Landesparteitag der Linken : Bereit zum Aufbruch, Genossen?

Landesparteichefin Heidrun Bluhm wird nicht noch einmal kandidieren.
Landesparteichefin Heidrun Bluhm wird nicht noch einmal kandidieren.

Sinkende Mitgliederzahlen und schlechte Wahlergebnisse: Die Linke steckt im Tal. Am Sonnabend soll der Neustart eingeläutet werden.

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17. November 2017, 20:45 Uhr

Der Aderlass bei den Linken in Mecklenburg-Vorpommern ist beträchtlich: Die Mitgliederzahl ist innerhalb von zehn Jahren von mehr als 6000 auf nunmehr 3750 gesunken. Auch auf der landespolitischen Bühne mussten die Genossen herbe Rückschläge einstecken. Nur noch 13,2 Prozent der Stimmen erhielt die Linke bei der Landtagswahl 2016 und damit weniger als im Herbst 1990, als das SED-Erbe noch schwer auf der Partei lastete. Den Rang als größte Oppositionsfraktion im Landtag verlor sie an die AfD. Eine weitere Schlappe kassierten die Sozialisten bei der Oberbürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt, wo sich Amtsinhaberin Angelika Gramkow dem SPD-Kandidaten geschlagen geben musste. Es ist Zeit für einen Umbruch.

„Die Partei braucht einen neuen Aufbruch und ein geschärftes Profil. Wir müssen zeigen, dass wir in Opposition stehen zu den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen, wieder Protestpartei werden“, sagt Torsten Koplin. Der langjährige Linken-Landtagsabgeordnete will seine Partei in MV aus dem Tal führen. Der Sozial- und Gesundheitsexperte ist einer von bislang drei Bewerbern, die heute auf dem Landesparteitag in Neubrandenburg für die neu geschaffene Doppelspitze kandidieren.

Und mit dem von Koplin angekündigten Aufbruch meint es die Linke offensichtlich ernst – sie will in Neubrandenburg ihre komplette Parteispitze austauschen. Landesparteichefin Heidrun Bluhm wird sich nach fünf Jahren im Amt nicht erneut zur Wahl stellen. Die 59-Jährige Bundestagsabgeordnete aus Schwerin hatte sich nach dem überraschenden Rücktritt des Linken-Hoffnungsträgers Steffen Bockhahn 2012 in die Pflicht nehmen lassen und zunächst viel Kraft in die Befriedung offener Flügelkämpfe investieren müssen. Auch ihre drei Stellvertreter verzichten nach Angaben eines Parteisprechers auf eine neuerliche Kandidatur und wollen zum Teil nur noch im erweiterten Landesvorstand der Partei mitwirken.

Neben Koplin wollen auch die Politikwissenschaftlerin Wenke Brüdgam (32) und der frühere FDP-Politiker Horst Krumpen (51) aus Wismar für den Landesvorsitz kandidieren. Beide sind bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Für Schlagzeilen sorgte Krumpen dagegen jüngst außerhalb des politischen Parketts mit einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Fahrer eines Reisebusses.

„Mitmachen und Verändern“ lautet das Motto in Neubrandenburg. Dass sich in der Partei ein gravierender Wechsel vollzieht, wird auch daran deutlich, dass mit den langjährigen Parteichefs Peter Ritter und Helmut Holter zwei Führungsfiguren der vergangenen Jahre nicht zum Parteitag erwartet werden.

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