Im Nordosten erforscht : Bioplastik wächst im Wald

1 von 1

Colaflaschen aus Zuckerrohr, Kinderspielzeug aus Maisstärke oder Absatzschuhe aus Flüssigholz - Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen machen Erdölprodukten Konkurrenz. In MV wird diese Entwicklung vorangetrieben.

svz.de von
10. Januar 2013, 08:43 Uhr

Güstrow | Colaflaschen aus Zuckerrohr, Kinderspielzeug aus Maisstärke oder Absatzschuhe aus Flüssigholz - Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen machen Erdölprodukten Konkurrenz. In Mecklenburg-Vorpommern wird diese Entwicklung vorangetrieben. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow bei Güstrow fördert derzeit bundesweit rund 500 Forschungs- und Entwicklungsprojekte zum Thema Bioplastik, alternative Energiegewinnung und Naturbaustoffe. 2013 stehen dafür 60 Millionen Euro zur Verfügung, erklärt Dr. Torsten Gabriel von der Agentur, die seit 20 Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz tätig ist. Mit dem Interesse am Thema seien die Zuwendungen des Bundes in den vergangenen zwei Jahren stetig gestiegen. "Es geht darum, unabhängiger zu werden von einem begrenzten Rohstoff wie Erdöl", sagt er. Die Forschung ziele darauf ab, Biokunststoffe in allen Belangen mit herkömmlichen Kunststoffen vergleichbar zu machen.

Schätzungen zufolge kommen auf jeden Bundesbürger pro Jahr 110 Kilogramm Kunststoff. Weltweit liegt die Produktion demnach bei 265 Millionen Tonnen. Etwa ein halbes Prozent davon wird nach Einschätzung von Torsten Gabriel aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zucker, Pflanzenöl, Stärke und Holz gewonnen. Kein Massenmarkt, aber ein Markt "mit riesigen Zuwachsraten" - und erstaunlichen Anwendungsbeispielen. Das Luxusmodelabel Gucci beispielsweise stellt die umweltbewusste Frau von Welt auf Absätze aus Biokunststoff. Flüssigholz macht es möglich. Es entsteht aus Pflanzenfasern, Wachs und einem Reststoff der Papierproduktion. Der Weltkonzern Coca-Cola zapft Getränke in eine Plant-Bottle, eine Pflanzen-Flasche aus Zuckerrohr. "Die Autobranche nutzt mehr und mehr Bio kunststoffe", sagt Torsten Gabriel. Etwa im Innenbereich, für Amaturenbrett oder Innenverkleidung. Beim Karosseriebau seien Pflanzenfasern im Kommen. Auch hierzulande setzen Unternehmen auf Kunststoffe vom Feld. Torsten Gabriel nennt die Loick AG am Standort Teterow als ein Beispiel. Aus Mais stellt sie Verpackungsfolien, Cateringartikel und Spielzeug her.

Natürlich vertritt die FNR selbst "hehre Nachhaltigkeitsziele". Recyclingpapier ist eine Selbstverständlichkeit. 2012 wurde in Gülzow ein neues Dienstgebäude aus Holz und Zellulose bezogen. Demnächst soll es an ein Strohheizwerk angeschlossen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen