Bender sagt nach Querelen ab

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Wilhelm Bender dpa

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04. März 2013, 10:03 Uhr

Schönefeld | Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, will nach Querelen um seinen Vertrag doch nicht Chefberater am neuen Hauptstadtflughafen werden. Er sehe "keine ausreichende Gewähr dafür, dass seine Tätigkeit für den BER erfolgreich sein kann", teilte sein Büro in Frankfurt am Main gestern mit.

In der Erklärung ging der 68-Jährige hart ins Gericht mit den Flughafen-Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und Bund: Vertraulichkeit sei mehrmals gebrochen worden, Verabredungen nicht eingehalten worden. Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) räumte ein, im Umgang mit der Personalie nicht alles richtig gemacht zu haben. "Ein Mitglied des Aufsichtsrats hat sich nicht entsprechend informiert gefühlt", sagte Bomba (CDU) gestern in Schönefeld nach Sitzungen von zwei Aufsichtsrats-Ausschüssen. "Da greife ich mir auch an meine eigenen Nase."

Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte Benders Entscheidung bedauerlich. Auf die Frage, ob Berlin die Vorstellung des Ex-Fraport-Chefs in der vergangenen Woche blockiert habe, weil Brandenburg nun für mehr Nachtruhe am neuen Flughafen eintrete, antwortete Wowereit mit "Nein". Er sei auch davon ausgegangen, dass der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats dem Engagement Benders zustimmen würde.

Bomba sagte, erst fünf Minuten vor Beginn der Sitzung um 13 Uhr habe der Manager abgesagt. Er habe mit Bender einen sehr guten Vertrag ausgehandelt, der frühere Frankfurter Flughafenchef sei ihm weit entgegenkommen. Wenn jedoch in der Öffentlichkeit bekanntwerde, dass ein Mann mit Benders Erfahrung zu Konditionen eines Junior-Beraters einsteige, sei klar, dass eine Absage folge.

Die Vorstellung Benders in der vergangenen Woche war kurzfristig abgesagt worden, weil Berlin noch im Aufsichtsrat über Benders Vertrag reden wollte. Bender war in den vergangenen Wochen als Hoffnungsträger für das einstige Vorzeigeprojekt gehandelt worden.

Geschäftsführer der Flughafengesellschaft wollte er zwar nicht werden, wohl aber als Berater zwei Tage pro Woche dem Technikchef Horst Amann zur Seite stehen.

In den vergangenen Tagen war unter den Gesellschaftern aber Streit über das Honorar ausgebrochen, Benders Vorstellung wurde kurzfristig abgesagt. Es sickerte durch, dass Bender einen Tagessatz von rund 4000 Euro inklusive Spesen und Reisekosten ausgehandelt hatte. "Ich muss diese Entscheidung akzeptieren", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zu dem Rückzug. "Der Schritt ist angesichts der medialen Debatte der letzten Tage nachvollziehbar", sagte Platzeck. "Ich bedaure die Absage von Herrn Bender, nehme sie aber mit Respekt zur Kenntnis." Bender hob in seiner Erklärung zwar sein gutes Verhältnis zu Platzeck hervor. Dieser muss als Aufsichtsratschef aber nun weiter nach einem Koordinator für die äußerst schwierige Aufgabe finden, den neuen Flughafen in Betrieb zu nehmen. Der Aufsichtsrat hatte Flughafenchef Rainer Schwarz im Januar entlassen, nachdem die Eröffnung des Flughafens zum vierten Mal abgesagt werden musste.

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