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Konzept des Kooperativen Lernens : Besser lernen im Team

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In Kanada wird es seit Jahren praktiziert. Geht es nach Jörg Upahl und Thomas Barsch, kann sich das Konzept des Kooperativen Lernens auch in MV durchsetzen. Gemeinsam mit dem Ministerium arbeiten die beiden Lehrer daran.

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erstellt am 27.Dez.2012 | 08:02 Uhr

Rehna | In Kanada wird es schon seit Jahren praktiziert. Geht es nach Jörg Upahl und Thomas Barsch, kann sich das Konzept des Kooperativen Lernens auch in Mecklenburg-Vorpommern durchsetzen. Gemeinsam mit dem Bildungsministerium arbeiten die beiden Lehrer daran.

Seit jeher ist es in Klassenzimmern so, dass ein Lehrer an der Tafel steht, Inhalte vermittelt und Wissen abfragt. Dass sie das im Grundsatz nicht verändern können, ist Jörg Upahl und Thomas Barsch bewusst. Sie wollen diese Art der Wissensvermittlung um das Konzept des Kooperativen Lernens erweitern. Es wird kein Allheilmittel für vermeintliche Probleme im Schulalltag sein. Beide sind überzeugt davon, mit Hilfe dieses Konzepts Veränderungen an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern einleiten zu können.

Sie kennen die Praxis. Beide sind Lehrer an der Regionalen Schule im westmecklenburgischen Rehna. Dort stieß Jörg Upahl vor fünf Jahren über einen Aushang auf eine Fortbildung zum Lernen in Kooperation - ein in der Praxis erprobtes Konzept der Kanadier Norm und Kathy Green.

Upahl störte sich daran, dass Schüler und Lehrer häufig Einzelkämpfer sind. Das Lernen in Kooperation machte ihn neugierig. Er meldete sich an und kam nicht mehr davon los. Fasziniert davon, wie Erkenntnisse aus der Gehirnforschung zum Lernen, zu Emotionen, Aufmerksamkeit und Neugier das gehirngerechte Lernen und den Spaß daran befördern, unterrichtet er nach diesem Konzept und begeisterte auch Thomas Barsch. Beide ließen sich zu Trainern und Moderatoren für das Kooperative Lernen ausbilden. Sie tragen das Konzept in die Schulen und beraten Lehrer bei der Umsetzung. Seit diesem Jahr hat das Duo das Green Institut Nord gegründet und leistet Pionierarbeit in Schulen. Das Konzept wollen beide in die Aus- und Fortbildung von Lehrern integrieren.

Sie begeisterten Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) und die Verantwortlichen des IQMV, des Fachbereichs für Schul- und Unterrichtsentwicklung, Fortbildung und Beratung von Lehrern. Gemeinsam entwickeln sie jetzt ein Fortbildungs-Konzept. "Das Lernen in Kooperation bietet auch viele einzelne Bausteine, die Lehrer für sich nutzen können", sagt Upahl. Er vergleicht den Grundgedanken der Teamarbeit gerne mit dem Verstand der Gänse. Die fliegen tausende Kilometer in V-Formation und bringen die starken und schwächeren Tiere ans Ziel. "Jeder Flügelschlag erleichtert den Flug des Vogels dahinter. So erhöht sich die Reichweite im Team um 70 Prozent. Auch Menschen, die die gleiche Richtung einschlagen, kommen schneller und einfacher ans Ziel", erklärt Upahl, der sich mehr Teamarbeit in den Schulen wünscht. "Das können die Schüler sein. Schüler und Lehrer können gemeinsam Anforderungen bewältigen. Und auch Lehrer, die heute oft als Einzelkämpfer agieren, könnten stärker in Teams arbeiten", sagt Upahl. Das sei ein letzter Schritt auf einem langen Weg.

Das Konzept des Lernens in Kooperation wird von drei Säulen getragen: die Arbeit des Einzelnen, die Partnerarbeit und die Präsentation von Ergebnissen. Wenn der Lehrer seinen Schülern eine Aufgabe gibt, lässt er jedem Einzelnen zunächst Zeit, sich Gedanken zu machen. Zuvor werden die Gruppen mit maximal vier Schülern nach Zufallskriterien zusammengestellt. Innerhalb dieser Gruppen erhält jeder festgeschriebene Aufgaben, angefangen vom Blick auf die Zeit bis hin zum Zusammenfassen der Ergebnisse und des abschließenden Präsentierens. Innerhalb der Gruppe gelten klare Regeln. Mit Hilfe akustischer Signale weiß jeder, wann es Zeit ist, Unterhaltungen zu beenden, sich zueinander zu drehen, sich anzusehen, einander zuzuhören und sich gegenseitig aufmerksam zu machen. "Auf diese Weise fördern wir den gedanklichen Austausch, geben jedem Verantwortung. Und jeder muss etwas zum Gelingen beitragen und kann sich nicht zurücklehnen", sagt Jörg Upahl, der als Lehrer aus einer Vielzahl von Methoden wählen kann. Upahl ist davon überzeugt, dass es Zeit braucht, Schülern solch ein Konzept beizubringen. Er selbst ist schon so weit, dass seine Klassen es verinnerlicht haben und viele Schritte automatisch von den Schülern gesteuert werden.

Hintergrund

Kathy und Norm Green haben seit 1986 das Konzept des Kooperativen Lernens in Kanada entwickelt und es im Schulbezirk Durham nahe Toronto umgesetzt. Zuvor war dieser Schlusslicht in der Bildungslandschaft des Landes. 1996 zeichnete die Bertelsmann Stiftung ihn als innovativsten Schulbezirk der Welt aus. Seither haben sie ein weltweites Netz aufgebaut und immer mehr Lehrer nutzen den von der Wissenschaft empfohlenen Ansatz.
Kathy und Norm Green haben seit 1986 das Konzept des Kooperativen Lernens in Kanada entwickelt und es im Schulbezirk Durham nahe Toronto umgesetzt. Zuvor war dieser Schlusslicht in der Bildungslandschaft des Landes. 1996 zeichnete die Bertelsmann Stiftung ihn als innovativsten Schulbezirk der Welt aus. Seither haben sie ein weltweites Netz aufgebaut und immer mehr Lehrer nutzen den von der Wissenschaft empfohlenen Ansatz.

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