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Bildungssystem in MV : Bereitet Schule auf das Leben vor?

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erstellt am 28.Jan.2015 | 21:57 Uhr

Das deutsche Schulsystem krankt. Das zumindest ist die Meinung vieler Bundesbürger. In einer Umfrage  sprechen sie der Schule und den Lehrern die Fähigkeit ab, ihre Schüler ausreichend auf das Leben vorzubereiten. Auch die letzte  Pisa-Studie aus dem Frühjahr 2014 hat ergeben, dass 15 Jahre alte Schüler in Deutschland mit Problemen im Alltag oft überfordert sind: beim Kauf von Fahrkarten, der Bedienung von Elektrogeräten oder der Orientierung mit dem Stadtplan.  Bereitet die Schule auf das Leben vor? Das  fragen wir Bildungsminister Mathias Brodkorb und die Vorsitzende des Landeselternrats Claudia Metz.

Ja - Wichtig ist gute  Allgemeinbildung

„non vitae sed scholae discimus“ - schrieb vor knapp 2000 Jahren der römische Philosoph Seneca. In Deutschland wird dieser berühmte Satz aber traditionell falsch herum übersetzt. In Wahrheit heißt er nämlich: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Die Kritik an einer zu wenig alltagstauglichen Schule ist also keinesfalls neu.

Dahinter verbirgt sich ein Grundsatzstreit: Soll sich die Schule vor allem mit Alltagsfragen beschäftigen und so die Kinder und Jugendlichen am besten „auf das Leben“ vorbereiten oder ist umgekehrt die Vermittlung einer fundierten Allgemeinbildung die beste Voraussetzung für das „lebenslange Lernen“? Richtig ist, dass die Welt sich rasant verändert.

Aber gerade deshalb ist eine fundierte Allgemeinbildung so wichtig. Sie ist ein Wissensschatz, auf den man sein Leben lang zurückgreifen kann. Besonders wirkungsvoll ist Schule dann, wenn die Allgemeinbildung anhand alltagstauglicher Fragestellungen vermittelt wird. Würde die Schule aber jeder Alltagsmode hinterherhecheln, würde das vermittelte Alltagswissen zeitnah wieder veralten und deshalb wertlos sein.

Und übrigens: Wer sich  für Themen interessiert, die gerade nicht auf dem Lehrplan stehen, hat in heutiger Zeit ungeahnte Möglichkeiten.  Zum Beispiel eine Suchmaschine im Internet aufrufen,   und sich bei einem der zahlreichen Informationsangebote selbst schlau machen. Die dafür nötige Allgemeinbildung und die entsprechenden Kompetenzen haben die Schüler  in der Schule  gelernt. Aber für das Leben zu lernen und nicht nur für die Schule, können Lehrkräfte den  Schülern nicht abnehmen. Das müssen sie am Ende schon selbst tun. Bildung ohne Anstrengung gibt es nicht.

Nein - Mehr Sport und schöne Künste

Als Mutter von vier Kindern  erlebe ich viel in Sachen Schule. Eins hat sich mir aber in jedem Fall eingeprägt: Kinder lernen längst nicht alles, was Schule  sollte. Die Leuchtturmschulen, die mit gutem Beispiel vorangehen, gibt es, aber im Interesse unserer Kinder müssen es mehr werden.

Die schönen Künste und auch Sport sollten meines Erachtens viel mehr Wochenstunden bekommen, um die Kreativität unserer Kinder zu fördern. Sport hält bekanntlich nicht nur den Körper fit. Die Freude daran wird allerdings allzu oft von der Bewertung getrübt.

Wichtig ist aber auch, dass unseren Kindern u. a.  erste Grundlagen des Wirtschaftens erklärt oder steuertechnische Zusammenhänge vermittelt werden. Nicht alle Elternhäuser können/wollen ihre Erziehungsaufgaben wahrnehmen, dann brauchen hier die Kinder besondere Unterstützung. Also lassen Sie uns alle versuchen gemeinsam unsere Kinder auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.

Besuchen Sie die Schulen, wo das schon prima gelingt und wichtig ist, dass wir täglich versuchen mit gutem Beispiel voranzugehen, d.h. Haushaltsführung können wir vorleben.  Füttern wir unsere Kinder nicht weiter nur mit Fakten, sondern mit geistiger Nahrung, die unsere Kinder auch wachsen lässt und zum Denken anregt. Und es ist sicher nicht immer einfach, wenn unsere Kinder eine eigene Meinung haben, aber konstruktive Streitgespräche zeigen doch, dass wir sie ernst nehmen.

Dann ist es irgendwann auch mit dem Bulimie lernen vorbei und das Interpretieren von Gedichten in vier Sprachen ist nicht Last sondern Lust. Unsere Kinder sind auch dann vorbereitet, wenn sie vor allem wissen, wo und wie sie Hilfe in bestimmten schwierigen Lebenslagen finden können.

 

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