zur Navigation springen

Nachwuchs gesucht : Beruf Koch: Beliebter geht immer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Frank-Peter Krömer ist Koch, Weinhändler und Sommelier aus Leidenschaft. Nachwuchs wird in seinem Gewerbe jedoch händeringend gesucht

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Jahr für Jahr wird die Liste der unbeliebten Berufe erneuert. Und sie ist lang. Allerdings finden sich darauf nicht die klassischen Außenseiterjobs mit Gruselfaktor wie der Kanalreiniger oder Kammerjäger. Stattdessen sind es Politiker, Bankkaufleute und Versicherungsvertreter, die in Deutschland wenig angesehen sind. Das ermittelte das Internetportal statista.de in einer Umfrage. Auch das Gastgewerbe – mit Köchen, Restaurant- und Hotelfachleuten – ist besonders bei den Berufsstartern wenig populär.

Unbeliebte Berufe wie die oben Genannten hätten jedoch nur ein klassisches Image-Problem, wie Edgar Macke, Teamleiter der Berufsberatung in der Arbeitsagentur Schwerin, vermutet. Und in jeder Branche gibt es auch diejenigen, die ihren Beruf lieben und aus Überzeugung ausüben. Der Schweriner Frank-Peter Krömer ist einer von ihnen. Er ist Koch.

Besonders im Bereich Westmecklenburg gehört dieser Berufszweig neben Fachkräften für Schutz und Sicherheit, Restaurantfachleuten und Anlagenmechanikern zu den unbeliebtesten Ausbildungsberufen. Im vergangenen Jahr blieben zum Lehrbeginn allein im Bereich des Hotel- und Gastgewerbes von 529 Ausbildungsstellen 82 unbesetzt. Gründe dafür sieht Edgar Macke von der Arbeitsagentur in einer „Vielzahl von Problemen“ der Branche. „Die verhältnismäßig schlechte Bezahlung sowie die langen Arbeitszeiten auch am Wochenende sind sicher nicht das, was sich junge Leute für die Zukunft wünschen“, sagt er.

Stellen bleiben auch deshalb unbesetzt, weil es längst nicht mehr ausreichend Bewerber gäbe. „Früher bewarben sich auf eine Stelle zwei Jugendliche, mittlerweile könnten sie aus zwei Stellen wählen. Die Angebots- und Nachfrageverteilung hat sich umgekehrt“, erklärt Macke.


Den ganzen Tag unter Druck?


Der gelernte Restaurantfachmann Frank-Peter Krömer indes leitet den Weinhandel und die Kochschule „Krömer“ in Schwerin aus Leidenschaft. Im September feierte er bereits sein 30-jähriges Berufs-Jubiläum. Und im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat der 46-Jährige nicht tagtäglich mit anhaltendem Zeitdruck und Terminstress zu kämpfen. Denn einen klassischen Gastronomiebetrieb leitet er nicht mehr. „Unser Prinzip ist es, den Menschen wieder das Genießen beizubringen“, sagt er. Darum lautet auch sein Leitspruch mit Liebe, Lust und Leidenschaft zu kochen. Dafür bleibe im üblichen Gastronomiebetrieb einfach keine Zeit, weiß er. „Oft ist es so, dass alles schnell schnell fertig werden muss. Denn wenn der Gast sitzt, sitzt er nun einmal.“


Zurück zum eigentlichen Handwerk


Seiner Auffassung nach werde der Beruf des Koches nicht mehr geschätzt, kritisiert Krömer. Es würden lieber tausende Euros für Küchengeräte ausgegeben, um vermeintlich einfacher zu kochen, statt das eigentliche Kocherlebnis und Handwerk in der heimischen Küche zu zelebrieren. Dadurch verliere der Gast die Achtung vor der Arbeit des Kochs. Und in einer geschlossenen Restaurantküche könne er diese Arbeit erst recht nicht nachempfinden.

Stattdessen kämen immer wieder Vorwürfe auf, das Essen sei eine „zusammengehauene Fertigmischung“ aus der Dose – auch in Restaurants. „Dabei ist das nicht der Fall“, meint Krömer.

Es sei noch ein langer Weg, um die Menschen wieder für das Kochen an sich zu begeistern. „Wenn wir das schaffen könnten, würde der Koch zum allwissenden Helden werden und der Beruf so beliebt wie nie“, vermutet der 46-Jährige.

Der Beruf des Kochs „ist so beliebt, wie das, was jeder Einzelne daraus macht“ ist der Schweriner überzeugt. Abschreckend für junge Leute sei aber sicher die Tatsache, dass der Beruf „immer etwas damit zu tun hat, zu arbeiten, während andere essen oder frei haben.“ So sind in Frank-Peter Krömers Kochschule die zahlreichen Freitage und Sonnabende im Jahr oft schon früh mit Terminen belegt.


Nie wieder anonyme Restaurantküchen


Trotzdem genießt Krömer vor allem das Miteinander mit seinen Kunden. „Die Gäste persönlich kennenzulernen und durch verschiedene Stationen ihres Lebens zu begleiten – wie bei einer Familie mit Konfirmation, Hochzeit und Trauerfeier – ist doch viel schöner als die Anonymität einer Restaurantküche.“

Doch Koch in einem eigenen Restaurant zu sein heißt auch, sich durchzubeißen. So hat Krömer in Schwerin bereits Fehlschläge einstecken müssen – zwei seiner Restaurantbetriebe musste er wieder einstellen – bevor er seine Berufung im Weinhandel und der Kochschule gefunden hat. „Ich habe den Fehler gemacht, mich zu Gerichten ,zwingen‘ zu lassen, statt das zu kochen, was ich liebe“, resümiert er heute. Sein derzeitiger Erfolg spricht für ihn. Zwar seien nur wenige seiner Lehrlinge in der Gastronomie geblieben, diese jedoch erfolgreich. „Einer ist Küchenchef im Niederländischen Hof, ein anderer Restaurantleiter für Tim Mälzer. Ein weiterer arbeitet nun wieder mit mir“, sagt er stolz.

Wie Frank-Peter Krömer kann jeder aus einem bloßen Job seinen Traumberuf machen. Entscheidend sollte die eigene Anerkennung des Berufes sein, nicht das Image nach außen. Denn solche Befindlichkeiten ändern sich manchmal schneller als gedacht.

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen