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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 16:55 Uhr

Betrug im IHK-Bildungszentrum?

vom

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2013 | 06:51 Uhr

Schwerin | Das Bildungszentrum der Industrie- und Handelskammer Schwerin kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nachdem vor einem Jahr finanzielle Probleme der Einrichtung bekannt wurden, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Schwerin, nach Informationen unserer Zeitung unter anderem wegen Subventionsbetrugs.

"Es gibt vier Strafanzeigen, die geprüft werden", bestätigte gestern Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek, der Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft, gegenüber unserer Redaktion. Da die Anzeigen erst seit wenigen Stunden auf dem Tisch lägen, sei es allerdings noch zu früh, um detaillierte Auskünfte zu geben. Bei der Schweriner IHK, die das Bildungszentrum in eine gemeinnützige Tochtergesellschaft ausgelagert hat, sah sich gestern niemand zu einer Stellungnahme in der Lage. Sowohl Kammer-Präsident Hans Thon als auch Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach seien zurzeit in Brüssel, andere Verantwortliche ebenfalls nicht im Haus, so IHK-Sprecher Andreas Kraus.

Dem Vernehmen nach geht es bei den Strafanzeigen unter anderem um nicht erbrachte Verwendungsnachweise für Fördergelder. So soll das Landesförderinstitut bereits einen Rückforderungsbescheid erlassen haben, nachdem das Bildungszentrum für ein mit 278 000 Euro gefördertes Vorhaben keine nachprüfbare bzw. vollständige Teilnehmerliste vorlegen konnte.

Vor gut einem Jahr war das IHK-Bildungszentrum schon einmal in schweres Fahrwasser geraten. Nachdem die Zahl der Schulabgänger in Mecklenburg-Vorpommern im Laufe der Jahre von 30 000 auf unter 10 000 zurückgegangen war, sank auch die Zahl der dort ausgebildeten Lehrlinge im Vergleich zu den Vorjahren um die Hälfte. Das wiederum führte zu einer finanziellen Schieflage - das Bildungszentrum musste auf Rücklagen zurückgreifen. Konkursgefahr bestand nach damaligen Worten von Kammerpräsident Thon jedoch nicht.

Dennoch kristallisierte sich heraus, dass nur eine Kooperation mit anderen Bildungsträgern auf Dauer den Bestand des IHK-Bildungszentrums sichern würde. Entsprechende Vereinbarungen sind mittlerweile getroffen, das Schweriner Ausbildungszentrum (SAZ) und die Handwerkskammer als Partner mit ins Boot geholt worden. Denn auch letztere hat mit dem Umbruch auf dem Ausbildungsmarkt zu kämpfen. Ihr in den 90er Jahren für 35 Millionen Euro errichtetes Handwerks-Bildungszentrum kämpft ebenfalls mit einem deutlichen Rückgang bei der Lehrlingsausbildung. Dieser konnte bislang durch mehr Teilnehmer an Fortbildungskursen für Gesellen, Meister und Betriebsinhaber aber noch soweit kompensiert werden, dass das Bildungszentrum weiter schwarze Zahlen schrieb.

Jetzt kooperieren die Kammern insofern, als dass im gewerblich-technischen Bereich überwiegend Handwerkskammer und SAZ ausbilden. Das Schweriner IHK-Bildungszentrum, das seine Kompetenz vor allem bei der kaufmännischen Ausbildung sieht, wird sich künftig vor allem in diesem Bereich engagieren, heißt es bei der Kammer. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gibt es derzeit auch bei der Rostocker Industrie- und Handelskammer. Dort wird einer anonymen Anzeige nachgegangen, in der Kammer-Hauptgeschäftsführer Andreas Sturmowski der Untreue gegenüber der IHK bezichtigt wird.

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