Mecklenburg-Vorpommern : Bienen leiden an Hunger

 

 

Es fehlt vor allem an den überlebenswichtigen Blütenpollen, Grund sind die Monokulturen auf den Feldern

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07. August 2015, 21:00 Uhr

Wenn Raps- und Lindenblüte vorbei sind, finden Bienen auf dem Land kaum noch Pollen und Nektar. In der großflächigen Agrarlandschaft blüht fast nichts mehr. Für die Bienen beginnt eine Hungerzeit – würden Landwirte nicht bewusst für bunte Wiesen sorgen.

Am Ortsrand von Alt Sührkow im Landkreis Rostock blüht es in allen Farben – Sonnenblumen, Lupinen, Borretsch, Mohn, Senf und Gräser. „So eine bunte Wiese habe ich um diese Jahreszeit schon lange nicht mehr gesehen“, sagt der Chef des Teterower Imkervereins, Siegfried Erdmann. „Da scheinen wir ja alles richtig gemacht zu haben“, meint auch der Geschäftsführer des Milchhofes Alt Sührkow, Matthias Hantel. Er hatte den Blühstreifen im Frühjahr angelegt.

Landwirte und Imker sollten künftig enger zusammenwirken – so hat es sich der Bauernverband auf die Fahnen geschrieben und zu einem Erfahrungsaustausch am Feldrand eingeladen. „Wir hätten die Fläche auch gut mit Mais für unsere Rinder bestellen können“, sagt Hantel, der auch Vorsitzender des Bauernverbandes der Region Güstrow ist. „Aber dann hätten die Bienen jetzt nichts zu futtern. Da muss man auch mal auf ein paar Tonnen verzichten können.“

Die Bienenvölker finden derzeit kaum noch die überlebenswichtigen Pollen, wie Imker Siegurd Tilly erklärt. „Es mangelt einfach an Vielfalt auf den Feldern.“ Blühstreifen sollen deshalb Abhilfe schaffen.  

2014 gab es in MV 922 Hektar Blühstreifen, die das Land mit knapp einer halben Million Euro förderte. Nun hat Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) weiteres Geld angekündigt. Statt mit 540 Euro wird nun jeder blühende Hektar mit 680 Euro gefördert. Erst im Februar hatte die EU-Kommission das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum genehmigt. So können bis 2020 rund 1,2 Milliarden Euro fließen. Davon sollen auch die Bienen profitieren. „Unsere rund 3000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind weitestgehend auf Bestäubung angewiesen. Die Honigbiene ist dabei das wichtigste Insekt. Entsprechend sollten wir handeln“, sagt der Minister.

Künftig sollen zudem fünf statt wie bisher zwei Hektar Blühstreifen je Unternehmen gefördert werden. „Das sollte jedem möglich sein“, sagt Matthias Hantel. Seine GmbH habe weitere Blühstreifen  auf einem Standort angelegt, auf dem ohnehin kaum wirtschaftliche Erträge zu erzielen seien. Als Bauernverbandschef der Region ermuntert Hantel die Berufskollegen, seinem Beispiel zu folgen. Zumal im Rahmen des Greenings, also der von der EU zusätzlich geforderten Umweltleistungen, das finanzielle Unterstützungsangebot für Bienenweiden wie gerufen erscheint. „Je bunter die Saatmischung, umso besser. Weil so fast das ganze Jahr etwas blüht“, sagt Severin Borgwardt, Ackerbauexperte im Milchhof Alt Sührkow.

Noch ein Thema beschäftigt Landwirte und Imker: Wann kann die Pflanzenschutzspritze eingesetzt werden, wann nicht? „Klare Ansage! Wenn die Bienen fliegen, Finger weg davon. Nachts ist das kein Problem“, sagt Erdmann. Die Erfahrung zeige jedoch, dass das nicht immer möglich sein wird.

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