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Neues Leben für alte Ziegelei Benzin : Bio-Bausteine aus Lehm

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Ein alter Baustoff kommt in Mode. Luftgetrocknete Lehmsteine werden wieder per Hand in der historischen Ziegelei Benzin hergestellt. Die Museumsmanufaktur lockt auch Touristen in die Mecklenburger Provinz.

svz.de von
erstellt am 03.Apr.2013 | 10:40 Uhr

Benzin | Mit Schwung klatscht Bernhard Schmidt Hände voll hellbrauner Modderpampe in eine Kastenform. Glatt streichen, umkippen, abwarten. Vier bis sechs Wochen dauert das Trocknen der Handstrich-Steine in einem luftigen Lager, wie Lehmbauer Dietmar Kelm in der Ziegelei Benzin bei Lübz (Kreis Ludwigslust-Parchim) erklärt. Frost, Sonne, Wind müssten ferngehalten werden, sonst reißen die ungebrannten Bio-Bausteine. Die über hundert Jahre alte Ziegelei gehöre zu den letzten ihrer Branche in MV. Vor einem Jahr an einen Investor verkauft, soll das historische Gemäuer als Museumsmanufaktur wiederbelebt werden.

"Lehm kommt in Mode", sagt Ziegeleibesitzer Ernst Englaender. Der Kaufmann suchte für seine deutsch-russische Familie einen neuen Lebens- und Arbeitsort und fand ihn in der mecklenburgischen Einöde, wie er sagt. Das biologische Baumaterial entspreche dem Zeitgeist. Viele seiner Kunden hätten mit Allergien zu kämpfen. Mediziner rieten dann oft zum Werkstoff Lehm, der für ein natürliches Raumklima sorge, meint Englaender. Lehm- und Backsteingebäude hätten in Mecklenburg eine lange Tradition. Viele Handwerker würden sich auf den uralten Baustoff besinnen, der schon an der chinesischen Mauer oder den ägyptischen Pyramiden Verwendung fand.

Mit Beginn der warmen Jahreszeit werde die Produktion in Benzin auf Hochtouren laufen, verspricht Dietmar Kelm. Mindestens 30 000 Stück luftgetrocknete Lehmsteine, auch versetzt mit geschredderten Hanfstielen zur besseren Dämmung, sollen dieses Jahr ausschließlich für nicht tragende Innenwände im Handstrich-Verfahren und größtenteils aus dem Rohstoff der eigenen Lehmgrube hergestellt werden. Für 400 Steine, die für vier Quadratmeter Lehmwand reichten, brauche ein Arbeiter rund acht Stunden. Hinzu kämen einige hundert Tonnen Lehmputze, erklärt Kelm. Pur oder mit Kreidefarben gestrichen könnten solche individuellen Wandverkleidungen Feuchtigkeit und Gerüche schlucken sowie Wärme im Gebäude speichern, sagt der Baufachmann.

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