Experten loben Engagement : Bei Organspenden ist MV im Osten Spitzenreiter

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10 000 Patienten hoffen bundesweit auf letzte Rettung

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04. Juni 2015, 21:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern ist bei der Organspende im Osten spitze. Umgerechnet auf eine Million Einwohner gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 25,4 Organspenden pro Jahr. Im Nachbarland Brandenburg sieht es dagegen düster aus: Dort melden die Krankenhäuser nur 9,4 Organspenden pro Million Einwohner pro Jahr. Das sagte der Geschäftsführende Arzt der Organspenderegion Nordost der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Detlef Bösebeck, im Gesundheitsausschuss des Landtages in Potsdam vor dem morgigen Tag der Organspende.

Rund 10    000 schwer erkrankte Patienten hoffen bundesweit als letzte Rettung auf ein Spenderorgan – doch das fehlt meist. 2011 gab es bundesweit noch 3917 Organspenden, bis 2014 sank die Zahl auf 2989. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden bundesweit 990 Organe gespendet, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 1044.

In Brandenburg wurden nach Angaben der Stiftung im Vorjahr 14 Organe gespendet. Was trennt die beiden strukturell so ähnlichen Länder MV und Brandenburg? „Es liegt nicht an der Bevölkerung“, sagt Bösebeck. „Wenn man in Brandenburg Angehörige am Totenbett fragt, liegt die Zustimmungsrate für eine Organentnahme bei 76 Prozent.“ In Mecklenburg-Vorpommern käme man auf denselben Wert, während der Durchschnitt für Ostdeutschland lediglich bei 60 Prozent liege. „Es liegt an den Krankenhäusern“, sagte Bösebeck. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es eine interessierte, enge und engagierte Zusammenarbeit der Mediziner mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation, die bundesweit für die Vermittlung von Spenderorganen zuständig ist. Außerdem erhalte das Thema Organspende aktive Unterstützung vom Schweriner Gesundheits- ministerium, von der Krankenhausgesellschaft, den Krankenkassen und der Ärztekammer.

In Brandenburg dagegen muss das alles noch aufgebaut werden. Doch während der Ausschusssitzung im Potsdamer Landesparlament wurde auch deutlich, dass die Reserven für Spenderorgane begrenzt sind. Denn es gebe einen immer schwerwiegenderen Konflikt zwischen Patientenverfügungen und Organspendeausweis. Wer in seiner Patientenverfügung lebenserhaltende Maßnahmen ausschließe, werde nie in diese Situation geraten – was die Zahl potenzieller Spender deutlich reduziere.

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