Investor baut in Nordwestmecklenburg an "Villa Vitalia" : Bio-Hospiz im Herrenhaus

Der Hamburger Unternehmer Wolfgang Röhr will im Herrenhaus von Bernstorf ein Pflegehospiz einrichten. dpa
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Der Hamburger Unternehmer Wolfgang Röhr will im Herrenhaus von Bernstorf ein Pflegehospiz einrichten. dpa

Noch werkeln Maurer und Maler im Schloss Bernstorf bei Grevesmühlen. Seit 2010 lässt der Hamburger Unternehmer Wolfgang Röhr das Herrenhaus zu einem Pflegehospiz für Menschen mit unheilbarem Krebs umbauen.

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06. Oktober 2011, 07:11 Uhr

Grevesmühlen | Noch werkeln Maurer und Maler im Schloss Bernstorf bei Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg). Seit 2010 lässt der Hamburger Unternehmer Wolfgang Röhr das im Neorenaissancestil um 1881 errichtete Herrenhaus zu einem Pflegehospiz für Menschen mit unheilbarem Krebs umbauen. Erstmals in Deutschland solle in Bernstorf Sterbebegleitung - Schmerztherapie, Ernährung, Pflege - vor allem nach biologischen Kriterien angeboten werden. Der Hospizbewegung ist der Welthospiztag am 8. Oktober gewidmet.

"Sterben gehört zum Leben", sagt der Hamburger Arzt Walter Weber. Seit fast vier Jahrzehnten beschäftige er sich als Internist und Onkologe mit der Behandlung von Krebspatienten. Jetzt wolle er den Aufbau des "Biohospizes" fachlich unterstützen. Während Krebsbehandlung in der Schulmedizin ausschließlich als "Gegen-Behandlung" erfolge, setze die biologische Krebsabwehr auf eine ganzheitliche Behandlung inklusive der psychologischen und Ernährungsaspekte, sagt er. Mit Öko-Schonkost, Bewegungs- und Entspannungstherapie könnten Stress und Schmerzen zumindest verringert werden, sagt er.

Auch Dieter Schwanbeck aus Grevesmühlen, der als praktischer Arzt die Betreuung der Patienten in Bernstorf mit übernehmen soll, hält eine biologische Alternative im stationären Palliativ-Bereich für sinnvoll. "Jeder Mensch mit einer unheilbaren Erkrankung sollte die Möglichkeit haben, diese letzte Phase des Lebens nach seinen individuellen Vorstellungen so zu gestalten, dass er die Zeit in physischem und psychischem Wohlbefinden erleben kann", sagt er.

Investor Röhr, Vorstand der Hamburger R+P Corporate Finance AG, geht allein in Norddeutschland von rund 50 000 Patienten aus, die unheilbar an Krebs erkrankt sind und als "austherapiert" gelten. Einer Studie der Deutschen Hospiz Stiftung Dortmund zufolge fehlen bundesweit derzeit rund 100 Pflegehospize. 2010 seien nur 4,5 Prozent der Betroffenen in einem Hospiz betreut worden, erklärte eine Sprecherin der Patientenorganisation. Insgesamt erhalte nicht mal jeder Fünfte der jährlich rund eine halbe Million Patienten mit palliativem Pflegebedarf trotz gesetzlichen Anspruchs eine spezialisierte Versorgung.

Im Herbst 2012 könne die "Villa Vitalia" die ersten Patienten aufnehmen, hofft Röhr. 4,5 Millionen Euro investiere er in Bernstorf, davon 1,6 Millionen Euro aus einem geschlossenen Beteiligungsfonds. Geplant seien 16 Hospiz- und 7 Gästeappartements für Angehörige sowie ein öffentlich zugänglicher Gastronomie-, Therapie- und Wellnessbereich.

Laut Hospizverband hat sich bundesweit die Zahl der ambulanten Hospiz- und Palliativdienste seit 1996 auf rund 1500 mehr als verdreifacht. Auch deutlich mehr stationäre Betreuungseinrichtungen stünden zur Verfügung. Während es 1996 nur 30 Hospize und 28 Palliativstationen gab, waren es 2011 bereits 179 stationäre Hospize und 231 Palliativstationen.


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