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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 01:56 Uhr

Kinderbetreuung : Bei SOS-Anrufen zur Stelle

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Tagespflege- und Randzeitenangebot für den Notfall: Landesweites Pilotprojekt entlastet Eltern und Tagesmütter

von
erstellt am 23.Sep.2014 | 07:50 Uhr

In der Heidestraße 25 von Parchim ist alles kuschelig hergerichtet für kleine Puppenmuttis und Baumeister: Es gibt einen Lernraum zum Basteln, Malen und Lesen, ein mit tollem Material ausgestattetes Spielzimmer, eine kleine Küche und natürlich ein ruhiges Zimmer für den Mittagsschlaf.

In der Altstadt von Parchim hat seit dem 1. Juli die „Tagesmutter-Feuerwehr“ ihre Adresse. Sie springt ein, wenn eine Tagesmutter plötzlich erkrankt ist, wegen eines unvorhergesehenen Ereignisses in der eigenen Familie ausfällt oder wenn die Tagespflegestelle beispielsweise über Nacht durch einen Rohrbruch unbenutzbar geworden ist. Das landesweite Pilotprojekt wendet sich aber auch an Eltern, die von einem Tag auf den anderen eine Schicht wechseln oder Überstunden schieben müssen, jedoch niemanden in der Nähe haben, der in der Kürze der Zeit die Betreuung übernehmen kann. Zusätzliche Hürden im Zeitmanagement berufstätiger Eltern tun sich auf, wenn die Sonderschicht auch noch in die so genannten Randzeiten vor Öffnung und nach Schließung der Kita fällt.

Auch darauf ist die Tagesmutter-Feuerwehr eingestellt: Sie rückt bei Bedarf schon ab 5 Uhr aus bzw. ist bis 20 Uhr im Einsatz.

Bis zu zehn Kinder können in solchen Situationen nun in der Heidestraße 25 von Andrea Ganske und Kirsten Niemann in Obhut genommen werden. Bei Bedarf übernehmen sie sogar den Hol- und Bring-Service oder sichern die Betreuung direkt in der jeweiligen Tagespflegeeinrichtung ab, um gerade den Jüngsten einen Wechsel aus der vertrauten Umgebung zu ersparen. Etwa drei Tage haben Eltern dann einen Puffer, um eine andere Betreuungsalternative finden zu können, falls die Tagesmutter ihres Kindes längerfristig ausfällt.

Die Notfallbetreuung sollte auch deshalb in der Regel auf maximal drei Tage begrenzt werden, damit sie ein wirklich flexibles Angebot bleibt, findet Andrea Ganske diesen Zeitrahmen angemessen. Sie selbst ist seit 2012 als Tagesmutter tätig und in Werle bei Grabow beheimatet. Die zurückliegenden Wochen haben Andrea Ganske und Kirsten Niemann genutzt, um sich und das Modellprojekt in der Region bekannt zu machen. Inzwischen haben sie Kontakt zu mehr als 80 Tagespflegestellen mit zirka 100 Tagesmüttern gehabt und viele positive Reaktionen erlebt. „Ich denke, dass es für viele Tagesmütter schon eine große Erleichterung ist, überhaupt zu wissen, dass es eine solche Notfall-Kinderbetreuung gibt und den Eltern in dieser Situation selbstverständlich keine finanzielle Doppelbelastung entsteht“, ist sich Kirsten Niemann aus Brunow sicher. Die vor ihr liegende Arbeit findet sie total spannend, weil sie sich – wenn das Projekt ins Rollen gekommen ist – im Prinzip tagtäglich auf neue, andere Kinder einlassen darf.

Auf den Weg gebracht haben das landesweit einmalige Projekt mit dem griffigen Namen TaRzaN (Tagespflege- und Randzeitenangebot für den Notfall) das Jugendamt des Landkreises Ludwigslust-Parchim, das Jobcenter und das Institut für Bildung und Forschung GmbH (BilSE). Bis zum 31. Juli 2015 fließt eine Förderung aus dem Europäischen Sozialfonds und vom Landesministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales. „Unser Anliegen ist es natürlich, nachhaltig Lösungen zu finden“, denkt Matthias Krüger, Projektmitarbeiter beim BilSE-Institut, schon über diesen Zeitraum hinaus.


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