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Einmaliges Projekt in Deutschland : Bessere Hilfe für Opfer von Sexualstraftaten

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Kinder und Jugendliche, denen Gewalt angetan wurde, können in MV professionelle Unterstützung bei Gerichtsverfahren gegen ihre Peiniger erhalten. In einem Modellprojekt wurden damit gute Erfahrungen gemacht.

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 08:07 Uhr

Schwerin | Kinder und Jugendliche, denen Gewalt angetan wurde, können in Mecklenburg-Vorpommern professionelle Unterstützung bei Gerichtsverfahren gegen ihre Peiniger erhalten. In einem Modellprojekt wurden mit der psychosozialen Prozessbegleitung gute Erfahrungen gemacht, wie Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) sagte.

Der Ergebnisbericht des zweijährigen Versuchs liegt jetzt vor. "Das Projekt ist in der Bundesrepublik bisher einmalig", sagte Kuder. Sie forderte das Bundesjustizministerium auf, für Kinder und Jugendliche im Falle von sexuellem Missbrauch oder Körperverletzung den Anspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung generell festzuschreiben. Innerhalb des Modellprojekts von Mitte 2010 bis Mitte 2012 wurden laut Kuder in den Landgerichtsbezirken Schwerin und Neubrandenburg 52 Kinder und Jugendliche von zwei Sozialpädagoginnen mit juristischer Zusatzausbildung vor, während und nach der Gerichtsverhandlung begleitet. "Bis Ende November waren es sogar 81", sagte die Ministerin. "Alle wurden sexuell missbraucht." Ziel sei es, Kinder und Jugendliche, die vor Gericht aussagen müssen, sicherer zu machen: "Opfer müssen zu Handelnden werden." Sie müssten es schaffen, vor Gericht deutlich zu machen, was ihnen angetan wurde. Die Kinder waren dem Bericht zufolge vor allem froh, dass immer jemand für sie da war und sich um sie kümmerte. Einige äußerten, vor dem Gerichtstermin große Angst gehabt zu haben, vor allem, weil sie dem Täter gegenübertreten mussten. Die Prozessbegleiterinnen können laut Kuder den Opfern helfen, das Geschehene zu verarbeiten und wieder ein angstfreies Leben zu führen.

So würden sie die Betroffenen an Psychologen und Opferanwälte weitervermitteln. "Je früher Opfer und Prozessbegleiter zusammenkommen, desto besser." Am besten sei es, wenn schon die Polizei bei der Aufnahme der Strafanzeige auf die Möglichkeit hinweise. Auch die Justiz könne von der Prozessbegleitung profitieren, denn die Kinder seien besser aussagefähig und das Verfahren könne sich verkürzen.

Kuder will die psychosoziale Prozessbegleitung 2014/15 auf die Landgerichtsbezirke Rostock und Stralsund ausdehnen. Pro Jahr entstünden dem Land Kosten von 200 000 Euro. Sie hofft, einen Mann in das Team aufnehmen zu können, weil betroffene Jungen mit einem Mann möglicherweise lieber reden würden. Unter den bisher begleiteten 81 Betroffenen waren 51 Mädchen und 30 Jungen. Vorbild bei der psychosozialen Prozessbegleitung ist Österreich. "Dort gibt es verbindliche Regelungen dafür, auch für Erwachsene", berichtete sie. Das sollte auch in Deutschland ein Thema sein.

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