Schlösser in MV verfallen : „Benötigen jetzt den großen Wurf“

Den Erben fehlt das Geld für die Sanierung von Schloss Ludwigsburg.
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Den Erben fehlt das Geld für die Sanierung von Schloss Ludwigsburg.

In Vorpommern verfallen Schlösser. Politiker und Denkmalpfleger setzen deshalb aufs Land

svz.de von
07. April 2017, 11:45 Uhr

Herzog Ernst Ludwig von Pommern war nicht knausrig, als er im Jahr 1586 seiner Gemahlin Sophie Hedwig ein Stück Land und 1000 Gulden zur Hochzeit schenkte. Die Herzogin ließ auf dem Anwesen am Greifswalder Bodden ein stattliches Schloss errichten und nannte es zu Ehren ihres Mannes Ludwigsburg. Die Residenz – einst eines von mehreren Herrschaftssitzen – ist heute das einzige vollständig erhaltene Schloss des Hauses von Pommern-Wolgast.

Doch das Renaissanceschloss ist in einem jämmerlichen Zustand. Putz rieselt von den Wänden, im Erdgeschoss ist es nass, Fußböden und Mauerwerk sind zerstört. Seit 20 Jahren bemüht sich ein Förderverein mit den Schlosserben um den Erhalt. Ein neues Dach schütze die Immobilie vor weiteren Wasserschäden, auch der Schwamm sei aus den beiden Obergeschossen verbannt, berichtet die Vereinsvorsitzende Christel Schmidt. Es sind kleine mühsame Schritte, zumal den Erben das Geld für die Sanierung fehlt.

Das restaurierte Barockschloss Bothmer gilt vielen als Präzedenzfall.
Foto: Jens Büttner
Das restaurierte Barockschloss Bothmer gilt vielen als Präzedenzfall.
 

Auf ein Bekenntnis des Landes, verbunden mit einem reichen Geldsegen wie er den mecklenburgischen Schlössern zuteil wurde, wartet Vorpommern bislang vergebens. „Wir benötigen jetzt den großen Wurf“, sagt Schmidt. Rund 12 Millionen Euro kostet Schätzungen zufolge allein die Sanierung des Kernschlosses.

Bei der Sanierung von Schlössern hat Vorpommern Nachholbedarf. Offenbar ist jetzt aber das Land bereit, sich stärker um den Erhalt pommerscher Residenzen zu kümmern. Zumindest im Falle Ludwigsburg signalisiert das Finanzministerium Unterstützung. „Ich kann den Wunsch vieler Vorpommern, dass das Land sich neben der Granitz um ein weiteres Schloss in Vorpommern besonders kümmern möge, sehr gut nachvollziehen“, sagt Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD), der dem Schloss vor Kurzem eine Visite abstattete. Beim Besuch sei jedoch deutlich geworden, dass von Gemeinde, Eigentümer und Trägerverein noch viele Fragen zu klären seien.

Das Jagdschloss Granitz auf Rügen ist die einzige Schlossimmobilie aus Vorpommern, die als historische Anlage zu den landeseigenen Staatlichen Schlössern und Gärten gehört – hingegen stehen 16 Anlagen auf mecklenburgischer Seite.

Das hat historische Gründe, da das Land wie für Schwerin und Güstrow die Rechtsnachfolge übernahm oder sich 1990 – wie im Falle Ludwigslust und Granitz - zu überregional bedeutsamen Museen bekannte, erläutert der Abteilungsleiter für die Staatlichen Schlösser und Gärten, Stefan Wenzl. Nach Angaben des Ministeriums flossen bislang 280 Millionen Euro in die Schlösser, davon mit 12,5 Millionen ein Bruchteil in Schloss Granitz.

Kritik daran kommt seit Jahren aus Vorpommern, doch ein deutlicher Richtungsschwenk ist für die Denkmalschützer im Landesosten nicht erkennbar. „In der Verfassung ist festgeschrieben, dass Mecklenburg und Vorpommern zwei gleichberechtigte Landesteile sind. Sieht man sich jedoch das Schlösser-Verhältnis an, ist hier etwas verdammt falsch gelaufen“, sagt Gerd Albrecht, Vorstandsmitglied des Vereins Kulturgüter Wasserburg Divitz. „In Vorpommern lässt das Land das kulturelle Erbe sehenden Auges verfallen.“

Der Sanierungsbedarf von Schloss Ludwigsburg ist enorm hoch.
Der Sanierungsbedarf von Schloss Ludwigsburg ist enorm hoch.
 

Nicht nur das Schicksal von Ludwigsburg ist ungewiss, auch die Wasserburg Divitz zerfällt zusehends. Die Anlage bei Barth ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung und wurde 2015 in die Liste der 14 gefährdetsten europäischen Baudenkmäler aufgenommen. Ihr kommt nach Einschätzung des Kulturvereins ein ebenbürtiger Rang wie Ludwigsburg zu. Zu den Adelsimmobilien des Landes gehört auch das Schloss Bothmer im Klützer Winkel, das erst 2008 gekauft und für 36 Millionen Euro saniert wurde. Albrecht vom Verein Divitz sieht in dem Ankauf einen „Präzedenzfall für die vorpommerschen Schlösser“. Mit dem Kauf, den er für richtig halte, habe das Land seinen Pfad verlassen, nur Verantwortung für das Erbe zu übernehmen, das ihm mit der Wende zufiel. „Das Land steht deshalb in der Pflicht, das bestehende Verhältnis zumindest etwas in Richtung Vorpommern zu korrigieren“, fordert Albrecht.

Im Finanzministerium kann man der Argumentation nichts abgewinnen. Aus dem Kauf von Bothmer abzuleiten, dass nun das Land alle Schlösser übernehmen müsse, wäre kontraproduktiv, sagt Wenzl. Mecklenburger und Vorpommern sollten sich doch gemeinsam über die gelungene Sanierung und den florierenden Betrieb Bothmers freuen. Bothmer sei aufgrund der besonders hohen bau-, kunst- und landespolitischen Bedeutung übernommen worden.

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