Vandalismus im Wahlkampf : Beschmiert, beklebt, angezündet

Vom Plakat-Vandalismus sind alle Parteien betroffen
Vom Plakat-Vandalismus sind alle Parteien betroffen

Plakat-Vandalen halten den Staatsschutz mächtig auf Trab. AfD versteift sich in wilde Verschwörungstheorien

svz.de von
28. August 2016, 09:00 Uhr

Die Täter ziehen häufig im Schutz der Dunkelheit los. Ausgerüstet sind sie mit Aufklebern und Farbdosen. Einige haben sogar Brandbeschleuniger dabei. Ihr bevorzugtes Ziel sind Wahlplakate, die sie überkleben, beschmieren und sogar anzünden.

Knapp eine Woche vor der Landtagswahl ist die Zahl der zerstörten und gestohlenen Wahlplakate und Aufsteller deutlich gestiegen. Rund 2800 Plakate sind nach Angaben der Polizeipräsidien in Neubrandenburg und Rostock seit Mitte Juli landesweit beschädigt oder entwendet worden. Mitunter wurden gleich komplette Straßenzüge von Wahlwerbung „befreit.“ Vor einer Woche etwa schnappten Beamte im Raum Rostock einen Verdächtigen, der für die Beschädigung von 100 Wahlplakaten verantwortlich gewesen sein soll.

Ob bislang mehr Wahlwerbung als in den Vorjahren zerstört wurde, kann die Polizei nicht genau sagen. „Aber das Anzeigeverhalten hat sich deutlich verändert“, sagt die Rostocker Polizeisprecherin Sophie Pawelke. Die Beschädigungen würden verstärkt gemeldet. Betroffen vom Plakat-Vandalismus sind alle Parteien. Besonders häufig sei aber die Wahlwerbung der Alternative für Deutschland (AfD) und der rechtsextremen NPD beschädigt worden, weiß Pawelke. Etwa 70 bis 80 Prozent der Vandalismus-Attacken richteten sich gegen die Werbung dieser beiden Parteien.

Ermittelt hat die Polizei bislang 126 Tatverdächtige. „Und unter denen ist alles dabei“, sagt die Sprecherin. Von 15-jährigen Mädchen, die aus Spaß Plakate abgerissen hatten, über „Souvenirjäger“ bis hin zu polizeibekannten, politisch-motivierten Personen. „Das hat nichts mehr mit dem Stil einer gesunden politischen Auseinandersetzung zu tun, sondern das ist einfach nur noch schäbig“, kritisierte jüngst der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Suhr, die Zerstörungswut mit politischem Hintergrund. AfD-Mitglieder wie Thomas de Jesus Fernandes, Kreisvorsitzender für Mecklenburg-Schwerin, wittern hintern dem Plakat-Vandalismus sogar gezielte Attacken der politischen Konkurrenz und versteifen sich in wilde Verschwörungstheorien.

Als Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) jüngst in Pinnow bei Schwerin gastierte, war dem AfD-Mann aufgefallen, dass entlang der Fahrstrecke nur noch Wahlplakate der Sozialdemokraten hingen. „Ist ein Wirbelwind, wie einst in Bützow, durch den Ort gefegt und hat ausschließlich die SPD-Plakate verschont?“, orakelte Fernandes. Vielleicht hätte er einfach mal den Bürgermeister fragen sollen. Der hätte ihm nämlich mitgeteilt, dass entlang der Strecke die Wahlplakate aller Parteien zerstört worden waren. Seine Mitarbeiter hatten dies sogar dokumentiert und Anzeige bei der Polizei erstattet. Die SPD-Wahlhelfer hatten nach dem Vorfall umgehend neue Plakate für den Selleringbesuch aufgehängt.

>> Alles rund um die Landtagswahl finden Sie in unserem Dossier.

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