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Streit um Gülle & Co. in MV : Betriebe müssen Düngermengen monatlich melden

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Es stinkt allen: Immer wieder gibt es Streit um Gülle, Mist und Gärreste. Das Land will den Umgang mit diesen Düngern aus Sorge um das Grundwasser künftig besser überwachen. Landwirte verteidigen ihre Praxis.

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2017 | 20:09 Uhr

Das Land will den Umgang mit Düngern wie Mist, Gülle und Jauche oder Gärresten besser überwachen. Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern müssen jetzt monatlich an eine Datenbank die Verwendung von tierischen und pflanzlichen Düngern melden. Bisher war das nur einmal im Jahr notwendig. Wie das Agrarministerium am Mittwoch mitteilte, bedeute das nicht, dass mehr Informationen von den Betrieben eingefordert werden, sondern dass die Informationen schneller zur Verfügung stehen.

Um die Nitratbelastung von Grund- und Oberflächengewässern abzusenken, seien rasche Informationen über Nährstoffströme unerlässlich, sagte Minister Till Backhaus (SPD). Betroffen seien Betriebe, die mehr als 200 Tonnen Dünger im Jahr verwenden.

  Das Grundwasser ist nach Angaben des Ministeriums zu stark nitratbelastet. Von den 53 sogenannten Grundwasserkörpern sind laut Nitratbericht des Bundes, der Anfang Januar veröffentlicht wurde, elf wegen Nitrates in einem chemisch schlechten Zustand. Betroffen seien 18,4 Prozent der Landesfläche. Zum Vergleich: in Nordrhein-Westfalen sind sogar 40 Prozent beeinträchtigt, in Schleswig-Holstein 50 und in Niedersachsen 60 Prozent. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) pocht daher auf ein strengeres Düngerecht.

Eine Gruppe von sechs Landwirten aus Mecklenburg-Vorpommern, darunter FDP-Landesvorstandsmitglied Daniel Bohl, kritisiert, dass Mist und Gülle in Verruf gebracht würden. „Jeder Hobbygärtner weiß eine Fuhre Dung zu schätzen. So geht es uns Landwirten auch“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Der Einsatz organischer Dünger wie Mist, Gülle und Gärsubstrat verringere den Aufwand an mineralischem Dünger und sei die natürlichste aller Düngungsformen. Die Stickstoffüberschüsse im Land wiesen einen eindeutigen Trend nach unten auf. „Unser Bundesland gehört hinsichtlich dieser Kennzahl deutschlandweit sogar zu den Besten“, hieß es. Die Landwirte fordern eine standortbezogene Analyse der auffälligen Messstellen.

Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck wies ebenfalls darauf hin, dass das Grundwasser Jahrzehnte brauche, um sich zu reinigen, und nicht jede Belastung heutigen Landwirten anzurechnen sei. Er kritisierte zudem, dass die neue Düngeverordnung wieder Mengen und Termine festlege, anstatt technische Standards vorzuschreiben und mehr Vertrauen in die Landwirte zu haben. Mengen und Termine seien einfach für die Verwaltung, sagte er. „Aber wir haben kein Jahr, das wie das andere ist.“. Standort und Witterung müssten ebenfalls berücksichtigt werden.

>> Nitratbericht 2016 (pdf-Datei)

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