Brauereien in MV : Bier ist nicht mehr nur Bier

Das Bier gehört immer noch zu den beliebtesten alkoholischen Getränken - auch in MV.
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Das Bier gehört immer noch zu den beliebtesten alkoholischen Getränken - auch in MV.

Mit kreativen Rezepturen und ausgefallenen Sorten erobern kleine Braumanufakturen den Markt

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26. März 2018, 05:00 Uhr

In dem kleinen Labor sind sechs Biere aufgereiht, strohgelb, kastanienbraun und pechschwarz, jedes Glas gekrönt von feinem Schaum. Für Frank Lukas steht die Gütekontrolle an. Er lässt das Gebräu über den Gaumen gleiten – und lächelt zufrieden. Auf seinen Geschmack kann sich der Stralsunder verlassen: Er ist deutscher Meister der Biersommeliers.

„Unser Geheimnis sind die speziellen Hefen, die wir verwenden“, sagt der 48-jährige Leiter der Rügener Inselbrauerei. Hinzu kommen besondere Malze, etwa Hafer und Roggen, und frischer Hopfen. Auch die Gärung in offenen Edelstahlwannen ist ungewöhnlich – und sehr aufwendig. Auf diese Weise kommen auch feinste Aromen ins Bier.

In dem 1000-Seelen-Ort Rambin auf Rügen, umringt von Äckern, befindet sich die wohl ambitionierteste Brauerei des Landes. Jede der zwölf Sorten ist preisgekrönt, neunmal Gold gab es allein beim jüngsten World Beer Award in London. Die Spezialitäten werden mittlerweile selbst nach China exportiert – und das etwas mehr als zwei Jahre nach Gründung der Brauerei. Markus Berberich sitzt an einem Holztisch und umklammert ein Glas Hopfentee. Der Gründer der Inselbrauerei muss sich selbst kneifen, zu rasant verläuft die Erfolgsgeschichte des Unternehmens.

Vier Millionen Flaschen werden 2017 abgefüllt, doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Eine Flasche kostet so viel wie ein solider Wein im Supermarkt. „Es gab viele Bedenkenträger, aber ich wollte beruflich noch einmal neu durchstarten“, sagt der gebürtige Saarländer, der seinen Job als Geschäftsführer der Stralsunder Brauerei Störtebeker für das eigene Unternehmen gekündigt hatte. Dabei habe er sich bewusst in der „Einöde“ niedergelassen und nicht in einer hippen Metropole. „Mit Rügen verbindet doch jeder etwas Positives.“ Mehr als 5,5 Millionen Euro hat Berberich mit Hilfe eines Investors in den Standort investiert. Hier braucht alles seine Zeit: So reifen die Flaschen rund zehn Tage in einer wohltemperierten Kammer. Jede wird mit Papier umwickelt. Zum Einsatz kommt nur frischer, aber deutlich teurer Hopfen.

Ein Brauer schöpft mit einer großen Kelle ausgefallene Eiweiße und Trübstoffe aus einem Gärbottich in der Insel-Brauerei.
Stefan Sauer
Ein Brauer schöpft mit einer großen Kelle ausgefallene Eiweiße und Trübstoffe aus einem Gärbottich in der Insel-Brauerei.

Auch in anderen Orten MV's haben Enthusiasten das Brauen für sich entdeckt. Henry Gidom betreibt mit seiner Frau die kleine Braustätte „Hoppen un Molt“ in Warnemünde, die nachweislich erste im Ostseebad. Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein. Im Hafen landen täglich Tausende Touristen an, die gerne auch heimisches Bier probieren wollen. „Ohne den Tourismus wäre es wohl deutlich schwieriger“, meint Gidom. Fünf Sorten Bier füllt er ab, darunter die aus Großbritannien stammenden und später in den USA zum Trend gewordenen Pale Ales.

Weitere Mikro-Brauereien existieren unter anderem in Leezen bei Schwerin, in Parchim, Marlow oder Ludwigslust. Ebenso haben etablierte Brauereien umgesattelt. „Unsere ersten Craft Biere haben sich gleich fantastisch verkauft“, sagt Stefan Darmann, Leiter der Brauerei in Vielank im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Die Branche muss sich etwas einfallen lassen, um wieder mehr Deutschen das Bier schmackhaft zu machen. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist zuletzt gesunken. Michael Scherer, Chef der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände, erkennt zwar neue Impulse. „Allerdings werden Craft Brewer den Markt nicht umkrempeln“, sagt er. „Das klassische Pils bleibt unangefochten.“ Der Craft-Beer-Anteil an der Gesamtproduktion liege bei 0,3 bis 0,4 Prozent. Bundesweit werden 1400 neue Sudhäuser registriert.

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