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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 23:27 Uhr

Unfallflucht : Besser die Polizei anrufen

vom
Aus der Onlineredaktion

Selbst wenn’s nur eine kleine Beule ist - wer abhaut, macht sich strafbar

svz.de von
erstellt am 27.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Den herrenlosen und beschädigten Pkw der Marke Volkswagen entdeckten die Beamten in der Ludwigsluster Innenstadt, etwa zweieinhalb Kilometer vom Unfallort entfernt. Die Kennzeichen hatte der Fahrer sicherheitshalber abmontiert. Aus gutem Grund: Die Polizei fahndet nach ihm, weil er „eine besonders dreiste Unfallflucht“ begangen haben soll, wie es der Ludwigsluster Polizeisprecher Klaus Wiechmann ausdrückt.

Den Ermittlungen zufolge hatte der VW-Fahrer vor sechs Tagen auf einer Kreuzung in Ludwigslust einer Autofahrerin die Vorfahrt genommen. Beide Fahrzeuge stießen zusammen. Die Fahrerin wurde verletzt und ihr Auto erheblich beschädigt. „Doch anstatt sich um die verletzte Frau zu kümmern und die Polizei zu rufen, fuhr der Mann ohne anzuhalten davon“, schildert Wiechmann. Wieder einmal hatte sich ein Autofahrer unerlaubt vom Unfallort entfernt.

Die Polizei in MV registriert täglich etwa 30 Fälle von Unfallflucht. „Die Masse sind Parkplatzrempler“, schätzt Wiechmann. Die Folgen seien häufig Kleinigkeiten wie eine Beule an der Stoßstange oder eine Schramme am Kotflügel. Doch auch bei diesen Bagatellen macht man sich nach Paragraf 142 des Strafgesetzbuches strafbar: wenn man sich sich vor einer „angemessenen“ Wartezeit vom Unfallort entfernt, ohne Auskunft über sich selbst und den Unfallhergang gegeben zu haben. „Notfalls muss ich eben die Polizei rufen“, rät Wiechmann.

Dass mehr als 10 000 Autofahrer in MV jährlich das Weite suchen, hat laut Wiechmann selten etwas damit zu tun, dass sie von dem Rums nichts mitbekommen. „Wahrscheinlicher ist wohl eher die Angst vor einer Strafe oder die Befürchtung, in der Versicherung hochgestuft zu werden.“ Einige Autofahrer würden die Beschädigungen auch nicht ernst nehmen. Die Furcht vor Sanktionen durch die Ordnungshüter ist aber eigentlich unbegründet. Wer sich beim Ausparken ungeschickt anstellt und seinem Nachbarn eine kleine Delle verpasst, bekommt laut Polizei lediglich ein Verwarngeld im unteren zweistelligen Bereich verpasst. Wer jedoch einfach weiterfährt, kann zum Fall für den Staatsanwalt werden. „Dann ist aus einer Lappalie eine Straftat geworden“, verdeutlicht Wiechmann.

Es gäbe aber auch immer wieder Fälle, in denen Fahrer nach einem Unfall ganz bewusst die Flucht ergreifen: Etwa weil sie betrunken waren oder keinen Führerschein besitzen. „Die Tatverdächtigen zu ermitteln, ist häufig ein Puzzlespiel“, räumt Wiechmann ein. Bei der dreisten Fahrerflucht in Ludwigslust ist der Polizeisprecher optimistisch, obwohl der Tatverdächtige seine Identität verschleiern wollte: Die Kriminaltechniker konnten Spuren am Unfallwagen sichern.






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