Freiwillig im Gefängnis : Berufsleben hinter Gittern

Susann Alfen  hat siche  einen   ungewöhnlichen  Beruf  ausgesucht:  Sie  wird Justizvollzugsangestellte. Während ihrer zweijährigen Ausbildung absolviert die  junge  Frau, die  zuvor  schon  Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte  gelernt  hat,  mehrere Praktika in Haftanstalten Mecklenburg-Vorpommerns.
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Susann Alfen hat siche einen ungewöhnlichen Beruf ausgesucht: Sie wird Justizvollzugsangestellte. Während ihrer zweijährigen Ausbildung absolviert die junge Frau, die zuvor schon Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte gelernt hat, mehrere Praktika in Haftanstalten Mecklenburg-Vorpommerns.

Im vergangenen Jahr waren 45 junge Leute in der Ausbildung im Justizvollzug, 9 davon Frauen

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24. März 2014, 12:01 Uhr

Das richtige Schließen will gelernt sein: „Wichtig ist, den Fuß unten gegen die Tür zu stellen“, sagt Susann Alfen, „damit sie nicht von innen aufgestoßen werden kann.“ Dann aufschließen, den Riegel aufschieben, die Tür öffnen und sofort das Schloss wieder verschließen. „Sonst bin ich im Haftraum eingesperrt, falls die Tür ins Schloss fällt“, erklärt die junge Frau, die in einem halben Jahr Justizvollzugsbeamtin sein wird. Jetzt ist sie noch in der zweijährigen Ausbildung, in der sie in Praktika die Haftanstalten des Landes kennen lernt. Eine Station ist Bützow mit einem wahrhaft historischen Gefängnis.

„Das muss man gesehen haben“, meint Susann Alfen, die sich bereits vor zehn Jahren für ein Berufsleben hinter Gefängnismauern entschied. Während ihrer Berufsausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten in Niedersachsen lernte sie die Arbeit in einer Haftanstalt für Jugendliche kennen. „Das muss ich machen“, habe sie damals schon gewusst. Mit 17 Jahren war das aber nicht möglich. „Eine Einstellungsvoraussetzung ist ein Alter von 21 Jahren und eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung“, sagt der Sprecher der Justizvollzugsanstalt, Jens Kötz. Eine gewisse Lebenserfahrung sei für den Beruf nötig. 2013 waren dem Justizministerium zufolge 45 junge Leute in der Ausbildung im Justizvollzug, davon 9 Frauen (20 Prozent). Pro Jahr gebe es rund 500 Bewerber.

Susann Alfen reizt vor allem die soziale Seite dieser Arbeit. „Das ist mehr als Wegschließen. Ich bin die erste Ansprechpartnerin für die Gefangenen“, sagt sie. Sie sieht in einem Häftling in erster Linie einen Menschen, den sie unterstützen will, das Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Zum Verurteilen bin ich nicht hier, dafür ist der Richter da“, ist ihr Motto. Allerdings - zimperlich darf sie auch nicht sein. „Als junge Frau im Männervollzug kriegt man schnell etwas hinterhergerufen.“

Darauf nicht zu reagieren, wäre falsch. „Man muss sofort eine klare Ansage machen.“ Dass sie sich Respekt zu verschaffen weiß, nimmt man ihr gerne ab. Die sportliche Frau mit dem langen, schwarzen Pferdeschwanz strahlt Energie und Souveränität aus.

Eingesperrt fühlt sich Susann Alfen an ihrem Arbeitsort nicht. Im Büro am Schreibtisch, da habe sie sich oft eingesperrt gefühlt, erzählt sie und lacht. Die Arbeit mit den Gefangenen sei vielfältig, sie sei immer in Bewegung. Auch persönliche Gespräche und Ratschläge gehören dazu, wenn es etwa Schwierigkeiten in der Familie gibt. „Das ist unser Job zu erkennen, wenn es jemandem schlecht geht“, bemerkt sie. Eine gefährliche Situation habe sie noch nicht erlebt.

In Bützow gibt es 535 Haftplätze und 20 neue Unterkünfte für Sicherungsverwahrte. Von den Haftplätzen waren im März 427 belegt, 50 von Untersuchungsgefangenen, ganze 32 von Frauen.


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