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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 21:55 Uhr

Beim Film zu Hause

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mai.2010 | 08:49 Uhr

Schwerin | Viele beschrieben dieses besondere Gefühl des Nach-Hause-Kommens. Jury-Präsident und Kameramann Michael Ballhaus sprach von "Homecomming". Regisseur Andreas Dresen erzählte am Sonnabend bei der Verleihung des Medienpreises der Stadt Schwerin an das Team des Filmkunstfestes MV von seiner Vorfreude, die sich Jahr für Jahr auf dem Weg zum Festival einstellt. Freude auf neue Filme, Gespräche mit dem Publikum und Kollegen. "Das Filmfest hat einen festen Platz in meinem Herzen."

Auch die Zuschauer, viele Wiederholungstäter, strömten wieder so zahlreich ins Festivalkino Capitol, dass viele Vorstellungen im Programmplan mit einem großen A versehen werden mussten - ausverkauft.

Wer geglaubt hatte, die älteren deutschen Filme in der Retrospektive oder die Filme der Hommage an Ehrenpreisträger Manfred Krug würden weniger gefragt sein als die Beiträge der jungen Filmemacher, sah sich getäuscht. "flüstern & schreien" (DDR 1988) von Dieter Schumann - ausverkauft. "Das deutsche Kettensägemasaker" (D 1990) von Christoph Schlingensief - ausverkauft. Und so weiter.

Mit gut 18 000 Zuschauern verbuchte auch das 20. Jubiläumsfilmkunstfest ähnliche Besucherzahlen wie in den Vorjahren.

Wie zeitlos gute Filme sein können, beschrieb der Schauspieler Hilmar Thate, der nach der Wiederaufführung des Films "Wege in die Nacht" von 1999 mit dem Publikum diskutierte. Auf große Weise sei dieser Film älter geworden und hätte in großen Teilen "übermorgen gedreht" werden können.

Schauen wir mal, welchen Filmen des Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmwettbewerbs ein ähnliches Schicksal vergönnt sein wird. Neben brillant erzählten Familien- und Liebesgeschichten oder der verstörenden Negativutopie einer Welt ohne den Tod in "Transfer" waren diesmal auch Filme zu sehen, die sich mit kulturellen und ethnischen Konflikten auseinandersetzen.

Der Dokumentarfilmwettbewerb war tatsächlich ein Spiegel unserer Zeit, bescherte dem Publikum aber auch die Begegnung mit kuriosen oder stigmatisierten Parallelwelten - von Omas als Sexarbeiterinnen bis zu der wunderbaren Martina in "Mein Mallorca", jener Mutter mit sieben Kindern in der ostdeutschen Provinz, die so zu leben weiß, dass das Feuer in der Tonne genauso zu wärmen vermag wie die Sonne Mallorcas.

Manfred Krug, seit acht Jahren in Schauspielerrente und auch nur noch selten als Sänger auf der Bühne, hatte gleich zwei umjubelten Auftritte: einmal gemeinsam mit Uschi Brüning in einem großartigen Jazzkonzert und als Preisträger des "Goldenen Ochsen", den er unter Standing Ovations gerührt entgegennahm. Sagte er jedenfalls.

Jacob Matschenz ("Bis aufs Blut"), der den Nachwuchsdarstellerpreis bekam, versprach, Schwerin auch in Hollywood nicht zu vergessen. Und die Geschwister Dietrich und Anna Brüggemann strahlten um die Wette, als ihr ungemein komischer Film "Renn, wenn du kannst" gleich mehrere Preise einheimste. Aus ihren Film wissen wir jetzt auch, dass man nicht mehr "richtig geil" sagt, wenn einem etwas gefallen hat wie das 20. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern. Heuzutage sagen junge Menschen "porno."

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