Überraschende Wende : Bei Kita-Ausbildung geht SPD auf Gewerkschaft zu

Jörg Heydorn
Jörg Heydorn

Berufsbezeichnung wird per Gesetz gleichgestellt. Neuer Anrechnungsschlüssel der Auszubildenden

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15. Juni 2017, 05:00 Uhr

Überraschende Wende im Streit um die neue Ausbildung für Erzieher in den Kitas des Landes: In einer internen Sitzung einigten sich Sozialpolitiker und die Minister der SPD darauf, die neue dreijährige Ausbildung der jetzigen vierjährigen Ausbildung im Gesetz gleichzustellen. Sie reagierten damit auf die anhaltende Kritik. Am Ende des neuen dualen Ausbildungsgangs soll nicht mehr die Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfte Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“ stehen, sondern „Staatlich anerkannte Erzieherin“ – wie bei der bisherigen Ausbildung, aber mit dem Zusatz „von 0 - 10“. Damit soll deutlich gemacht werden, dass nach Abschluss der Ausbildung Kinder bis zu zehn Jahren betreut werden dürfen, nicht wie bei der vierjährigen Ausbildung bis ins Jugendalter. Das sei eine deutliche Erhöhung der Attraktivität für den Beruf, hieß es hinterher von Teilnehmern.

Im Mittelpunkt der mehrstündigen Debatte am Dienstagabend, an der maßgeblich die designierte Ministerpräsidentin und ehemalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig beteiligt war, stand nach Teilnehmerangaben die heftige Kritik der Gewerkschaften und einiger Träger, dass Rot-Schwarz eine „Schmalspurausbildung zu geringeren Tarifen“ installiere.

Jörg Heydorn, Sprecher der SPD-Fraktion für Sozialpolitik: „Uns war wichtig, dass die Erzieherinnen in der neuen Ausbildung einen adäquaten Abschluss haben und auch so bezahlt werden.“ Heydorn macht aber auch deutlich, dass die Abstimmungen mit dem Koalitionspartner CDU dazu noch bevorstehen. Dazu soll es heute eine Runde geben.

Neu in der Novelle zum Kita-Gesetz ist auch die wissenschaftliche Begleitung des neuen Ausbildungsgangs, um im Laufe der drei Jahre Änderungen vornehmen zu können. Eine Anschluss-Qualifizierung zu Betreuung von älteren Kindern und Jugendlichen im Bereich der „Hilfen zur Erziehung“ soll ebenso einfließen wie eine veränderte Anrechnung auf den Betreuungsschlüssel in den Kitas je nach Berufsschuljahr, eine Grundforderung der Träger. Ob damit die Kuh vom Eis ist, wird sich im Gespräch mit Trägern und Gewerkschaften zeigen.

Nach der jetzigen Änderung sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) gestern: „Die neue Ausbildung ist der richtige Weg. Analog dem dualen System gibt es erstmals eine Ausbildungsvergütung und einen hohen Praxisanteil spezialisiert auf den frühkindlichen Bereich. Es war richtig, eine Anhörung mit den Gewerkschaften zu machen. Wir haben viele Ideen aufgegriffen.“

Die Kitas in MV kämpfen mit einem wachsenden Erziehermangel. Ab Herbst sollen zunächst 125 Bewerber ausgebildet werden.

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