnt schon die Sahara. Da sind jetzt um die 45 Grad. Die Menschen dort sind daran gewöhnt. Bauern, Bauarbeiter, Maurer, aber auch Beduinen haben es natürlich schwer. Es ist richtig heiß. Aber auch die schaffen es. Sie arbeiten und fasten trotzdem. In den arabischen Ländern machen wir zwischen 13 und 14:30 Uhr meistens eine Pause. In der Zeit ist es einfach zu heiß. Die Restaurants und Cafés haben am Tag alle geschlossen.

Wird in Deutschland anders gefastet?
Der Fastenmonat verschiebt sich jedes Jahr um zirka zwölf Tage. Früher lag Ramadan im Winter. Der Sonnenuntergang war dann hier schon um 16 Uhr. Jetzt liegt Ramadan aber im Sommer. Die Tage sind lang und wir schlafen wenig. In Algerien können die Menschen früher essen, weil die Tage kürzer sind. Aber dafür ist es dort viel heißer als hier. Es hat beides Vor- und Nachteile. Der Islam lehrt uns, nett zu sein. Wir wollen über unsere Religion reden. Mit offenen Herzen. Daher laden wir auch Nichtmuslime ein, damit sie sehen können, wie Ramadan ist. Viele sind sehr neugierig.

Wenn es schon in Deutschland schwierig ist, wie muss es denn Muslimen in Norwegen oder Schweden gehen, wo die Nächte noch kürzer sind?
Das ist sehr schwierig. In manchen Regionen geht die Sonne fast gar nicht unter. Die Gelehrten haben gesagt, wir sollen 17 Stunden fasten. Die Menschen dort laufen mit der Zeit, unabhängig von der Sonne. Das müssen sie akzeptieren.

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