Erneuerbare Energie : Biogas-Kraftwerke in Finanznot

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Investitionen in Öko-Anlagen liegen in MV auf Eis. Die Branche fordert eine höhere Vergütung

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10. Juni 2017, 05:00 Uhr

Spannungsabfall im Bio-Kraftwerk: Mecklenburg-Vorpommerns Biogas-Anlagen stehen vor dem Aus. Nach der Kürzung der gesetzlich garantierten Vergütung, die nur noch 95 Prozent der bisherigen Anlagenleistung berücksichtigt, verdienten nur noch wenige Betreiber Geld. Ohne Erhöhung der Einspeisevergütung drohe vielen das Ende, warnte Bernd Pommerehne, Anlagenbetreiber und Landeschef des Branchenvereins Nachhaltige Energien aus Altkalen im Landkreis Rostock. Inzwischen stünden immer mehr Anlagen in MV vor der Insolvenz. Betroffen seien vor allem Anlagen, an denen sich Fonds beteiligt hätten.

Etliche Anlagenbetreiber müssten mit Rückforderungen von Netzbetreibern rechnen, die nach der Änderung der Vergütung in den Jahren zuvor gezahlte Bonuszahlungen jetzt zurückverlangten. Je Anlage könnten da schnell 100 000 Euro zusammenkommen, sagte Pommerehne: „Das bringt die Betreiber in Finanznot.“

Resignation in der Branche: Die Gewinnung von Strom durch die Vergärung von Mais, Gülle oder Mist galt einst als Symbol der Energiewende. Nach den Boomjahren gebe es aber mittlerweile so gut wie keine Neubauprojekte mehr, meinte Pommerehne. Bundesweit waren im vergangenen Jahr nach Angaben des Fachverbandes Biogas nur noch 168 Kraftwerke neu gebaut worden. 2011 waren es noch 1477 gewesen. Gut 9000 Biogas-Anlagen gibt es bundesweit, mehr als 500 stehen in MV. Nach den neuen Erneuerbaren-Energien-Regeln seien neue Anlagen fast nicht mehr wirtschaftlich, die Risiken zu groß. Dabei würden Biogas-Anlagen als Speicher für eine gleichmäßige Stromversorgung gebraucht.

Die Branche forderte eine Kurskorrektur und Verlässlichkeit bei der Energiewende. So müssten beispielsweise die zahlreichen klimarelevanten Leistungen von Biogas-Anlagen eingerechnet werden, forderte Pommerehne – und die Auswirkungen in den ländlichen Regionen. So seien die Betreiber vielerorts die größten Arbeitgeber in den Dörfern. Mit dem Ende der Biogas-Anlagen würden auch die Jobs verlorengehen. Ohne eine Erhöhung der Einspeisevergütung könnten viele Anlagen wirtschaftlich kaum überleben. Allein über den Verkauf von Strom werden sich Biogas-Anlagen langfristig nicht mehr finanzieren lassen. So müsse z. B. der bisher stiefmütterlich behandelte Wärmemarkt besser erschlossen werden, fordert der Fachverband.  

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