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Modellprojekt : Bei der Pflege in Balance bleiben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Modellprojekt in Mecklenburg soll Möglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsförderung in Pflegeeinrichtungen ausloten

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 07:59 Uhr

Soll die Nachtschicht auch künftig an fünf Tagen nacheinander acht Stunden lang jeweils bis 6.30 Uhr arbeiten? Oder ist es besser, Zehn-Stunden-Schichten zu schieben, die erst um 8 Uhr morgens enden – dafür aber schon nach einem Block von vier Nächten frei zu haben? Im Vitanas Senioren Centrum am Schweriner Schlossgarten wird nach einer sechsmonatigen Testphasae in diesem Monat darüber abgestimmt, wie künftig die Dienste eingeteilt werden sollen. Alle 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich hier um 117 Bewohner kümmern, können anonym ihre Stimme für das eine oder andere Modell abgeben. „Danach wird dann eventuell die Arbeit neu organisiert“, sagt Centrumsleiterin Susanne Sickmann.

Das Nachdenken über eine veränderte Arbeitsorganisation ist nur ein Punkt von vielen, mit denen die Leiterin das Personal bei Stimmung – und im Haus halten will. Denn ihr Problem ist auch das vieler anderer Pflegeanbieter: „Beschäftigte bleiben durchschnittlich nur acht Jahre lang in der Branche“, weiß Sven Wolfgram, Landesbeauftragter im Verband der privaten Pflegeanbieter (bpa). Und : „In kaum einer Branche ist der Krankenstand vergleichbar hoch.“ Schichtarbeit, schwer planbare Freizeit, Überlastung – darüber klagen viele Pflegekräfte. „Kein Wunder, während hier im Land auf 100 Heimbewohner 31 Vollzeit-Pflegekräfte kommen, sind es beispielsweise in Bayern 41“, weiß Wolfgram. Dieser Personalschlüssel werde von den Pflegekassen und den Sozialhilfeträgern vorgegeben. Aktuell habe der bpa die entsprechende Vereinbarung gekündigt, um in Neuverhandlungen Verbesserungen für die Beschäftigten zu erreichen.

Parallel dazu haben der bpa und die Anker Sozialarbeit GmbH in Schwerin ein Modellprojekt zur betrieblichen Gesundheitsförderung speziell in Pflegeeinrichtungen vereinbart. Vier ambulante und fünf stationäre Pflegeteams aus Mecklenburg seien dafür ausgewählt worden, erläutert Projektleiterin Karin Nieber-gall-Sippel. „In einem ersten Schritt haben wir vor Ort mit allen Mitarbeitern ausführliche Gespräche geführt, in denen es darum ging, was sie ganz besonders belastet.“ Papallel dazu sollte jeder seinen eigenen Gesundheitszustand einschätzen. Die Ergebnisse sind mittlerweile ausgewertet worden, nun gehe es im Projekt „Bleib in Balance“ darum, zusammen mit den Einrichtungen Module zu entwickeln, mit denen die Belastungssituationen entschärft werden können.

Einerseits gehe es um arbeitsorganisatorische Probleme, so Niebergall-Sippel: den Umgang mit Zeitdruck, die richtige Kommunikation, Wertschätzung im Team… „Wenn Teamabsprachen nicht eingehalten werden, ist das ein Punkt, bei dem wir ansetzen können.“ Lösungen gebe es auch für die Dienstplanung, die langfristiger gestaltet werden kann – „dadurch wird zugleich garantiert, dass die Mitarbeiter Entspannungsphasen in der Freizeit besser planen können“, erklärt Projekt-Mitarbeiterin Ramona Hempel. „Denn nie richtig abschalten zu können, ständig mit dem Gefühl herumzulaufen, dass man mit seiner Arbeit nicht fertig wird, das macht psychisch krank.“

Häufig, so Niebergall-Sippel, werde auch angesprochen, dass es sehr schwer sei, Pausen in die Arbeitsabläufe zu intergrieren. Susanne Sickmann hat dafür einen unkonventionellen Lösungsansatz gefunden: „Ich biete seit anderthalb Jahren allen Mitarbeitern ein kostenloses Frühstück an, auch, um sie mal aus den Wohnbereichen wegzulocken. “ Regelmäßig würde ein Teil der Kollegen davon Gebrauch machen - „aber die anderen sagen konstant, das schaffen wir nicht“. Durch die Teilnahme am Modellprojekt hofft Sickmann zu erfahren, wie sie noch mehr Kollegen in die betriebliche Gesundheitsförderung einbeziehen kann, und welche Ideen andere Einrichtungen dazu haben. Im November, so Karin Niebergall-Sippel, sollen solche Praxisbeispiele auch auf einer landesweiten Fach-tagung vorgestellt werden.

 

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