Stralsund : Behördenstreit um Angelverbot auf dem Rügendamm

Ein Aluminiumholm  soll den Überkopfwurf und das Auswerfen langer Angeln verhindern.
Ein Aluminiumholm soll den Überkopfwurf und das Auswerfen langer Angeln verhindern.

Das Verkehrsministerium ließ eine Auswurfbegrenzung installieren, um den Heringsfang auf dem Rügendamm wieder zu ermöglichen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt pocht hingegen auf Einhaltung des Verbotes.

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21. März 2018, 20:15 Uhr

Eine Auswurfbegrenzung, die keinem nützt? Um das Angelverbot auf dem Rügendamm - eines der beliebtesten Heringsangelgebiete - ist ein Streit zwischen Behörden entbrannt. Das Verkehrsministerium hatte erst Mitte März eine 174 000 Euro teure Auswurfbegrenzung auf dem Rügendamm installieren lassen, um so den Weg für Petrijünger wieder frei zu machen. Das für den Schiffsverkehr zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Stralsund pocht hingegen weiter auf Einhaltung des Verbots.„Die Abwehr von Gefahren für die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt unter der Rügendammbrücke lässt hier keinen Ermessensspielraum“, sagte Amtsleiter Holger Brydda am Mittwoch. Das Verkehrsministerium betonte hingegen am selben Tag, Verstöße gegen das Angelverbot nicht sanktionieren zu wollen. „Uns fehlen dafür die personellen Kapazitäten“, sagte eine Sprecherin.

Rückblick: Für das Angeln auf dem Rügendamm galt in den vergangenen Jahren ein striktes Angelverbot. Der Strelasund unter dem Rügendamm ist wie andere Gewässer unter deutschen Brücken ein „Fischereisperrbezirk“. Nach der Wende hatte sich das Angeln von der Brücke jedoch eingebürgert. Es war mit Blick auf die Heringssaison und die Tausenden Angeltouristen, die jedes Jahr im Frühjahr auch aus Sachsen oder dem Berliner Raum anreisten, in bestimmten Bereichen der Brücke geduldet worden. Die Wasserschutzpolizei kontrollierte und sprach auch jenen, die ihre Ruten in die Fahrrinne hielten, Verwarngelder aus. Der Chef der Wasserschutzpolizei Stralsund, Fredi Ewert, spricht von hunderten Verstößen, die allein im vergangenen Jahr geahndet wurden.

Als sich bis April vergangenen Jahres auch Beschwerden von Autofahrern häuften und das Straßenbauamt in den ausgeworfenen Angeln eine zunehmende Gefahr für den Straßenverkehr sah, untersagte das Verkehrsministerium das Angeln, ließ zum Beginn der diesjährigen Saison jedoch eine 174 000 Euro teure Auswurfbegrenzung installieren.

Mit dem Metallholm in 2,10 Meter Höhe soll verhindert werden, dass Petrijünger beim Auswerfen der Angel zu weit ausholen und damit Verkehrsteilnehmer auf dem Rügendamm wie auch auf der parallel verlaufenden Rügenbrücke gefährden.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) gab sich nach der Abnahme der Einrichtung vor einer Woche zuversichtlich: „Wir werden beobachten, ob durch die Wurfbegrenzung die Gefährdung des Verkehrs auf den Straßen und dem darunter liegenden Gewässern - so wie von uns zurzeit angenommen - tatsächlich unterbunden wird“, sagte er.

Die Auswurfbegrenzung könnte sich nun aber als Fehlinvestition erweisen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat nun die Wasserschutzpolizei gebeten, Verstöße gegen das Angelverbot zu ahnden. Die Angelhaken gefährdeten Schiffsverkehr und Fahrgäste, sagte Amtschef Brydda. Zudem befürchtet das Amt, dass Angelschnüre in die Propeller und Abdichtungen von Berufsschiffen und Sportbooten geraten und diese beschädigen, so dass die Schiffe manövrierunfähig werden. „Wir waren schon verwundert, dass das Verkehrsministerium die Abwurfbegrenzung installieren ließ“, sagte ein WSA-Sprecher. Die Bedenken der Schifffahrtsbehörde seien ignoriert worden.

Noch ist der Strelasund gefroren und das Heringsangeln von der Brücke deshalb nicht möglich. Sobald das Eis geschmolzen ist und die ersten Angler auftauchen, wird die Wasserschutzpolizei gegen das Heringsangeln vorgehen. „Wir werden mit Sicherheit die Bitte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes umsetzen“, sagte der Leiter der Stralsunder Wasserschutzpolizei, Ewert. Im Übrigen, ergänzte Ewert, habe es im vergangenen Jahr keinen Proteststurm von Anglern gegen das Angelverbot gegeben.

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