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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 02:08 Uhr

Wohlfahrt MV : Berater in Finanznot

vom
Aus der Onlineredaktion

Wohlfahrtsverbände kritisieren Haushaltsentwurf. Landeszuschüsse seit 2013 unverändert

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 20:30 Uhr

50 Stunden in der Woche arbeiten, für 20 bezahlt werden – für Lars Collin war das ganz normal. Bis Anfang 2017 leitete er die Koordinierungsstelle für die sieben pro-familia-Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern. Das Land übernahm 90 Prozent der Sach- und Personalkosten – auch für seine 20-Stunden-Stelle. Dass tatsächlich ein viel größerer Aufwand betrieben werden musste, um den Beratungsstellenbetrieb aufrecht zu erhalten, interessierte niemanden. Zu Beginn dieses Jahres stellte das Land die Förderung der Koordinierungsstelle ein. „Es hieß, die Beratungsstellen müssten sich eben selbst verwalten“, erzählte Collin, der auch Landesgeschäftsführer von pro familia ist, am Freitag in Schwerin. „Doch das würde nicht funktionieren.“ Pro familia müsse deshalb jetzt jährlich einen fünfstelligen Betrag an Eigenmitteln „erwirtschaften“, um den Betrieb von mittlerweile acht Beratungsstellen und ihre Verwaltung zu gewährleisten – als gemeinnütziger Verein, der gar nicht gewinnorientiert arbeiten darf…

Mit dem Problem, einen immer größeren finanziellen Eigenanteil aufbringen zu müssen, sehen sich alle Träger von Hilfs- und Beratungsangeboten der freien Wohlfahrtspflege konfrontiert. „Das Land lässt die gemeinnützigen Träger mit steigenden Personal- und Sachkosten allein“, kritisierte der Vorsitzende des Paritätischen Mecklenburg-Vorpommern, Friedrich Wilhelm Bluschke. Bereits seit 2013 seien die Beträge, mit denen das Land die Beratungsangebote fördert, bei insgesamt rund 2,8 Millionen Euro eingefroren, und auch im Entwurf des Doppelhaushaltes für 2018 und 2019 stünden unveränderte Beträge. „Dabei haben wir uns redlich um eine Aufstockung der Grundförderung und eine Dynamisierung bemüht“, betonte Bluschke.

Der stellvertretende Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Bernhard Seidl, bezifferte den Mehrbedarf auf weniger als eine halbe Million Euro – 400 000 Euro, um den Rückstand seit 2013 einmalig aufholen zu können, und etwa 84 000 Euro pro Jahr für eine angemessene dreiprozentige Dynamisierung der Landesmittel. Wünschenswert wäre außerdem, wenn Landeszuschüsse nicht wie bisher jährlich, sondern zumindest nur alle zwei Jahre beantragt werden müssten – das decke sich ja auch mit dem Geltungszeitraum des Doppelhaushalts.

Das Land, so Bluschke, habe eine Dynamisierung der Zuschüsse von der Bereitschaft zur Neuorganisation der Beratungslandschaft abhängig gemacht. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald laufe dazu gerade ein Modellprojekt an – doch das habe eine zweijährige Vorlaufzeit gehabt, die man auch anderen Regionen zubilligen müsste.

Und: „In der Modellregion profitiert nur ein zentraler Träger von der zugesagten Mittel-Dynamisierung“, weiß Lars Collin – er hatte beim Kreis Geld für die Beratungsstelle in Wolgast beantragt. „Nur was übrig bleibt, wird an andere vergeben. Für uns war nichts übrig.“

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