47-Jähriger aus Rastow für Missbrauch mehrerer Jungen verurteilt : Bewährung für Schulhausmeister

Das Landgericht Schwerin verurteilte den Hausmeister einer Schule wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in 13 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Gab es zuvor eine "Absprache"?

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27. März 2013, 10:01 Uhr

Schwerin | Dieser Fall von sexuellem Kindesmissbrauch stand von Beginn an im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Schließlich war es der Hausmeister einer Schule, der in den ungeheuerlichen Verdacht geraten war, über Jahre hinweg Schüler missbraucht zu haben. Spätestens seit gestern ist dieser Verdacht eine Tatsache: Das Landgericht Schwerin verurteilte den 47-Jährigen aus Rastow wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in 13 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Vier Jungen im Alter von damals 12 bis 13 Jahren hat er zwischen 2007 und 2012 mit Geschenken in sein kleines Reich im Souterrain der Schule gelockt, um an ihnen seine - sagen wir ungewöhnlichen - sexuellen Vorlieben auszuleben. Zum Geschlechtsverkehr ist es dabei dem Gericht zufolge nicht gekommen. Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 1800 Euro muss er an zwei der Jungen zahlen. Und Kindern darf er sich zumindest während der auf drei Jahre befristeten Bewährungszeit weder im Beruf noch im Ehrenamt nähern - der Mann war als Jugendwart aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr. Seinen Job hatte der Familienvater schon kurz nach seiner für viele Einwohner offenbar überraschenden Festnahme im September 2012 verloren. Rund sechs Monate saß er in Untersuchungshaft, daraus ist er bereits im Laufe des Prozesses entlassen worden. Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte ihm eine günstige Sozialprognose bescheinigt und die Voraussage gewagt, er werde höchstwahrscheinlich nicht wieder straffällig werden. Das Gericht schloss sich dem an und beließ es bei einer Bewährungsstrafe. Auch der Staatsanwalt hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verlangt, der Verteidiger blieb nur knapp unter dieser Forderung. Alle hatten das "umfassende Geständnis" hervorgehoben, das schließlich mit "Bewährung" belohnt wurde.

Der Vorsitzende Richter sprach von einem "ungewöhnlichen" Prozess. Ungewöhnlich war auch die Urteilsbegründung - schon deshalb, weil sie öffentlich war. "Um wilde Spekulationen auszuräumen", begründete der Richter seine relativ detaillierte Schilderung, bei der er es sorgsam vermied, die Namen der Kinder zu nennen. Laut Gericht ahmte der Angeklagte mit den Jungen perverse Spiele nach, verlangte Masturbationen, nahm einen Vorfall mit dem Handy auf. Nichts, was strafbar wäre unter Erwachsenen. Doch er wählte Kinder an der Schwelle zur Pubertät, die er sich mit kleinen Geschenken gefügig machte. "Entgelt gegen sexuelle Handlungen", stellt der Richter fest. Dies sei eine Form von Prostitution und dies sei dem Angeklagten erschwerend anzurechnen.

"Wir als Juristen sind verpflichtet, Emotionen außen vor zu lassen und uns auf das Wesentliche zu beschränken", mahnte Rechtsanwalt Matthias Macht, der einen der Jungen in der Nebenklage vertrat. Das gelang in diesem Prozess, der teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurde, offenbar nicht immer. Während der Plädoyers war zu spüren, dass zwischen Staatsanwalt, Gericht und Verteidigung einerseits sowie Nebenklage andererseits starke Anspannung herrschte. Was womöglich auch mit einem Antrag der zweiten Nebenklagevertreterin zu tun. Rechtsanwältin Christine Habetha kritisierte die "Absprache", die es bereits vor der Hauptverhandlung zwischen Verteidigung, Staatsanwalt und Gericht gegeben hatte. Dabei war dem Angeklagten bei einem glaubhaften Geständnis, das den Opfern eine Aussage vor Gericht erspart, eine Strafe auf Bewährung in Aussicht gestellt worden. Dies sei nicht in öffentlicher Sitzung geschehen, nicht protokolliert worden und die Nebenklage sei nicht da rüber informiert worden, kritisierte Habetha. Das verstößt ihrer Meinung nach gegen geltendes Recht. Das Bundesverfassungsgericht hatte in einer jüngsten Entscheidung Transparenz bei sogenannten Deals verlangt. Die Anwältin, die selbst eine dreieinhalbjährige Freiheitsstrafe forderte, hat bereits Revision angekündigt.

Zwischenzeitlich war ein weiterer schwerwiegender Vorwurf aufgetaucht, so dass das Gericht doch noch zwei der Jungen in den Zeugenstand rief. Nach Auffassung der Richter hat sich der Vorwurf schweren sexuellen Missbrauchs aber nicht bestätigt. Für seinen Mandanten sei es wichtig gewesen, dass er in diesem Verfahren ernst genommen wurde, sagte Rechtsanwalt Macht. Und auch, dass der ehemalige Hausmeister, der anscheinend recht angesehen war in Rastow, ein Geständnis ablegte. Ob der Angeklagte ins Gefängnis müsse oder auf Bewährung verurteilt werde, sei für den Jungen zweitrangig gewesen.

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