Berliner Weltklasse in Rostock

<strong>Mit dem Gasbrenner</strong> gestaltet Via Lewandowsky seine Werke noch vor Ort. Foto: NNN
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Mit dem Gasbrenner gestaltet Via Lewandowsky seine Werke noch vor Ort. Foto: NNN

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26. Juli 2012, 09:49 Uhr

Reutershagen | Von außen verrät der riesige Kasten nicht, welches Wunder sich in ihm verbirgt. Metallene Gerüstbaustangen scheinen das verspiegelte Material in Form zu halten, zu stabilisieren. Doch wer ins Innere schaut, dem eröffnet sich der Blick auf etwas ungeheuer Zartes, der glaubt, ins Herz eines Juwels zu sehen. "Your Star House" hat der Künstler Olafur Eliasson seine Installation genannt und lädt den Betrachter direkt ein, einzutreten in diesen Versuchsraum. Wer der Aufforderung nachkommt, erlebt eine zauberhafte Illusion. Denn dann wird er sich in unzähligen Spiegelungen erblicken. Zu weit sollte der Besucher nicht auf den Stern zugehen, der am Ende des spitz zulaufenden Gehäuses erscheint. "Da kann einem leicht schwindlig werden", sagt Stephan Koal.

Wer im Sternen-Haus angelangt ist, befindet sich schon mittendrin in der Ausstellung "Portfolio Berlin 02". Koal hat die Schau in der Kunsthalle kuratiert, die am Sonnabend eröffnet wird. Er war es auch, der Ende 2010 die erste der als Serie gedachten Portfolio-Ausstellungen am Schwanenteich gestaltete. Damals war das Thema Malerei. Und in gewisser Weise knüpft Koal nun mit den Skulpturen und Installationen von sieben Künstlern nahtlos an die erste Ausstellung an. Denn das Werk, das den Besucher auf seinem Rundgang empfängt, schafft gewissermaßen den Übergang von der Malerei zur Installation. Via Lewandowsky bemalt eine Leinwand. Doch statt sie gewohnheitsgemäß mit der Bildfläche zum Betrachter aufzuhängen, wird die noch feuchte Farbe an die weiße Ausstellungswand gedrückt.

Lewandowsky macht das Material zur Kunst. So auch die Sockel, auf denen normalerweise Skulpturen platziert werden. Der in Berlin lebende Künstler bearbeitet sie mit Feuer, arrangiert sie im Raum, Lichteffekte kommen hinzu. "So wird das, was eigentlich nur eine Stützfunktion hat, zu einer künstlerischen Arbeit", erklärt Lewandowsky. Noch gestern hat er an der Installation gearbeitet, die dann ab Sonnabend in der Ausstellung zu sehen sein wird und den Titel "Modell Rostock" trägt. Dargestellt werden laut Lewandowsky unterschiedliche Ebenen des Verfalls - kritisch, aber auch mit optimistischem Deutungsansatz. Denn schließlich könne das Zerstörte die Basis für Neues sein, so der Künstler.

Neben Olafur Eliasson und Via Lewandowsky sind Werke von Monica Bonvicini, Björn Dahlem, Alicja Kwade, Michael Sailstorfer und Bettina Pousttchi in der Ausstellung zu sehen. Sie alle sind Stars der zeitgenössischen Kunst, wie Kurator Koal berichtet: "Unter den weltweit größten Museen gibt es keins, das nicht wenigstens einen der Künstler bereits gezeigt hat." Bonvicini beispielsweise hat mehrfach auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Eliasson eröffnet am Sonnabend zeitgleich zur Rostocker Vernissage eine Ausstellung in der Tate Modern in London.


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