Mecklenburg-Vorpommern : Behandlungsfehler durch Ärzte am Limit

57 bestätigte Verdachtsfälle in MV. Bundesweit gehen die Zahlen leicht zurück

svz.de von
17. März 2016, 12:00 Uhr

57 Patientinnen und Patienten aus Mecklenburg-Vorpommern sind im vergangenen Jahr falsch behandelt, diagnostiziert oder aufgeklärt worden. 80 Prozent dieser Fehler passierten in Krankenhäusern. Das geht aus gestern veröffentlichten Zahlen der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern hervor. 293 Antragsteller aus dem Land hatten demnach prüfen lassen, ob bei ihnen Behandlungsfehler vorliegen. 163 dieser Verfahren konnten abgeschlossen werden.

Entgegen dem Bundestrend waren das einige Anfragen mehr als im Vorjahr, als 278 Behandlungsfehler-Vorwürfe erhoben wurden. Damals hatten sich von  195 entschiedenen 43 Verdachtsfälle als tatsächliche Fehler erwiesen.

Bundesweit ging die Zahl ärztlicher Behandlungsfehler leicht zurück. 2015 wurden nach Angaben der Bundesärztekammer 11 822 entsprechende Begutachtungsanträge gestellt, ein Jahr zuvor waren es 12 053. In fast jedem sechsten Fall (total 2132) wurde bei der Prüfung tatsächlich ein Behandlungsfehler ermittelt.

Die Zahl der festgestellten Fehler lag sowohl im Land als auch bundesweit, bezogen auf die Gesamtzahl der Behandlungen, unterhalb des Promillebereichs. In MV sind 2015 laut Ärztekammer mehr als zwölf Millionen ambulante und knapp 1,3 Millionen Krankenhausbehandlungen durchgeführt worden.

Am häufigsten fühlten sich Patienten mit einer Knie- oder Hüftgelenksarthrose falsch behandelt. Auch bei Brüchen sowie bei Bandscheibenschäden waren Patienten mit der Behandlungsqualität unzufrieden. Entsprechend richteten sich die meisten Beschwerden gegen Fachärzte aus den Gebieten Unfallchirurgie und Orthopädie. Im niedergelassenen Bereich folgten an zweiter Stelle hausärztlich tätige Mediziner.

Mecklenburg-Vorpommerns Ärztekammer-Präsident Dr. Andreas Crusius, der zugleich Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer ist, betonte, dass Transparenz ein Beitrag zur Vermeidung künftiger Fehler sei. Behandlungsfehler hätten komplexe Ursachen. Ein wichtiger Grund sei der steigende Behandlungsdruck in Kliniken und Praxen. Mediziner würden seit langem am Limit arbeiten – und manchmal auch ein Stück darüber hinaus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen