Reiche Ernte bringt gutes Geld : Biobauern ernten große Kartoffeln

Die Erntehelferinnen Kirsten  und Silke Haselbach (rechts) sortieren bei Fürstenhof Biokartoffeln. dapd
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Die Erntehelferinnen Kirsten und Silke Haselbach (rechts) sortieren bei Fürstenhof Biokartoffeln. dapd

"Das sind doch diesmal schöne, große Kartoffeln", sagt Christian Littmann. Seit sechs Jahren baut die Agrargemeinschaft Fürstenhof GmbH Kartoffeln im zertifizierten Biobetrieb an. Nun trägt das Konzept Früchte.

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19. September 2012, 11:45 Uhr

Rostock | Meter für Meter graben sich die Scharen des Roders über die Kartoffelfelder bei Fürstenhof im Landkreis Rostock. Auf der Arbeitsplattform der Vollerntemaschine lesen vier Erntehelfer die gelbbraunen Knollen aus der staubigen Erde. Der Betriebsleiter der Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof GmbH, Christian Littmann, prüft die Qualität der Erdäpfel, Sorte Ampera. "Das sind doch diesmal schöne, große Kartoffeln", sagt der 35-Jährige. Seit sechs Jahren baut die aus 14 Betrieben bestehende Agrargemeinschaft Kartoffeln im zertifizierten Biobetrieb an. Nun trägt das Konzept Früchte. "Das wird unsere bislang beste Ernte", sagt Littmann. Mit einem Hektarertrag von voraussichtlich 25 Tonnen im Durchschnitt könne richtig Geld verdient werden.

Nicht nur die guten Wachstumsbedingungen mit ausreichend Feuchtigkeit ab Mitte Juni sorgten für die reiche Ernte bei den Biobauern, die nur mit trockenem Hühnermist düngen und auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Zum Erfolgskonzept gehöre auch die Entscheidung für frühere Sorten wie Solist, Ballerina oder Salomé, die gegen Krautfäule robust seien, sagt Littmann. "Außerdem lassen wir die Kartoffeln schon im März in einer temperierten Halle vorkeimen, und zur Bewässerung legen wir im Mai Tröpfchenschläuche in die Erddämme."

Auf insgesamt 150 Hektar wachsen bei der Fürstenhofer Agrargesellschaft Kartoffeln. Fast die gesamte Ernte geht als Speiseware beim Einzelhandel in den Verkauf. Mit 40 bis 80 Cent pro Kilogramm erzielen die Erd früchte deutlich höhere Preise als Kartoffeln aus konventionellem Anbau. Nur die kleineren, sogenannten Drillinge gehen ins Futter für etwa 400 000 Legehennen, die im Freiland an 14 Standorten gehalten werden. Im eigenen Futtermischwerk Finkenthal werden auch selbst angebautes Getreide, Kleegras, Soja, Ackerbohnen, Lupinen, Erbsen, Sonnenblumen und Raps verarbeitet. Klimatisch gesehen sei Mecklenburg-Vorpommern ein klassisches Kartoffelland, sagt Agrarexperte Burkhard Roloff vom Umweltverband BUND. Gerade die guten Böden in Ostseelagen auf Rügen und Poel mit vergleichsweise wenig Blattläusen und den von ihnen übertragenen Viren seien für den Anbau gut geeignet. Dennoch geht die Anbaufläche seit Jahren zurück. Von 27 427 Hektar Kartoffelfeldern im Jahr 1992 sank sie auf 12 700 Hektar in diesem Jahr, erneut fünf Prozent weniger als 2011. "Dabei ist mit dieser Frucht gutes Geld zu verdienen, wenn man es professionell anstellt", sagt Ökobau-Expertin Harriet Gruber von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow.

Doch Bio-Kartoffel-Produzenten gelten mittlerweile als Exoten. Neben Fürstenhof gehören nur noch die Agrar GmbH Lärz-Krümmel an der Müritz und das Gut Vorder Bollhagen bei Heiligendamm zu den größeren Anbauern. Insgesamt wachsen lediglich auf knapp 500 Hektar in MV Bio-Kartoffeln. Notwendig seien großzügigere Investitionskredite für Kartoffelerntemaschinen, Beregnungstechnik und Lagerkapazitäten, fordert Burkhard Roloff.

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