Pestizide schädigen Honigbienen : Bienen taumeln in den Tod

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Auf den Löwenzahn kann die Biene wohl noch vertrauen - bei Raps ist aber Vorsicht geboten.dpa

Heute entscheidet sich, ob die für Honigbienen hochgefährlichen Pestizide ab dem 1. Juli 2013 für zwei Jahre verboten werden sollen. Die eingesetzten Mittel beeinträchtigen die Orientierungsfähigkeit der Tiere.

svz.de von
15. März 2013, 12:04 Uhr

Schwerin | Die Gräben offenbaren sich schon in der Wortwahl: Von Pestiziden, wie manch Tier- und Umweltschützer, will der Landes-Bauernverband nicht sprechen. Lieber von "Pflanzenschutzmitteln". Die genauen wissenschaftlichen Bezeichnungen für die betreffenden Neonikotinoide, die für Honigbienen hochgefährlich sein sollen, lauten hingegen Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Heute will die EU in Brüssel entscheiden, ob sie ab dem 1. Juli 2013 für zwei Jahre verboten werden sollen. Eingesetzt werden sie unter anderem beim Anbau von Raps - der laut Bauernverband im vergangenen Jahr auf 245 000 Hektar von insgesamt einer Million Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Nordosten wuchs.

Der Imkerverband begrüßt die angestoßene Diskussion: "Wir finden es gut, dass sich damit beschäftigt wird und man bestrebt ist, die Neonikotinoide zu verbieten", sagte Landesvorsitzender Torsten Ellmann aus Pasewalk, der 15 Bienenvölker sein Eigen nennt. Die eingesetzten Mittel würden die Orientierungsfähigkeit der Tier beeinträchtigen, so dass sie nicht in ihre Stöcke zurückfänden. "Wenn Sie ein Bier in der Kneipe trinken, gehen Sie normal nach Hause. Zehn Biere sind auch noch nicht direkt tödlich, können aber dazu führen, dass Sie irgendwo im Straßengraben landen", erläutert er die Folgen. Da ein Drittel eines Volkes Flugbienen sei, führe deren Ausfall schließlich dazu, dass sich das gesamte Volk neu organisieren müsse: "Das Volk wird so ernsthaft geschwächt." Zudem seien die Bienen durch die Neonikotinoide anfälliger für Viren. Der Imkerchef weiß aber auch: "Man muss die Folgen eines sofortigen Verbotes natürlich ebenso bedenken, besonders für die Landwirtschaft."

Und die wären im Rapsland Mecklenburg-Vorpommern wohl enorm. "Mit den Mitteln werden fast 100 Prozent der Rapsflächen behandelt", verdeutlicht Ralf Benecke vom Referat Pflanzenproduktion beim Bauernverband die Dimension. Und: In Deutschland sei noch nie ein Schaden in Größenordnungen durch den Einsatz der Mittel nachgewiesen worden. Hingegen gewährleisteten sie einen effektiven Schutz der Pflanzen gegen Schädlinge, wie etwa den Rapserdfloh. Die Neonikotinoide würden beim Beizen des Rapses eingesetzt, so dass man sich das Spritzen der Flächen sparen könne, erläutert der Experte. Das Spritzen sei zudem "keine richtige Alternative." Man erreiche damit viel geringere Mengen der Pflanzen. Benecke räumt aber ein, dass Bienen vereinzelt über Wassertropfen auf den Pflanzen die Neonikotinoide aufnehmen könnten.

Vorsichtig bleibt auch Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) in der Deckung: An einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie zum Problem gäbe es seitens der Fachwelt erhebliche Kritiken. So werde bemängelt, dass die Praxisbedingungen zu wenig berücksichtigt wurden. Zudem habe die europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) selbst eingeräumt, dass aufgrund von Datenlücken die Studie noch nicht abschließend bewertet werden könne. "Aus meiner Sicht müssen die genannten Wirkstoffe einer erneuten unabhängigen Prüfung auf Bienengefährlichkeit unterzogen werden, um jegliche Zweifel an der EFSA-Studie auszuräumen und mögliche Gefahren, die von den Wirkstoffen ausgehen, einschätzen zu können", so Backhaus. Grundsätzlich sollte jegliche politische Entscheidung über die Zulassung von neonicotinoiden Wirkstoffen nur basierend auf eindeutigen wissenschaftlichen Nachweisen getroffen werden. Aktuelle wissenschaftliche Forschung zeige, dass schlechte Bienengesundheit auch eine Vielzahl von anderen Ursachen haben könne.

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