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Fahrplanwechsel bei der Bahn : Benjamin bleibt auf der Strecke

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Um pünktlich in der Schule zu sein, muss der Schüler um 5.00 Uhr aufstehen. Fahrplanänderung der Bahn sorgt bei Pendlern für Ärger

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Eigentlich braucht Benjamin morgens nur 30 Minuten mit dem Zug zur Schule. Eigentlich fängt die Schule erst 7.50 Uhr an. Eigentlich wäre das kein Problem. Müsste Benjamin nicht trotzdem jeden Morgen schon um fünf Uhr aufstehen – dem irrsinnigen Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn sei Dank. „Die Änderungen der Abfahrzeiten des Regionalexpress’ sind nicht nur ein Fluch für die Pendler nach Hamburg. Es sind auch viele Schüler aus dem Umland, die in Schwerin zur Schule gehen, betroffen“, moniert Kerstin Leinhos, die Mutter von Benjamin.

Ja, morgens beim Frühstückstisch würde es schon einmal lange Gesichter geben. „Um die Uhrzeit steht kein 13-Jähriger gerne auf“, meint Leinhos. Dabei sei Benjamin frühes Aufstehen gewöhnt. Seitdem er das Musikgymnasium in Schwerin besucht, pendelt der Schüler jeden Tag mit dem Zug in die Hauptstadt. Bisher fuhr der um 6.17 Uhr in Brahlstorf bei Hagenow ab. Spätestens um sechs musste Benjamin das Haus verlassen, um rechtzeitig am Bahnsteig zu sein. Gegen sieben Uhr erreichte er dann die Schule. 50 Minuten zu früh.

Nun wurde die Abfahrtszeit des Zugs noch einmal 20 Minuten nach vorne gelegt. Mit dem Ergebnis: um rechtzeitig in der Schule zu sein, muss sich Benjamin zwei Stunden früher auf den Weg machen. „Diese Fahrplanänderung geht komplett an dem Bedarf der hiesigen Anwohner vorbei“, sagt Leinhos. Einfach einen Zug später zur Schule zu nehmen, käme für Benjamin auch nicht infrage. Dessen Fahrzeit wurde nämlich nicht vorverlegt. Das wäre laut Leinhos sogar von Vorteil gewesen. Ihr Sohn hätte länger schlafen können. Doch so „sind es knapp 15 Minuten, die er dann zu spät in der Schule wäre.“

Benjamin ist kein Einzelfall. Wie der Schüler sind derzeit viele Pendler in Mecklenburg-Vorpommern betroffen. So auch auf den Strecken der Regionalzüge zwischen Rehna und Parchim sowie Ludwigslust und Wismar (wir berichteten). Auf Antrag der Linken soll daher die Fahrplanänderung morgen in der Plenarsitzungen des Landtages noch einmal diskutiert werden.

„Die mit dem Fahrplanwechsel vorgesehenen Verschlechterungen beim Bahnangebot sind inakzeptabel für das Land und die Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind“, sagt der Linksfraktion-Chef, Helmut Holter. Die Änderungen auf den Regionalstrecken fallen vor allem zu Gunsten der ICE-Züge der Bahn aus. Brückenbauarbeiten im Zentrum von Hamburg vor allem aber Änderungen im Fernverkehr aus dem Süden zwingen die Regionalexpresszüge zu längeren Fahrzeiten.

Benjamin hat das Nachsehen. Auch auf dem Rückweg muss er warten. Hier wurden die Abfahrzeiten ebenfalls verlegt. Diesmal nach hinten. Insgesamt ist Benjamin somit an einem normalen Schultag elf Stunden unterwegs. Mehr, als die meisten Erwachsenen. Dreimal die Woche hat er außerdem Orchesterprobe. An diesen Tagen kommt der 13-Jährige erst um 21 Uhr nach Hause. Die Hausaufgaben sind dann noch nicht erledigt.

Extra: Preise trotz längerer Fahrzeit gestiegen

Bahnkunden müssen seit dem Fahrplanwechsel am Wochenende trotz teils längerer Fahrzeiten tiefer in die Tasche greifen. Die Preise im Nahverkehr sind um durchschnittlich zwei Prozent angehoben worden. Nach Angaben eines Bahnsprechers in Berlin kostet die Fahrt von Schwerin nach Hamburg jetzt 26 Euro und damit 50 Cent mehr als bisher.

Gleichzeitig dauert die Fahrt in der Regel 15 Minuten länger als vor dem Fahrplanwechsel. Eine Fahrt zwischen Rostock und Schwerin verteuerte sich von 17,90 Euro auf 18,30 Euro, zwischen Ludwigslust und Schwerin von 8,10 Euro auf 8,30 Euro. Dabei ist auf dieser Strecke seit dem Wochenende der nahtlose Umstieg in Schwerin oft nicht mehr möglich – Fahrgäste müssen 40 bis 50 Minuten auf den Anschluss warten.

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