Flüchtlinge in MV : Bereit für stürmische Zeiten

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Nach Schweden-Grenzkontrollen rechnet MV mit mehr Flüchtlingen / Rostock: Kapazitäten ausreichend

svz.de von
12. November 2015, 21:00 Uhr

Es ist fast frühlingshaft warm in Rostock, aber ein kräftiger Wind kriecht einem in die Kleider. Das eigene Empfinden entscheidet: Angenehmer Herbsttag oder windiger Vorbote für ungemütliche Zeiten. Das Wetter in Rostock ist somit ein Gleichnis der neuerlichen Wendung der Flüchtlingspolitik in Europa.

Gestern Mittag hat Schweden Grenzkontrollen eingeführt. Stichprobenartig will das Land Pässe überprüfen, wenn Flüchtlinge über Deutschland und Dänemark ins Land einzureisen versuchen, vorerst für die nächsten zehn Tage. „Wir müssen wissen, wer nach Schweden kommt“, sagte Regierungschef Stefan Lövfen.

Für Rostock könnte sich das Vorgehen zu einem Bumerang entwickeln. Die Hansestadt ist seit September eines der wichtigsten Drehkreuze für Flüchtlinge in Deutschland. In den letzten zwei Monaten gelangten rund 32 000 Menschen über den Rostocker Überseehafen in Richtung Skandinavien. Kommt es zu einem Rückstau in Rostock, weil Schweden Flüchtlinge ohne gültige Reisedokumente nicht einreisen lässt – und sie gezwungen sind, zurückzukehren? „Das wird uns nicht umhauen“, erzählt ein Mitarbeiter von „Rostock hilft“. Seit zwei Monaten greift die Initiative den Flüchtlingen unter die Arme. Die Helfer sammeln Spenden, übersetzen, kochen; sind Tag und Nacht auf den Beinen – an allen neuralgischen Punkten der Stadt. „Wir haben so ein gutes Netz aufgebaut“, sagt er, „dass wir gut vorbereitet sein sollten.“

Was aber letztlich auf die Stadt zukommt, wisse auch er nicht. Zu undurchsichtig scheint die neue Situation. Erste Stichproben in den Notunterkünften ergaben, dass in Rostock viele Flüchtlinge ohne Papiere untergekommen sind. Die beiden Fährunternehmen Scandlines und TT-Line haben bereits reagiert: Kauft ein Flüchtling am Übersehhafen in Rostock ein Ticket, muss er zunächst seinen Pass vorzeigen. Eine Vorabversicherung für alle Beteiligten. Ohne gültige Dokumente hingegen gibt es keine Fahrkarte mehr.

Verkommt die Hansestadt so ungewollt zur unübersichtlichen Transitzone? Gestern Morgen erwischte es etwa 50 Flüchtlinge. Sie wollten nach Trelleborg, hatten aber laut Stadtsprecher Ulrich Kunze nicht die nötigen Reisedokumente. Entsetzt und verunsichert, berichtet ein Beobachter, ging es für sie in die Gemeinschaftsunterkunft in die Industriestraße. Dort sei die Situation laut Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) bislang aber entspannt. In Rostock können momentan 2500 Menschen untergebracht werden. „Gerade sind 1000 Plätze belegt“, sagt er. Es gehe in erster Linie darum, so Methling weiter, die Menschen mit Schlafplätzen und Essen zu versorgen. „Rostock hilft“ rief gestern Bürger der Stadt dazu auf, sich zu engagieren und zu helfen. Der mögliche Mehrwaufwand in den Unterkünften könne nur aufgefangen werden, wenn es zusätzliche Hilfe gibt.

Für Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wahrscheinlich: Flüchtlinge ohne Erlaubnis für eine Einreise nach Schweden bleiben längerfristig in Mecklenburg-Vorpommern. Man müsse damit rechnen, dass sie im Land Asylanträge stellen. Die Flüchtlinge werden nach üblichem Verfahren in den Landesunterkünften untergebracht. „Kapazitäten“, sagt Caffier, „sind dafür vorhanden.“ Und falls es zu stürmisch wird: Caffier hat der Stadt weitere Unterstützung zugesichert.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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