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Wirtschaft : Beim Hering droht Fangkürzung um 54 Prozent

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Den deutschen Fischern droht nach dem Vorschlag der EU-Kommission für ein Aalfangverbot in der Ostsee ein weiterer Schlag.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Nach Angaben aus dem Europaparlament hat die Kommission für nächstes Jahr eine Kürzung der Fangmenge für Hering in der westlichen Ostsee um 54 Prozent im Vergleich zu 2017 vorgeschlagen.

Der Europaabgeordnete Werner Kuhn (CDU) äußerte am Donnerstag in Brüssel Unverständnis über die Vorschläge der Kommission. Sie gingen beim Hering über die Empfehlungen der Wissenschaft hinaus, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Diese hatte eine Fangmengenkürzung um 38 Prozent vorgeschlagen.“ Beim Dorsch hätten die Wissenschaftler ein Fangplus von acht Prozent für vertretbar gehalten, die EU-Kommission wolle die Quote aber auf dem stark gekürzten jetzigen Niveau halten. Über den Aal sei mit der Wissenschaft noch gar nicht diskutiert worden, da eine Auswertung der seit mehreren Jahren laufenden Besatzprogramme noch nicht erfolgt sei, sagte Kuhn. Die zuständigen EU-Minister werden voraussichtlich am 9. und 10. Oktober über die Vorschläge der Kommission entscheiden.

Mit Blick auf den Aal, dessen Bestände als bedroht gelten, sprach Kuhn sich für eine Bestandsregulierung des Kormorans aus. Die Vögel fräßen mit Vorliebe Aal und ihr Bestand habe sich in den vergangenen 15 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern fast verzehnfacht. „Der Fraßdruck hat enorm zugenommen“, sagte er. Derzeit gebe es im Nordosten etwa 20.000 Brutpaare - 2.000 würden laut Kuhn ausreichen. Er forderte einen europäischen Kormoran-Managementplan mit Abschussquoten.

Extra:  Aalfangverbot unangemessen

Unruhe im Aalfang: Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Aalfang-Verbot für die Ostsee löst im Europa-Parlament heftige Kritik aus. Der Vorschlag sei ohne  Absprache mit dem Parlament, den Fischereiexperten und den Mitgliedsländern erfolgt, kritisierte  CDU-Europaabgeordnete Werner Kuhn gestern das Vorgehen: „Das ist ein unfreundlicher Akt, eine Frechheit der Kommission sondersgleichen.“

Ein pauschales Fangverbot sei  nicht gerechtfertigt, sagte Kuhn. Erst 2008 sei ein Aal-Managementplan in Kraft getreten. Angesichts  der langen Entwicklungszeit des Aals bis zur  Laichfähigkeit seien daher aber bislang noch keinerlei fundierte Aussagen zur Bestandsentwicklung möglich gewesen. Auch lasse die Kommission den wachsenden Fraßdruck durch den Kormaran auf die Aalbestände unberücksichtigt, sagte Kuhn.  Mittlerweile hätten sich 20 000 Brutpaare im Nordosten niedergelassen – zehn Mal mehr als vor 15 Jahren. Kuhn sprach sich daher für eine Bestandsregulierung aus – 2000 Brutpaare würden reichen. Kuhn kritisierte ebenfalls die  Vorschläge der Kommission zu den Fangmengen von Hering und Dorsch. Sie würden deutlich höher ausfallen, als von der Wissenschaft empfohlen.  Ein derartiger Umgang der Kommission mit den Mitgliedsländern und dem Parlament schade in den ohnehin angespannten Zeiten in der EU und lasse die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter schwinden. Kuhn wolle angesichts der Vorgehen das Fangverbot im Fischereiausschuss zur Sprache bringen.

Die Kommission hatte im Vorfeld der im Herbst anstehenden Verhandlungen über neue Fischfangquoten vorgeschlagen, angesichts des historisch niedrigen Bestandes ab 2018 ein Aalfangverbot in der Ostsee sowohl für Berufs- als auch Freizeitfischer zu verhängen. Der Europäische Aal sei in einem „besorgniserregenden Zustand“, hatte EU-Fischereikommissar Karmenu Vella zu Wochenbeginn erklärt. Unbeabsichtigt gefangene Aale müssten wieder freigesetzt werden.

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