Grabow : Betroffene klagen gegen Impfversuch

<fettakgl>In der Vergangenheit</fettakgl>, wie hier im Februar in Heidehof,  haben sich Grabower und betroffene Anwohner aus  umliegenden Gemeinden, wie aus Groß Laasch mehrfach gegen die Pläne ausgesprochen, Versuche an Fohlen mit genmanipuliertem Impfstoff  durchzuführen. Foto: Mick
In der Vergangenheit, wie hier im Februar in Heidehof, haben sich Grabower und betroffene Anwohner aus umliegenden Gemeinden, wie aus Groß Laasch mehrfach gegen die Pläne ausgesprochen, Versuche an Fohlen mit genmanipuliertem Impfstoff durchzuführen. Foto: Mick

Für Gisela Welke war es die schlechte Nachricht des Tages: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat einen umstrittenen Impfversuch an Pferden in Heidehof nahe der Stadt genehmigt.

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05. Juni 2012, 06:06 Uhr

Grabow | Für Gisela Welke aus Grabow war es die schlechte Nachricht des Tages: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am Montag einen umstrittenen Impfversuch an Pferden in Heidehof nahe der Stadt Grabow genehmigt. Der Impfstoff mit gentechnisch veränderten Bakterien, der Fohlen vor eitrigen Lungenentzündungen schützen soll, darf auf einem Gestüt in Grabow erprobt werden, wie das Bundesamt auf seiner Internetseite mitteilte. Die Fachleute kamen in ihrer Sicherheitsbewertung zu dem Schluss, "dass von dem Freisetzungsversuch keine gentechnikspezifischen schädlichen Einflüsse auf Menschen und Tiere sowie auf die Umwelt zu erwarten sind". Gegner des Versuchs befürchten hingegen, dass die genveränderten Bakterien in die Umwelt gelangen und sich daraus Gefahren ergeben.

Das wollen aber die Grabower, die davon betroffen wären, nicht einfach so hinnehmen. "Im Namen aller Mitstreiter gegen das Experiment der Freisetzung des Bakteriums ,Rhodococcus-equi’ möchte ich hiermit unserer Empörung und unserer Enttäuschung über die Genehmigung des BVL Ausdruck verleihen", so Gisela Welke. "Es ist bezeichnend für unsere Politiker, dass sie, sobald die Wahlen vorbei sind, sich keinen Deut mehr um die Belange des Volkes kümmern. Wir Grabower und unsere Stadtvertreter sind strikt gegen dieses gewagte Experiment, welches erstmalig in Deutschland stattfinden soll. Es wurden fast 450 Einwendungen fristgerecht an das BVL gesendet. Alle Sorgen und Ängste um unsere Gesundheit und die unserer Kinder wurden vom Tisch gefegt. Wir fragen uns natürlich, weshalb diese Entscheidung gegen das Volk? Es ist nahe liegend, und diese Vermutung muss schon gestattet werden, dass das Kapital, sprich Pharmakonzerne, die größere Macht besitzen. Wir Grabower werden nicht aufgeben und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Entscheidung angehen. Eine direkt betroffene Bürgerin vor Ort hat angekündigt, dass sie klagen werde."

Die Grabowerin und Sprecherin besorgter Bürger vor Ort, Gisela Welke, hatte bereits auf einer Demo im Februar dieses Jahres in Heidehof zu den Gründen des Widerstandes gegen den Freisetzungsversuch in Grabow erklärt: "Ich bin, wie viele andere Grabower Bürger, in meinem Recht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit durch die Risiken dieser Freisetzung beeinträchtigt. Da die Ausbreitung der gentechnisch veränderten Bakterien laut dem Freisetzungsantrag nicht durch Sicherheitsvorkehrungen beschränkt werden kann, bin ich von den schädlichen Auswirkungen der Freisetzung unmittelbar betroffen und kann nicht geschützt werden."

Wie ein Sprecher des Gestüts auf Anfrage sagte, wird der Versuch in diesem Jahr aller Voraussicht nach nicht mehr gestartet. Die Haupt-Fohlzeit sei vorbei. Damit sei es kaum noch möglich, genügend Tiere des gleichen Alters zusammenzubekommen. Die Impfung von 30 Jungtieren solle konzentriert im Alter von 10 bis 14 Tagen nach der Geburt erfolgen.

"Natürlich sind wir empört und enttäuscht über diese Entscheidung des BVL. Aber einerseits sind wir auch froh, dass dieser umstrittene Versuch nun erst ein Jahr später starten könnte", so Agrarreferent Dr. Burkhard Roloff von der Landesgeschäftsstelle des BUND in Schwerin. Und er übt zugleich heftige Kritik am BVL, das seiner Meinung nach alle Freisetzungsversuche durchwinkt. "Bedenklich finde ich auch, dass unsere fast 450 Einwendungen überhaupt keine Rolle spielten und auf diese Weise das Bürgerbegehren überhaupt nicht berücksichtigt wurde."

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