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Landwirtschaft : Bio-Obst aus MV: Noch Luft nach oben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf Rügen erwarten Bio-Obst-Anbauern in diesem Jahr eine gute Apfelernte. Branche sieht sich im Aufwind

svz.de von
erstellt am 29.Jun.2017 | 20:45 Uhr

Der Rügener Bio-Obstbauer Peter Rolker wirft einen prüfenden Blick auf die Früchte: Die Äpfel der Sorte „Autento“ sind jetzt etwa pflaumengroß. Obwohl die Äpfel noch Zeit benötigen, kann Rolker, der bei Altkamp im Südosten der Insel auf etwa sechs von seinen 44 Hektar Bio-Äpfel anbaut, im Vergleich zu Anbauern in anderen Regionen Deutschlands auf eine reiche Ernte hoffen.

„Wir hatten auf Rügen Glück mit dem Wetter“, sagt er. Während im Süden und Westen des Landes der Frühjahrfrost den Bauern zu schaffen machte, blieb Rügen von diesen Wetterkapriolen verschont. Statt rund 60 000 Tonnen Bio-Äpfel werden bundesweit aktuellen Schätzungen zufolge voraussichtlich nur rund 26 000 Tonnen geerntet, sagt Rolker, zugleich Vizepräsident des Europäischen Bioobst Forum (EBF).

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich nach Angaben des Agrarministeriums die Anbaufläche für Bio-Obst in den vergangenen 15 Jahren vervierfacht. Auf 830 Hektar werde inzwischen Bio-Obst angebaut, auf 600 Hektar Bio-Äpfel. Jeder dritte Apfel, der aus Mecklenburg-Vorpommern kommt, ist inzwischen bio. „Das Wachstum ist eine Erfolgsstory“, sagt Burkhard Roloff, Agrar-Experte des Umweltverbandes BUND. Dennoch gibt es noch Luft nach oben. „Statistisch gesehen verzehrt jeder Deutsche nur drei Bioäpfel pro Jahr.“ Der BUND fordert deshalb die Politik auf, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass bei der Verpachtung von Anbauflächen Bio-Produzenten bevorzugt werden.

Der Wille zur Umstellung vom konventionellen auf den Bio-Apfelanbau sei da, sagt auch Rolker, der mit seiner 27-jährigen Erfahrung im ökologischen Obstanbau Bauern bei der Umstellung berät. Hintergrund für den Trend zu Bio-Anbau sei vor allem der enorme Preisverfall bei konventionellen Äpfeln in der EU, sagt Rolker. Seitdem der Bio-Apfel aus den Supermarktregalen der großen Handelsketten nicht mehr wegzudenken ist, sei das Absatzpotenzial gestiegen. Einen Trend, den auch das Agrarministerium bestätigt: „Umsätze für Bio-Lebensmittel wachsen weiter, vor allem im Lebensmitteleinzelhandel“, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth.

Dennoch fänden sich jetzt kaum Bio-Äpfel aus Deutschland in den Regalen, bedauert Rolker. Die meiste Bioware im Lebensmitteleinzelhandel komme im Sommer aus Argentinien oder Neuseeland. „Ökologisch ist das mit den langen Wegen nicht.“ BUND-Agrarexperte Roloff verzichtet eigenen Angaben zufolge deshalb derzeit komplett auf den Bio-Apfel und wartet bis zu den ersten Augustäpfeln.  

Um dem Handel kontinuierlichere Lieferungen garantieren zu können, setzen Biobauern wie Rolker inzwischen auf eine Kühllagerung, die die Fruchtreife auf natürliche Art verzögert, damit die Früchte noch im kommenden Frühjahr verfügbar sind.  Zudem besinne sich die Branche auf Sorten, die bis in den kommenden Sommer hinein verzehrt werden könnten, sagt Rolker. Ein Beispiel dafür sei die Sorte „Natyra“. Auch Rolker will künftig diese Sorte anbauen. Die Pflanzen seien bestellt.„Doch wegen der hohen Nachfrage liegen die Wartezeiten derzeit bei zwei Jahren.“

In Mecklenburg-Vorpommern gehen nach Angaben des BUND 93 Prozent der Bio-Äpfel in die Verarbeitung. Nur sieben Prozent werden als Tafelobst verkauft.

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