zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 18:57 Uhr

Gesundheit : Binnen vier Wochen zum Facharzt?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für ein Drittel der Patienten im Land ist das nur ein Traum – ab Ende Januar soll eine Terminservicestelle Abhilfe schaffen.

svz.de von
erstellt am 31.Dez.2015 | 06:00 Uhr

Im neuen Jahr soll alles besser werden. Per Gesetz werden die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Einrichtung von Terminservicestellen verpflichtet, die für eine zeitnahe und angemessene Behandlung durch einen Facharzt sorgen sollen. Mehrwöchiges oder sogar monatelanges Warten auf einen Arzttermin soll dann der Vergangenheit angehören.

Noch sind längere Wartezeiten für viele Patienten in Mecklenburg-Vorpommern allerdings gang und gebe. Zu diesem Ergebnis kommt das Gesundheitswissenschaftliche Institut der AOK Nordost (Gewino) , das in den drei Ländern, in denen die Kasse vertreten ist– neben MV auch Berlin und Brandenburg – untersucht hat, wie viel Prozent der Patienten bei bestimmten Facharztgruppen binnen vier Wochen einen Termin bekommen hat. Dabei wurden Daten aus den Jahren 2012 und 2013 miteinander verglichen – die Tendenz dürfte sich bis heute nicht verändert haben.

Während in Berlin und Brandenburg bei der Mehrheit der neun untersuchten Arztgruppen und in der Mehrzahl der Stadtbezirke bzw. Landkreise mehr Patienten binnen vier Wochen einen Facharzttermin bekamen (Berlin: 78,3 statt 66,8 Prozent, Brandenburg: 69 statt 65,4 Prozent), wurden es in MV weniger (64,6 statt 65 Prozent). Besonders schlecht schnitten Augenärzte ab, bei ihnen bekamen gerade einmal 60,5 Prozent der Patienten innerhalb von 28 Tagen einen Termin. Über alle Facharztgruppen berechnet, gab es nur in der Stadt Rostock und im Landkreis Vorpommern-Rügen minimale Verbesserungen, in allen anderen Städten und Landkreisen in MV ging der Anteil der Patienten, die binnen vier Wochen einen Facharzttermin bekamen, sogar zurück.

Besonders prekär ist die Lage für Menschen, die einen spezialisierten Facharzt für den Magen-Darm-Trakt, das Herz oder die Nieren – einen Gastroenterologen, Kardiologen oder Nephrologen – brauchen. Während es in Berlin und Brandenburg spürbare Verbesserungen gab, mussten Patienten in MV sich unverändert in Geduld üben: Nicht einmal 65 Prozent von ihnen bekamen binnen vier Wochen einen Termin beim Spezialisten. Laut Gewino hat das nichts mit der Ärztedichte zu tun. In Schwerin bekamen zum Beispiel nur 57 Prozent der Patienten in der Vier-Wochen-Frist einen Termin beim spezialisierten Facharzt – obwohl dort die Facharztdichte mit 0,66 je 1000 Einwohner im Untersuchungszeitraum deutlich über dem Landesdurchschnitt lag. Der Grund dürfte bei den Umland-Bewohnern liegen, die in der Landeshauptstadt zum Arzt gehen.

Dass der Wartezeitenindex in Mecklenburg-Vorpommern schlechter als in den anderen beiden Ländern ausfällt, könnte dem Gewino zufolge auch an dem hier im Land zwischen AOK und Kassenärztlicher Vereinigung (KVMV) vereinbarten System der A- und B-Überweisungen liegen. Mit der entsprechenden Kennzeichnung kann der überweisende Arzt seinem Kollegen mitteilen, ob der Patient einer sofortigen Behandlung innerhalb eines Werktages oder einer Behandung innerhalb einer Woche bedarf. „Mit einfachen Mitteln können wir so bei Wahrung der freien Arztwahl gewährleisten, dass der Patient innerhalb des medizinisch erforderlichen Zeitfensters die tatsächlich erforderliche Behandlung erhält“, so der KVMV-Vorstandsvorsitzende Axel Rambow. Die Terminvergabe stehe so in einem angemessenen Verhältnis zur Behandlungsbedürftigkeit, ist er überzeugt.

Die KVMV hatte sich auch darum bemüht, das System der A-und B-Rezepte bundesweit zu etablieren, konnte sich damit allerdings nicht durchsetzen. Statt dessen muss auch sie nun eine Terminservicestelle einrichten. „Wie gesetzlich vorgeschrieben, wird es in der KVMV ein Terminservicetelefon ab dem 25. Januar 2015 geben“, versichert KVMV-Sprecherin Kerstin Alwardt. Unter welcher Nummer es dann zu erreichen sein wird, werde zeitnah bekanntgegeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen