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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 22:40 Uhr

Bessere Kitas nur mit mehr Personal

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2010 | 07:39 Uhr

Schwerin | Eine bessere individuelle Förderung der Kinder ist nach Ansicht von Kirchen, Verbänden und Kommunen nur mit mehr Personal in den Kitas machbar. In einer Anhörung im Schweriner Landtag begrüßten die Träger der mehr als 1000 Kindertagesstätten im Land gestern die geplanten Verbesserungen bei der frühkindlichen Bildung, die Integration behinderter Kinder und die engere Kooperation zwischen Kita und Schule. Für die Umsetzung dieser Ziele reichten die vorgesehenen 15 Millionen Euro, die die Landesregierung pro Jahr zusätzlich ausgeben will, aber nicht aus. Der Vorsitzende der Liga der Wohlfahrtsverbände, Burghardt Siperko, sagte, andere Bundesländer wie Brandenburg, Thüringen und Hessen gäben deutlich mehr Geld für mehr Kita-Personal aus.

Das neue Kita-Gesetz soll Anfang Juli vom Landtag verabschiedet werden. Ein Großteil der 15 Millionen Euro soll an Einrichtungen in sozialen Brennpunkten fließen. Fünf Millionen Euro sollen an die Kommunen gehen, um die Elternbeiträge stabil zu halten. Eine generelle Verbesserung des Personalschlüssels ist nicht vorgesehen. Allerdings sollen die Erzieherinnen mehr Zeit für Vorbereitungen und Elterngespräche bekommen. Derzeit betreut eine Fachkraft in der Krippe im Schnitt sechs Kinder, in der Kita 18 Kinder.

Der Chef der Diakonie Mecklenburg, Landespastor Martin Scriba, bemängelte, dass der Personalschlüssel nicht detailliert im Gesetz festgeschrieben sei. In der Altenpflege sei sogar für jede Tageszeit festgelegt, wie viele Betreuer im Einsatz sein müssten. Die Verbesserung der Fachkraftquote müsse absolute Priorität haben, auch vor einer Entlastung der Eltern bei den Krippenbeiträgen. Der Landkreistag begrüßte die geplante Anhebung der Qualität in der Kinderbetreuung. "Allerdings sind diese Verbesserungen mit deutlich höherem Verwaltungsaufwand und erheblichen Mehrkosten für die Landkreise verbunden", kritisierte Verbandsgeschäftsführer Jan Peter Schröder. Wenn das Land die Standards erhöhe, müsse es auch vollständig die Mehrkosten übernehmen.

Die Kirchen bemängelten, dass im Gesetzentwurf der Bereich Werteerziehung/religiöse Bildung gar nicht erwähnt werde. Der Regierungsbeauftragte der beiden evangelischen Landeskirchen, Markus Wiechert, wandte sich zudem dagegen, diesen Bereich den nicht dafür ausgebildeten Erzieherinnen zu überlassen. Diese wären in einem überwiegend konfessionslosen Land wie Mecklenburg-Vorpommern damit überfordert.

SPD und CDU im Landtag erklärten nach der Anhörung, sie würden an ihrem Gesetzentwurf im Grundsatz festhalten. Alle vorgetragenen Aspekte würden aber gewürdigt, versicherte der SPD-Sozialexperte Jörg Heydorn. Die Mittel müssten auf die wichtigsten Probleme konzentriert werden. Eine "Förderung mit der Gießkanne" lehnte Heydorn ab. Ilka Lochner-Borst von der CDU bemerkte, dass es schon jetzt bei gleichem Finanzrahmen unterschiedliche gute Kitas gebe. Künftig müsse es einheitliche Kriterien geben.

Die Opposition im Landtag sieht nach der Anhörung ihre Kritik an einer unzureichenden finanziellen Ausstattung der Kitas bestätigt. Ralf Grabow (FDP) erklärte: "Es bedarf eines wirklich zukunftsfähigen KiföGs für die Kinder. Selbst die Universität Rostock hat aus diesen Gründen den angestrebten Beschlusstermin im Juli 2010 als unrealistisch erachtet." Ex-Sozialministerin Marianne Linke kritisierte im Namen der Links-Opposition: "Zwar wurde der Ansatz, die Stärkung der frühkindlichen Bildung, positiv bewertet. Allerdings reichen die dafür vorgesehenen Mittel nicht aus, um die Standards wie etwa den Betreuungsschlüssel zu verbessern." Insgesamt sei deutlich geworden, dass die Qualitätsstandards nicht ausfinanziert sind.

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