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Hilfe beim Zugfahren : Betreutes Fahren für Senioren

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"Betreutes Fahren" heißt die Sonderzone, in der Reisende der Ostseeland Verkehr einen geräumigen Sitzplatz und Extra-Service am Platz finden. Ebenerdig zu erreichen und direkt neben der behindertengerechten Toilette.

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erstellt am 23.Apr.2012 | 08:20 Uhr

Crivitz | Senioren-Offensive bei der Ola: "Betreutes Fahren" heißt die Sonderzone, in der Reisende der Ostseeland Verkehr (Ola) einen geräumigen Sitzplatz und Extra-Service am Platz finden. Ebenerdig zu erreichen und direkt neben der behindertengerechten Toilette. Der Bahn-Konkurrent lockt die "Kundengruppe der Zukunft", so Ola-Geschäftsführer Dirk Fischer, in ihre blau-weiß-gelben Regionalzüge. Doch auch jeden Reisenden, der wegen Kinderwagen, Krücken oder Riesenkoffer eingeschränkt ist, wollen die Privat-Bahner unterstützen. Immerhin 15 Prozent des Schienenverkehrs in MV deckt die Ola ab, 66 Prozent die DB Regio.

Praxis-Test in Crivitz: Ein 77-jähriger Rentner fährt regelmäßig mit der Ola zum Arzt nach Schwerin. Das Zeichen am Waggon, einen gelben Kreis mit der Aufschrift "Betreutes Fahren. Einzigartig in MV", hat er schon gesehen. Über das Angebot ist der Gehbehinderte besonders froh, wenn er in Crivitz aussteigen will. Denn zwischen Zug und Bahnsteigkante klafft ein großer Absatz. Barrierefrei war drinnen. Draußen: Ein großer Höhenunterschied. Der Rentner hofft auf die Zukunft: "Crivitz soll ja noch gemacht werden, aber was ist, wenn das nicht passiert und der Bahnhof stillgelegt wird?"

"Es wird keiner abgehängt", versichert Rainer Kosmider aus dem Landesverkehrsministerium. Doch es könne sein, dass manche Bahnstrecke zugunsten einer ökonomischeren Busverbindung stillgelegt werde, schränkt er ein. Erst im März hatte Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) die Ausdünnung einiger Zugstrecken angekündigt, darunter auch die Ola-Strecke Rehna-Schwerin.

Den Niveau-Unterschied in Crivitz hat sich Kosmieder angesehen. Zusammen mit einer Handvoll Journalisten, die auf Ola-Einladung jüngst ausprobierten, wie es ist, sich im Zug zurechtzufinden, wenn man 50 Jahre älter ist. Ausgestattet wurden sie dafür mit speziellen Alterssimulations-Anzügen, mit denen bald auch die Zugbegleiter geschult werden sollen: Fast 18 Kilogramm zusätzlich auf die Hüften: Eine Gewichte-Weste über die Schultern, weitere Kilos an Beine, Arme und in die Hosentaschen. Die Handgelenke und die Knie mit Bandagen eingezwängt, den Kopf mit einer Halskrause stillgestellt. Mit der Taucherbrille legte sich ein Schleier über die Realität, per Ohrschützer werden die Umgebungsgeräusche leiser.

Vier Journalisten steckten in dem Greisen-Dress und taperten vorsichtig über den Schweriner Bahnhof. Klickten sich am Fahrkartenautomaten durch das Menü, kämpften sich die Treppenstufen hoch und enterten, ausgestattet mit Koffer, Rollator oder Krücken, den Zug. Eine öffentlichkeitswirksame Aktion, die einige Jugendliche am Bahnhof enorm erheiterte. Doch die allesamt jungen Medienleute könnten die körperlichen Einschränkungen, die mit dem Anzug simuliert werden, einfacher kompensieren, bestätigte auch Anzug-Verleiher Björn Weggen.

Brigitte Paetow, Vorsitzende des Landesseniorenrats in MV, die die Gruppe auf ihrer Fahrt von Schwerin nach Crivitz begleitete, versteht nicht, warum der Test nicht mit Älteren gemacht wird. "Wir haben doch genug." Doch dass sich überhaupt jemand dem Thema zuwende, findet sie gut. Die 72-Jährige lobt das Angebot der Ola: Die besondere Betreuung im Zug, die geräumige Toilette, in der auch wichtige Haltegriffe vorhanden sind, und die Kennzeichnung des Waggons, in dem betreut gefahren wird.

Auch Gerhard Götting aus Sukow schätzt die Ola dafür. "Das Angebot ist zu begrüßen." Auch die hohen Spritpreise sorgen dafür, dass er jetzt häufiger auf die Schiene umsteigt. "Betreuung brauche ich zum Glück noch nicht", ist er froh. Doch wenn es mal soweit sei, würde er das Angebot der Ola gern annehmen.

Fazit des Tages: Die Jungen freuen sich, die belastende Alterskluft wieder abzulegen. Und Rainer Kosmider will nach der Visite in Crivitz die Sanierung der Bahnhöfe weiter vorantreiben.

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